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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Papst Franziskus hat einen Satz gesagt, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: „Dass die Hirten den Geruch der Schafe haben müssen.“ Wenn Schafe gut riechen würden, wäre das weniger ein Problem. Aber sie riechen eben meistens streng: nach Kot und Stall und ihresgleichen. Ich unterstelle, dass Franziskus das einkalkuliert und auch deshalb den Nagel auf den Kopf trifft, wenn er das fordert. Hirten müssen sich mit denen gemein machen, für die sie zuständig sind. Sie sollen das Leben kennen, wie es ist, mit allen Seiten, den entspannten und den gefährlichen. Ja, am besten leben sie mit den Schafen, im gleichen Stall, unter freiem Himmel, Wind und Wetter ausgesetzt. Sie sollen sich für nichts zu fein sein, keine goldenen Kloschüsseln haben. Und wenn es stinkt, und sie die Nase rümpfen, dann ist das ein Alarmsignal. Wer sich für was Besseres hält, ist kein guter Hirte.

Der Papst spricht dabei über seine Kirche, über die Bischöfe und Priester, eben jene, denen Menschen anvertraut sind. Einerseits fühle ich mich von ihm entlarvt, weil ich nicht oft genug und manchmal nicht nahe genug an den Leuten dran bin. Und oft auch ein besseres Leben führe als sie. Es kommt vor, dass ich deren alltäglichen Geruch als unangenehm empfinde, stink-normal eben. Andererseits spornt mich das an, seinen Gedanken zu beherzigen. Er hat ja so recht, nicht nur wenn es um die Verhältnisse in der Kirche geht. 

Viele Menschen fühlen sich in unserer Gesellschaft abgehängt. Den Politikern glauben sie nichts mehr, weil sie sich von ihnen nicht verstanden fühlen. Was die Gebildeteren sagen, verstehen sie nicht. Aber die haben eben das Sagen. Nicht wenige müssen kämpfen, um mit Kindern und Familie über die Runden zu kommen. Auf der einen Seite sind die, die Pläne machen und Entscheidungen treffen. Auf der anderen die, auf die niemand hört, die ignoriert werden. Das frustriert, das spaltet, das schafft einen Nährboden für die einfachen Parolen. Aber es gibt eben keine einfachen Lösungen, auch wenn manche Politiker das behaupten.  

Ich denke, dass es Schritte aufeinander zu braucht. Und dass die Vertreter der Kirche - ich als einer von ihnen - dabei mit gutem Beispiel voran gehen können. Indem ich mich ehrlich für das interessiere, was andere denken, indem ich verstehen lerne, was die sagen, die eine andere Sprache sprechen als ich.

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