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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Kann man mit Jesus reden? Wie Don Camillo? Neulich habe ich mir diese alten Schwarzweiß-Filme über den italienischen Priester wieder angeschaut. Herrlich, wenn Don Camillo in seiner Dorfkirche mit Jesus spricht und Jesus am Kreuz ihm tatsächlich antwortet. Oft klagt Don Camillo, was ihm sein Erzfeind, der Bürgermeister Peppone, angetan hat. Aber Jesus sagt nicht immer das, was Don Camillo hören will. Jesus hinterfragt oft die Sicht seines Priesters und erinnert ihn daran, wenn auch er sich nicht richtig verhalten halt.

Ich habe noch nie Gott oder Jesus reden hören wie Don Camillo. Trotzdem glaube ich, dass das Gebet tatsächlich so etwas wie ein Gespräch mit Gott ist. Der württembergische Reformator Johannes Brenz hat einmal gesagt: „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott“. Mit jemandem reden ist aber nur dann sinnvoll, wenn ich auch zuhören kann. Wenn ich die Rückfragen des anderen höre, seine Kommentare, vielleicht auch seinen Widerspruch. So ist es auch beim Beten, finde ich. Beten ist keine Einbahnstraße, nicht nur ein Reden zu Gott, sondern auch ein Hören auf Gott.

Das habe ich auch schon erlebt: Wenn ich Gott erzähle, was mich gerade beschäftigt, kommen mir manchmal Gedanken, die ich vorher nicht hatte. Oft sind das neue, hilfreiche Gedanken, die mich weiterbringen. Ich höre dabei natürlich keine Stimme. Aber ich finde schon, dass man dazu sagen kann: Gott redet mit mir.

Wie in einer Beziehung zwischen zwei Menschen, funktioniert auch ein Gespräch mit Gott dann besser, wenn man den anderen gut kennt. Gott lerne ich in der Bibel kennen. Deshalb denke ich, dass Beten und Bibellesen zusammengehören. Je vertrauter Gott mir ist, desto leichter fällt es mir, auf ihn zu hören.

Mit Gott reden kann ich überall, aber vielleicht besonders gut in der Kirche wie Don Camillo. Vielleicht weil die Kirche ein besonderer Ort ist mit einer besonderen Atmosphäre. Ein Ort, wo man seine Ruhe hat und sich besser als zu Hause auf das Gespräch mit Gott konzentrieren kann. Diese Erfahrung macht auch der Schauspieler Ben Becker, habe ich vor ein paar Wochen in der Zeitung gelesen. In einem Interview hat er über Jesus gesagt: „Jedes Mal, wenn ich ein Kirchenschiff betrete, unterhalte ich mich mit dem Mann“. Auch für Ben Becker ist das Gebet keine Einbahnstraße. Er sagt: „[Ich] spüre dabei, dass Jesus mich liebt und dass ich ihn liebe. Dann fühle ich mich geborgen“.

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