Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

Sommertage machen durstig. Wenn es wirklich ein sonniger Tag gewesen ist und wenn ich am Abend meine Arbeit ruhen lassen darf, dann habe ich Durst. Ich freue mich auf ein kaltes Bier. Es schmeckt mir gut und es tut mir gut. Als lutherischer Pfarrer erinnere mich gern an so manchen Spruch von Martin Luther dazu. So hat er z.B. gesagt „Ein Schluck Wasser oder Bier vertreibt den Durst, ein Stück Brot den Hunger, Christus vertreibt den Tod.“

Als Martin Luther und seine Katharina von Bora am 13. Juni 1532 heirateten, durften sie selbst Bier brauen. Sie erhielten zur Hochzeit nicht nur ein Fass Einbeckisch Bier, sondern es wurde ihnen das Nutzungsrecht für das frühere Augustinerkloster in Wittenberg geschenkt. Damit waren sie Hausbesitzer. Und nur wer ein Haus besaß, der durfte auch Bier brauen.  Bürger haben für den eigenen Bedarf gebraut, durften Bier aber auch verkaufen. Und so hat seine Frau Käthe Bier brauen dürfen.

Das hat er selbst gern genossen und sich darüber gefreut. Denn weil sie Bier verkaufte, unterstützte sie den Haushalt der Familie. Bier zu genießen hat Martin Luther auch als Beispiel dafür benutzt, dass er gern seine Arbeit tut, aber vor allem Gott vertraut, dass der etwas Gutes aus seiner Arbeit entstehen lässt.

„Ich predige das Evangelium. Dann sitze ich hier in der Wirtsstube und trinke mein gutes Wittenbergisch Bier und das Reich Gottes kommt von ganz alleine.“
Allerdings musste er in seinen Predigten und Tischreden auch immer wieder mahnen, wenn die einfältigen Leute mit dem Bier nicht umgehen konnten.
„Bier macht die Menschen toll und töricht, sodass sie sich hauen, stechen und ermorden. Das ist aber nicht die Schuld des Bieres, wenn du ein Bierschlauch und Trunkenbold bist.“

Ich genieße am Abend mein Bier, nachdem ich meine Arbeit getan habe; ich feiere gern Geburtstage oder Hochzeiten und trinke auch dort gern. Aber nie über den Durst. Sondern dankbar und verantwortungsvoll. Schön, dass wir nicht nur Wasser trinken, sondern dass Gott uns auch Gutes schmecken lässt und uns die Freude am Genuss gönnt.
Besonders das Bier am Sommerabend erinnert mich daran. Und an ein weiteres Wort von Martin Luther: „Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24853