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SWR2 Wort zum Tag

Was kommt zuerst? Womit soll ich anfangen? Jeden Tag stelle ich mir diese Frage. Wichtige Aufgaben gibt es ja immer, ganz gleich, ob im Beruf oder im Privatleben. Aber manchmal scheint mir, dass ich zu schnell hineingehe, dass ich etwas anpacke, aber innerlich nicht richtig darauf vorbereitet bin.

Eine alte Geschichte erzählt von einem Dorf, das nach langer Trockenzeit beschließt, einen Regenmacher zu sich zu holen. Dieser jedoch setzt sich am ersten Tag in die Sonne und genießt in Ruhe sein Essen. Am Tag darauf macht er sich in dem kleinen Garten zu schaffen, der die Hütte umgibt, und plaudert mit den Nachbarn. Am Himmel keine Wolke, kein Regen in Sicht. Dann kommt der dritte Tag: Der Regenmacher geht durchs Dorf und verbringt den ganzen Tag in der Umgebung. Er spaziert durch die Felder, repariert eine alte Viehtränke und den Brunnen. In dieser Nacht kommt der Regen, endlich. Gefragt, wie das geschehen konnte, sagt er: Ganz einfach. Am ersten Tag habe ich Ordnung gemacht bei mir selber. Am Zweiten habe ich meine Umgebung und die Beziehungen in Blick genommen. Und am dritten Tag habe ich mich mir das Ganze angesehen und danach Ausschau gehalten, welchen Auftrag Gott mir geben würde.

Mich hat diese Geschichte angesprochen. Im Grunde ist jeder Tag eine solche große Aufgabe, die nur in Schritten bewältigt werden kann. Anfangen muss ich in meiner unmittelbaren Umgebung, bei mir selbst. Zuerst Zeit für sich selber haben, vielleicht ein Bibelwort meditieren, das eigene kleine Leben in Ordnung bringen, innerlich, auch äußerlich. Dann die Menschen in den Blick nehmen, mit denen ich lebe, sie grüßen, wertschätzen, segnen. Nicht zufällig, wenn's grade passt, sondern als bewusster Schritt. Besprechen, was wichtig ist, vielleicht auch etwas ausräumen. Und erst dann kann ich die ganze Aufgabe in den Blick nehmen. Ich frage: Was dürfen andere zu Recht von mir erwarten? Was gehört nicht zu meiner Aufgabe? Und was hält Gott von meinen Plänen? Wenn der Herr nicht das Haus baut, dann arbeiten die Bauleute umsonst, sagt ein Psalmwort.

Diese letzte Frage wird sich nicht jeder stellen, und die Antwort wird nicht jeder glauben können. Und doch meine ich, gilt das für alle: Bevor ich in diesen Tag mit seinen Aufgaben hineingehe, müssen bestimmte Dinge erledigt und geklärt werden. Eins nach dem anderen.

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