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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wenn es um Gott geht, stellen sich viele Menschen die Frage: „Was bringt’s denn, wenn ich an ihn glaube?“ Ich finde es gut, dass sie das tun. Wer glaubt, muss überzeugt sein und begründen können, an was er glaubt. Früher hat die Kirche einfach dazu gehört. Der Glaube war selbstverständlich, oft aus Tradition, die meistens nicht in Frage gestellt worden ist. Ich bin überzeugt, dass man heute so nicht mehr glauben kann, und selbst, wenn es ginge, wollte ich dahin nicht mehr zurück. Bei allem, was ich tue, achte ich darauf, dass es möglichst einen Sinn gibt, dass es sich lohnt, für andere und für mich. Genau so ist es bei Gott auch. Ich glaube auch an ihn, weil mir das etwas bringt.  

Und was bringt er mir? Gott hilft mir. In ganz verschiedenen Situationen meines Lebens habe ich das gespürt. Es tut gut zu wissen, dass er mich liebt wie sein Kind. Er macht meine dunklen Tage ein bisschen heller. Er lässt mich nicht am Tod verzweifeln. Wenn ich Angst habe, kann ich mich an ihm festhalten. Ja, das ist wahrscheinlich das Wichtigste an meinem Glauben: Ich habe in Gott einen Anker, einen, der mich stärker sein lässt, als ich es aus eigener Kraft könnte. 

Mit dieser Erfahrung bin ich nicht allein. An vielen Stellen der Bibel wird berichtet, dass es einem Menschen so geht. Manche werden deshalb ausgelacht. Aber das hindert sie nicht daran, Gott treu zu bleiben. Denn umgekehrt spüren sie auch, dass Gott an ihnen festhält. Und das macht sie stark. 

Bis heute gibt es Menschen, die sich darauf verlassen. Dass Gott stark ist und sie selbst stark macht. Auch wenn andere sie angreifen und schlecht machen. Es kommt mir so vor, als ob unsere Bundeskanzlerin sich auch darauf verlässt. Es imponiert mir, wie sie an ihrer Entscheidung in der Flüchtlingsfrage festhält: Wer in Not ist und zu Recht Hilfe sucht, dem wir geholfen. Egal, wie viele es sind. Ohne Obergrenze. Das ist eine Grundauffassung des christlichen Glaubens! Dafür hat Angela Merkel Anfang Februar den Eugen-Bolz-Preis in Stuttgart bekommen. Für praktizierte christliche Verantwortung in der Politik. Merkel hat für ihre Beständigkeit in dieser Frage viel Kritik einstecken müssen. Und sie hat große Stärke bewiesen. Ohne dauernd auf den politischen Erfolg und ihre persönliche Beliebtheit zu achten. Damit steht sie für mich in bester christlicher Tradition.

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