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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

 Manchmal mach ich das, abends im Bett vorm Einschlafen, so eine Art Tagesbilanz. Was war gut, was war schlecht? Hätte ich an der einen oder anderen Stelle besser den Mund gehalten? Ist der Tag eher an mir vorüber gezogen oder habe ich auch Momente erlebt, die ich bewusst wahrgenommen habe? Wichtig ist mir bei diesen Tagesbilanzen, dass ich durch sie nicht ins Hadern oder Grübeln komme, so kurz vor dem Einschlafen. Sondern sie sehe wie sie sind, die guten wie die schlechten Seiten und sie dann vor Gott lege, ihm überlasse, mich umdrehe und einschlafe. Bestenfalls.

So wie es Tagesbilanzen gibt, gibt es auch Lebensbilanzen, an den sogenannten Knotenpunkten des Lebens. In der berühmt-berüchtigten Lebensmitte zum Beispiel. Berühmt, weil viele Menschen sie eben kennen, diese Bilanzen in der Lebensmitte. Berüchtigt, weil sie auch eine Zeit ist, in der man sich so gute wie ernste Fragen stellen kann. Aber nicht nur in der Lebensmitte kann ich mich fragen was denn wichtig für mich ist oder richtig in meinem Leben. Das lohnt sich auch immer mal wieder zwischendurch. Zum Beispiel: was hab ich eigentlich aus meinem Leben gemacht? Wie weit habe ich es beruflich gebracht? Wie viel Freude hab ich in meinem Beruf? Welchen Einfluss habe ich? Wie wichtig ist mir Besitz?

Was war bisher der Sinn meines Lebens?

Wie glücklich ist meine Ehe oder Partnerschaft? Was ist geglückt? Wo bin ich gescheitert?

Was ist aus meinen Kindern geworden? Was habe ich richtig gemacht, was habe ich an ihnen versäumt? Und wenn ich keine Kinder habe: was hab ich getan das Sinn macht oder das bleibt?

Welche Erfahrungen habe ich mit Freundschaften gemacht? Wen mag ich? Und wer mag mich?

Wie ist mein Verhältnis zu den Eltern und Geschwistern?

Und die wichtigste Frage von allen: Wie viel Liebe hat es in meinem Leben gegeben? Wurde ich geliebt und konnte ich genug lieben?

Bei all diesen Fragen geht es nicht um äußere Leistung oder sichtbaren Erfolg, sondern um das, was in der Waagschale des Lebens wirklich Gewicht hat. Dass ich beides sehen und nehmen kann. Das was gut war und das was schlecht war. Und wenn ich mich bei dieser Bilanz mehr im Soll sehe als im Haben, dann lege ich auch sie vor Gott und vertraue auf diesen Gedanken: Dass bei ihm mein Haben nicht alles ist und mein Soll nicht Nichts.

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