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SWR4 Abendgedanken

  „Weißt du, wer ich bin?“. Seit 2004 gibt es in Deutschland ein Projekt, das so heißt. Es ist ein interreligiöses Projekt. Eine Möglichkeit Menschen unterschiedlicher Religionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Vier muslimische Verbände, der Zentralrat der Juden und die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen haben sich zusammengetan, um dieses Projekt zu starten. Heute wird eine weitere Etappe dieser Initiative eröffnet. Durch die vielen Menschen, die aus anderen Ländern bei uns Zuflucht suchen, erfährt das Projekt eine neue Bedeutung. Gerade im Zusammenleben mit den Flüchtlingen ist die Zusammenarbeit zwischen den Religionen äußerst wichtig. „Weißt du, wer ich bin?“. Unter dieser Fragestellung sind jüdische, christliche und muslimische Gemeinden eingeladen, im Bereich der Flüchtlingshilfe und des Dialogs gemeinsame Projekte durchzuführen. Als fremde Nachbarn werden sie oft bezeichnet, die Flüchtlinge und Migranten in unserem Land. Doch fremde Nachbarn müssen nicht fremd bleiben. Die Gegenbewegung könnte heißen: Lade Deine Nachbarn ein. Lass Dich von ihnen einladen. Viele Initiativen gibt es schon. Auch in unserer Stadt und in unserer Region. Alle stehen unter der Überschrift: Willkommen. Menschen unterschiedlichster Religionen treffen sich beim Sport, beim Kochen, in Begegnungscafés. Einander fremde Menschen kommen miteinander ins Gespräch und erzählen vom Leben in Deutschland und vom Leben in Syrien. Sie hören dann, was die anderen bewegt. Entdecken Verbindendes. Akzeptieren aber auch Unterschiede. „Weißt du, wer ich bin?“. Diese Begegnungen brauchen Zeit, wenn sich auf diese Frage Antworten finden sollen. Diese Begegnungen führen dann zu dem, wozu alle drei großen Religionen einen Beitrag leisten können: dass wir als Menschen der einen Welt füreinander einstehen und immer mehr gemeinsam handeln. Dann werden einander fremde Menschen zu guten Nachbarn.

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