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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Er fällt mir jedes Jahr auf, wenn wir in dem kleinen Dorf in Italien Urlaub machen: Der Straßenfeger. Mit seinem Besen fegt er die engen Gassen. Und er tut das mit einem höchst würdevollen Gesichtsausdruck. Obwohl er einen einfachen Beruf hat, ist er anscheinend stolz auf das, was er tut. Das gefällt mir.

Das hätte auch Martin Luther gefallen. Denn er war davon überzeugt, dass jeder Mensch, egal was er macht, eine sinnvolle und wichtige Arbeit tut. Egal ob Hausfrau, Lehrerin, Richter oder Straßenkehrer. Luther hat gesagt: Jeder Mensch ist bei dem was er tut im Auftrag Gottes unterwegs. Ich arbeite nicht nur, damit ich Geld verdiene. Ich arbeite, weil Gott mir den Auftrag dazu gegeben hat. Er will, dass ich meine Fähigkeiten zum Wohl aller Menschen einsetze.

Das war damals was Neues. Bis dahin hatte man gedacht: Nur die Priester, Mönche und Nonnen sind von Gott berufen. Luther sagt dagegen: Alle sind von Gott berufen. Das hat die Arbeit aller Menschen ungeheuer aufgewertet. „Gottesdienst im Alltag“ hat Luther den Beruf genannt. Er hat gesagt: Wer seine Arbeit gewissenhaft und gut macht, der dient Gott besser, als wenn er sonntags in die Kirche geht.

Zu Luthers Zeiten, konnte man sich seinen Beruf noch nicht aussuchen wie heute. Die Söhne haben in der Regel den Beruf ihrer Väter ergriffen und die Mädchen wurden Hausfrauen oder Mägde. Heute ist das zum Glück anders: Man kann sich viel leichter einen Beruf suchen, der zu einem passt. Und man kann ihn wechseln, wenn man merkt: Es passt nicht. Das ist gut. Aber das gelingt nicht jedem Menschen. Und auch die, denen alle Möglichkeiten offen stehen, empfinden ihren Beruf manchmal als sinnlos.

Ich finde, dann hilft es zu wissen: Gott hat mich an meinen Arbeitsplatz berufen. Ich bin nicht einfach austauschbar. Es ist auch nicht egal, wie ich meine Arbeit mache. Indem ich sie gut mache, leiste ich einen wichtigen Beitrag für mein Unternehmen, für meine Familie oder für die Gesellschaft. Darauf kann ich stolz sein. – Das gilt auch für die Berufe, die nicht so angesehen sind.

Ein anderer Martin Luther – der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King – hat einmal gesagt: „Wenn Sie dazu berufen sind, Straßen zu kehren, dann kehren Sie sie, wie Michelangelo Bilder malte oder Beethoven Musik komponierte oder Shakespeare dichtete. Kehren Sie die Straße so gut, dass alle im Himmel und auf der Erde sagen: ‚Hier lebte ein großartiger Straßenkehrer, der seine Arbeit gut gemacht hat‘“.  

Ein guter Ratschlag für jede Arbeit, finde ich, auch für die, die Sie heute tun.

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