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SWR2 Wort zum Tag

Eine eher alltägliche Erfahrung: Ich bin bei guten Bekannten eingeladen, habe mich aber verspätet. Das Essen schon in vollem Gange, ich merke, dass die Gastgeber enttäuscht sind. Zum Glück lässt sich die Sache noch regeln: Ich entschuldige mich, mache an passender Stelle ein Kompliment, der Gastgeber lacht und gibt der Küche Bescheid; jetzt bin ich mittendrin und genieße das Fest.

Ganz anders eine Geschichte aus dem neuen Testament. Sie erzählt von einem Hochzeitsfest. Wie im Orient üblich, sollen junge unverheiratete Frauen den Bräutigam in einem nächtlichen Zug zum Festsaal geleiten, in dem die Hochzeit stattfinden soll. Sie schlafen ein, und als gegen Mitternacht der Bräutigam endlich angekündigt wird, müssen sie in aller Eile ihre Lampen richten. Fünf von ihnen, heißt es in der Geschichte, waren töricht, sie hatten vergessen, genügend Öl für die Lampen zu besorgen, und fünf waren klug. Und während nun die Törichten davon eilen, um frisches Öl zu kaufen, zieht der Bräutigam mit den fünf Klugen in den Festsaal – und: „die Tür wurde verschlossen“. Als dann die anderen verspätet kommen und um Einlass bitten, heißt es: Zu spät, das Fest hat begonnen, es wird niemand mehr eingelassen.

Vor einer verschlossenen Tür zu stehen, bei einem Fest, auf das man sich lange freute, nicht mehr mitfeiern zu dürfen - das möchte ich nicht, es klingt für mich wie ein schlimmer Traum. Tatsächlich mutet die Geschichte mir das zu, ja, sie riskiert einen Moment der Panik. Schließlich geht es hier ja nicht um die Einladung bei Bekannten, und nicht von einer beliebigen Tür und irgendeinem Gastgeber ist die Rede. Jesus spricht hier von Gott und von jenem Fest am Ende der Zeiten, zu dem alle Menschen eingeladen sind. Dieses Fest, so höre ich das, darfst du wirklich nicht verpassen!

Ist das Angstmache? Ich meine: Es ist ein Weckruf für Leute, die vieles tun und dabei manchmal das Wesentliche vergessen. Wesentlich ist es, im Bild gesprochen, genügend „Öl in der Lampe“ zu haben, Brennstoff, Energie für dunkle Wege. Ich glaube, das kommt von Gott, es ist die Kraft, der Trost, die Hoffnung, die sein Wort mir zusagt. Für Sie mag es etwas anderes sein. Wichtig, ja entscheidend ist aber, dass es trägt, dass es Sie und mich einmal dorthin führt, wo das Leben weitergeht. Zum Fest. So hoffe ich, dass Gott mir einmal gerne die Tür öffnet, wenn ich – vermutlich im letzten Augenblick - erscheine.

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