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SWR2 Wort zum Tag

Gott wird handgreiflich. Das erzählt die Geschichte von Sodom und Gomorrah. Feuer und Rauch, schreiende Menschen, Tod und Verderben. Abrahams Neffe Lot soll aus der Stadt fliehen, aber er zögert, und mit ihm zögern Frau und Kinder. Da greift Gott zu. Göttliche Boten packen den Lot, seine Frau und die Töchter bei der Hand. Sie ziehen die Familie heraus aus der Zone des Verderbens.

So kommen sie mit knapper Not davon, und doch passiert noch etwas auf der Flucht. Die Frau des Lot erstarrt zur Salzsäule, weil sie sich umdreht – am Toten Meer kann man sie heute noch sehen, eine Felsformation, die ihren Namen trägt. Vielleicht ist sie vor Schreck erstarrt, als sie einen letzten Blick auf die Heimat werfen will. Schau nicht zurück! So hatte der Bote sie gewarnt. Aber sie tut es. So wie Menschen aller Zeiten sich immer wieder umdrehen, sich der Vergangenheit zuwenden, nicht loskommen von dem Unrecht, das ihnen widerfuhr. Oder von der Schuld, die sie selber begangen haben. Innere Erstarrung trotz äußerer Lebendigkeit.
Ich glaube an einen zupackenden, einen ergreifenden Gott. Einen, der mich anfasst, der mich mitreißt, auch wenn ich das selber gar nicht will. Es kann eine schlimme Geschichte sein, die einen immer wieder einholt. Wenn die Gedanken eines Menschen immer wieder zurückkehren zu dem Tag, an dem der Partner starb. Wenn die Schmerzen, wenn der alte Groll immer wieder in einem aufsteigt. Wenn die eigene Kindheit eine Katastrophe war, in der es an Liebe mangelte. Manchmal sind Menschen völlig traumatisiert, durchdrungen vom Salz der Bitterkeit. Sie können sich innerlich nicht mehr bewegen. Auf alle Versuche der Ermutigung reagieren sie müde oder spöttisch.
Aber ich erlebe auch das Wunder der Rettung.
Menschen betreuen hier eine Flüchtlings-Familie. Du junge Frau wurde aus ihrem brennenden Haus gerettet. Sie träumte von Massakern in ihrer Heimatstadt, kam nicht davon los. Das ist schlimmer als Sodom und Gomorrah, Trauer und Hass vergifteten die ganze Familie. Zugleich erleben wir, wie das Rettende bei dieser Frau zupackt. Es ist fast wie ein Ringkampf, und manchmal zerreiß es sie fast. Aber ich glaube, dass Gott den Hass und den Schmerz überwinden wird. Menschen beten für sie. Andere helfen und ermutigen, wo es nur geht. Es sind göttliche Boten. Manchmal zeigen sie es einfühlsam, manchmal auch rabiat:
Schau nicht zurück. Gott hat eine Zukunft für dich.

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