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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Stellen sie sich einmal vor, sie sind Hauptfigur eines Films. Sie sind der Hauptdarsteller einer Doku, einer Serie über ihr eigenes Leben. Es gibt noch andere Hauptdarsteller, Schlüsselfiguren, die die Handlung entscheidend beeinflussen und Nebendarsteller, die auftauchen und verschwinden. Es gibt auch einen Regisseur, einen, der Szenen spannender haben will, Dialoge kürzt oder zusätzliche Ereignisse einbaut und dafür andere Sequenzen einfach aus dem Drehbuch streicht. Am Ende entscheidet der Regisseur über das Happy End oder den dramatischen Ausgang. Wie wäre das, nicht nur der Hauptdarsteller, sondern auch der Regisseur im eigenen Lebensfilm zu sein? Oder wer ist der Regisseur ihres Lebens? Ist es eine Person aus ihrem Umfeld? Sind es Vorstellungen und Erwartungen anderer? Oder glauben sie, Regie führt eine fremde Macht oder sogar Gott? Ich lade Sie ein, einmal selbst die Rolle des Regisseurs einzunehmen. Werfen Sie einen Blick auf den Hauptdarsteller ihres Films. Ihre Lebensgeschichte hat verschiedene Kapitel. Gibt es dazu Überschriften? Welche Mitspieler sind besonders bedeutsam? Angenommen sie würden selbst Regie führen, was würden sie gerne ändern? Auf was könnten sie zurückgreifen? Was bräuchten sie an Unterstützung? Das Leben wie ein Film. Reinhold Bartl, ein Therapeut, der Menschen in Lebenskrisen begleitet, macht diesen Vorschlag: Er sagt, es lohnt sich, in die Rolle des Regisseurs unseres eigenen Lebens zu schlüpfen. Menschen tun sich nämlich leichter, wenn sie sich selbst mit etwas Abstand betrachten. Ich fühle mich als Regisseur meines eigenen Lebens weniger ausgeliefert, fühle mich freier, auch was grundlegende Entscheidungen betrifft. Ein guter Regisseur, denke ich, möchte in der Regel eine interessante Geschichte erzählen. Er reiht viele Szenen aneinander. Da ihm nicht unendlich Zeit zur Verfügung steht, muss er eine Auswahl der Szenen treffen und Entscheidungen zum Verlauf der Geschichte fällen. So wie es einem Regisseur schwer fallen kann, so ist es für mich manchmal schwer, auch traurig, nicht alles leben zu können. Manchmal stockt die Handlung, aber die einzelnen Kapitel gehören zu meiner Geschichte, zum roten Faden meines Lebens. Aber ein Regisseur, sieht auch das Ganze und nicht nur den Augenblick.

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