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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Und Gott sprach: Du musst mir helfen!“ Das könnte ein Zitat aus der Bibel sein, ist aber ein Buchtitel. Der Autor Hans Rath erzählt die Geschichte eines Psychotherapeuten. Der hat einen Patienten, der behauptet, Gott zu sein. Der Patient beklagt, dass die Menschen die zehn Gebote nicht mehr kennen. Er meint außerdem, dass diese nicht mehr zeitgemäß sind und auch nicht mehr verstanden werden. Er beschließt die zehn Gebote zu überarbeiten, zu vereinfachen und kommt schließlich zu seinem Therapeuten mit der Nachricht, er habe die zehn Gebote auf ein einziges zusammengefasst.
„Nur ein Gebot? […] Wie lautet es?“ fragt der Therapeut den Patienten, der sich als Gott höchstpersönlich ausgibt. Und der sagt: „Du sollst nicht gleichgültig sein.“ […] „Nicht gleichgültig gegen die Menschen, nicht gegen die Tiere, nicht gegen die Pflanzen oder gegen den Planeten. Nicht gegen Hunger und Leid, nicht gegen Kriege und Ungerechtigkeit, nicht gegen Umweltzerstörung und all die anderen Dinge, mit denen die Menschheit sich geißelt. Die gute Nachricht lautet, dass ich von meinen Schäfchen kein Heldentum erwarte. Aber ich möchte, dass die Menschen nicht länger so tun, als hätten sie mit sämtlichen Problemen auf dieser Erde nicht das Geringste zu schaffen.“ „Ich gebe zu, das ist keine schlechte Idee“ sagt der Therapeut. [ … ] „Ja. Damit ist alles gesagt. Mehr verlange ich nicht von euch, denn ich glaube, alles andere wird sich dann wie von selbst ergeben.“ sagt der Patient, der sich für Gott hält.
Als ich das Buch gelesen habe, musste ich an einen meiner Lehrer im Theologiestudium denken. Er sagte, eigentlich sind die zehn Gebote gar nicht zehn, sondern ein einziges. Es folgen nur noch ein paar Ausführungsbestimmungen. Das Gebot heißt: Du sollst Gott lieben. Alles andere ergibt sich daraus: nicht lügen, nicht stehlen, nicht töten usw.
Der Gedanke gefällt mir, dass wir Menschen uns gar nicht an komplizierten religiösen Gesetzen orientieren müssen. Ein Gebot reicht. „Du sollst nicht gleichgültig sein.“
Die Flutopfer in Peru zum Beispiel: Die Tochter eines Freundes macht dort gerade ein freiwilliges soziales Jahr. Sie erlebt die Katastrophe hautnah. Sie hat um Spenden gebeten. Für Menschen, die alles verloren haben kauft sie damit Trinkwasser, Nahrungsmittel und Medikamente. Einige haben gespendet. Jeder kleine Beitrag erscheint nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber insgesamt haben die Spenden die Freiwillige ermutigt weiterzumachen.

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