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SWR2 Wort zum Tag

– Gott sitzt im Regiment

Wer ist der Größte? Wer hat die Macht? Wer die Macht hat, kann etwas machen, kann gestalten und verändern. Jedenfalls theoretisch. Wenn man genauer hinschaut, wird deutlich: Selbst die Mächtigsten müssen sich nach anderen richten, sie können nicht einfach machen, was sie wollen. Sie sind abhängig von der Gunst der Wähler, abhängig von Interessengruppen, abhängig vom Geld. Sitzen hier vielleicht die wahren Mächtigen? Ich selber glaube: Auch die Reichen sind abhängig, getrieben von einer noch größeren Macht. Frage ich also nochmal: Wer hat die Macht?

Im Buch des Propheten Daniel lese ich: „Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende“ (Daniel 7,14). Später wird diese Prophezeiung auf Jesus Christus bezogen, der von sich selber sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden“ (Matt 28). Aber: Wo zeigt sich diese Macht? Ich frage mich das im Hinblick auf solche Machthaber, denen es offenkundig nur noch um den eigenen Machterhalt geht und die dabei Furchtbares anrichten. Aber auch im Hinblick auf den amerikanischen Präsidenten, der heute vereidigt wird. Für viele ist das ein Grund zur Sorge. Warum greift Gott nicht ein?

Im Kleinen, im Verborgenen kann ich Gottes Eingreifen eher erkennen. Dort, wo sich auf wunderbare Weise etwas zum Guten wendet. Im Pflegeheim liegt ein Schwerkranker, der nicht mehr sprechen kann. Die junge Pflegerin singt einen Choral an seinem Bett. Da leuchten seine Augen, und er sagt laut und deutlich: „Wunderbar“. Dieses Wort hat er in seinem Leben kaum gekannt, aber jetzt erweist es sich von großer Kraft, beim Personal, bei der Familie. Keine Macht der Welt hätte ihm dieses Wort entlocken können. Nur Gott konnte es, davon bin ich überzeugt, und wenn er am Bett eines Sterbenden ein Wunder tut, sollte er nicht auch im Großen, ja an der ganzen Schöpfung Wunder tun?

„Es wird regiert“. Das sagte der Theologe Karl Barth am Vorabend seines Todes: „Ja, die Welt ist dunkel. .... Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern … hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her!“ - Für mich ist das ein großer Trost. Nicht der Zufall regiert, nicht das Geld und keiner von denen, sie sich für mächtig halten. Gott ist da. Es gibt Zukunft für die Welt, und es gibt Grund zur Hoffnung.

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