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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Die Johanneskirche in Schwenningen ist ein Schiff. Sie ist nicht nur groß wie ein Schiff, sie sieht auch so aus. Wenn ich im Gottesdienst sitze, dann fühle ich mich wie im Bug eines großen Kahns. Wie bei einem Schiff laufen die Seitenwände vorne in der Mitte aufeinander zu. Die Decke ist weiß gestrichen und unregelmäßig wie ein bewölkter Himmel. Der Kirchturm ist der Mast.

Die Kirche als Schiff. Der Architekt der Schwenninger Johanneskirche hat sich an einem uralten Symbol orientiert. Es geht zurück auf eine Geschichte aus der Bibel (Markus 4,35-41): Jesus ist mit seinen Jüngern in einem Boot auf dem See Genezareth unterwegs. Er schläft hinten im Heck. Plötzlich bricht ein heftiger Sturm los. Die Wellen sind so hoch, dass sie in das kleine Schiff hineinschlagen. Der Rumpf läuft voll. Die Jünger haben Todesangst. Sie wecken Jesus und fragen ihn: „Kümmert es dich denn gar nicht, dass wir untergehen?“ Da steht Jesus auf, befiehlt dem Sturm „Schweig! Sei still!“, und der Wind legt sich. Es wird ganz still und Jesus fragt seine Gefährten: „Habt ihr denn gar keinen Glauben?“

Die Kirche ist wie dieses Schiff auf dem See Genezareth. Dieses Bild gefällt mir. Christ zu sein heißt: Ich bin mit Jesus Christus im selben Boot. Und ihm liegt etwas daran, dass ich in den Stürmen meines Lebens nicht untergehe. Die Stürme bleiben mir dadurch nicht erspart. Auch wer mit Jesus unterwegs ist, kriegt sie ab. Angst, Krankheit, Krisen kennt auch jeder Christ. Aber Jesus verspricht mir: Auf jeden Sturm folgt ruhige See, nach jeder Lebenskrise kommen wieder helle Tage. Und zum Schluss endet die Fahrt nicht auf dem Meeresgrund, in der Katastrophe, sondern im Ziel-Hafen, bei Gott. Ende gut, alles gut.

Die Kirche ist wie das Boot aus der Geschichte. Das heißt auch: Ich brauche keinen perfekten Glauben, um mit dabei zu sein. Die Jünger haben ganz wenig Vertrauen, dafür eine Riesenangst. Obwohl sie Jesus kennen und obwohl sie schon eine ganze Weile mit ihm unterwegs sind. Im Grunde machen sie es sich dadurch selbst unnötig schwer. Mit mehr Vertrauen könnten sie viel gelassener sein. Aber der Glaube kann ja auch wachsen. Nach jedem überstandenem Sturm war es wahrscheinlich auch für die Jünger ein bisschen leichter auf Gott zu vertrauen.

Ich denke, so ist es auch im Kirchenschiff: Um dabei zu sein, genügt ein kleiner Funke Glaube. Aber der kann wachsen. Je mehr ich Gott kennen lerne, je mehr Erfahrungen ich mit ihm mache, wird meine Angst kleiner und mein Vertrauen ein bisschen größer.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24323