Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wieder ist die Welt um eine Hoffnung ärmer: Der „Internationale Strafgerichtshof“ in Den Haag beginnt zu bröckeln. Die USA hatten sich bereits im Jahre 2002 aus dem Staub gemacht. Nun wollen auch Russland und einige afrikanische Länder ihre Mitgliedschaft aufkündigen. Wie praktisch: Tatverdächtige schaffen den Gerichtshof ab, der sie zur Rechenschaft ziehen will. Dann können schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord und Kriegsverbrechen, die von diesen Ländern ausgehen, allenfalls noch beim „Jüngsten Gericht“ geahndet werden. Das kommt ein wenig spät! Wer sich solcher Verbrechen schuldig macht, muss sich hier und heute, vor den Augen aller Welt, für sein Treiben verantworten. 

Heute ist der „Internationale Tag der Menschenrechte“. Am 10. Dezember 1948 haben 56 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ unterzeichnet. Anlass waren die Gräueltaten des NAZI-Regimes in Deutschland und die Verbrechen des entsetzlichen Zweiten Weltkriegs. Die Menschenrechte umfassen nun einen ganzen Katalog wie etwa das Recht auf Leben, Eigentum und Gesundheit. Sie fordern die Gleichheit aller vor dem Gesetz und garantieren Meinungs- und Religionsfreiheit, um nur einige Grundrechte zu nennen. 

Um die Menschenrechte – Gradmesser der Menschlichkeit in der Welt – ist es gegenwärtig schlecht bestellt: Todesschwadronen auf den Philippinen, Hinrichtungen in China, im Iran; Folter und Mord in Syrien und vielen anderen Ländern und nun auch noch die Missachtung der Menschenrechte in der Türkei. 

Doch auch bei uns im Lande nehmen es manche mit den Menschenrechten nicht so genau. Da werden Flüchtlingsheime abgefackelt und die Feuerwehr grölend bei den Löscharbeiten behindert. Asylanten, denen noch die Schrecken ihrer Flucht ins Gesicht geschrieben stehen, müssen nun auch hier wieder um ihr Leben fürchten. 

Noch wenige Tage und die Christenheit erinnert an die Geburt Jesu in Bethlehem – Zeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen, so glauben wir. Für die Menschenrechte einzutreten, ist daher Christenpflicht. Wer die Menschenrechte missachtet, missachtet den Mensch gewordenen Gottessohn. Man kann nicht fromme Weihnachtslieder singen und gleichzeitig gegen Ausländer oder Andersdenkende hetzen. Das sind schräge Töne! 

Die Grundmelodie des Weihnachtsfestes ist die Menschlichkeit.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23252