Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

"Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, so ist der Mensch, der aus seiner Heimat fliehen muss", heißt es im "Buch der Sprichwörter" in der Bibel (Sprüche 27,8). 

Es sind erschütternde Bilder, die gegenwärtig um den Erdball kreisen: Ailan, der  kleine syrische Junge - tot am Strand des Mittelmeers, angeschwemmt wie ein Stück Treibholz. Säuglinge, die man durch Stacheldrahtverhaue schiebt. Weinende alte Menschen, die sich auf dem nackten Asphalt von Bahnhöfen und Flughäfen krümmen - hinausgestoßen in eine ungewisse Zukunft. Was müssen sie alle zuvor schon durchlitten haben? Niemand kratzt doch aus Jux und Tollerei alles Hab und Gut zusammen und liefert sich mit seiner Familie kriminellen Schlepperbanden aus, um dann womöglich auf hoher See zu ertrinken! "Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet, so ist der Mensch, der aus seiner Heimat fliehen muss". 

Viele Menschen in unserem Land lässt das nicht kalt, diese Schicksale gehen ihnen zu Herzen. Sie tun, was dringend geboten ist und engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. Die einen sorgen für eine Grundausstattung, helfen bei der Wohnungssuche und begleiten Flüchtlinge bei zeitaufwändigen Formalitäten und Behördengängen. Andere betreuen Kinder, Jugendliche und alte Leute. Ein Arzt im Ruhestand versorgt ehrenamtlich Flüchtlinge in einer Erstannahmestelle. Pensionierte Lehrer geben Deutsch-Unterricht. Das sind nur ein paar leuchtende Beispiele bürgerschaftlichen Engagements. Sie rücken unser Land in ein helles, freundliches Licht. 

Doch es gibt auch eine dunkle Seite. Brennende Asylantenheime, unverhohlene Gewalt gegen Flüchtlinge, Hass-Tiraden im Internet und Hakenkreuze an den Wänden. Rechtsradikale Hetzer wittern Morgenluft. Mit ihrer dumpfen vaterländischen Ideologie docken sie an den Ängsten vieler Menschen an und schüren den Fremdenhass. Da hilft nur, den Ängstlichen Mut zu machen und sie mit Flüchtlingen in Verbindung zu bringen, dann können sie ihre Angst überwinden. So wird dem braunen Sumpf das Wasser abgegraben. 

Wo Rechtsradikale aber offen in Erscheinung treten, müssen sie auf offenen Widerstand treffen. Die Bibel ist da nicht zimperlich, wenn es im Alten Testament heißt: "Verflucht ist, wer das Recht der Fremden beugt" (Deuteronomium 27,19).

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20514