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SWR2 Wort zum Tag

Ich glaube, das Bedürfnis nach Trost und Liebe, das bleibt uns Menschen im Leben. Wie ich mich als Kind erinnere: Es hatte Ärger gegeben, weil ich etwas ausgefressen hatte. Da wurde ich gehörig ausgeschimpft, vielleicht gab es sogar auch einen Klaps. Jedenfalls, der kleine Junge weint ohne Ende. Er weint solange, bis die Wende eintritt. Bis jemand ihn wieder auf den Schoß nimmt und ihm ins Ohr sagt: Hör mal, der Papa hat dich doch lieb. Das tut gut, das tröstet. Jetzt noch ein wenig weiterschluchzen, damit dieser kostbare Trost noch eine Weile anhält. Der Papa ist dir nicht mehr böse, er hat dich ganz lieb.
Kinder haben ein tiefes Bedürfnis, dieses immer wieder zu hören, sich dessen immer wieder zu versichern. Nicht nur kleine Kinder, auch größere, auch Erwachsene. Es ist noch jemand da, der steht hinter Dir, der ist größer und stärker als Du. Mein eigener Vater ist 85 Jahre alt, aber seine Liebe zu mir ist immer noch wie ein schützender Schirm. Und wenn die eigenen Eltern es einem nicht mehr sagen können, dann, so glaube ich, ist noch ein anderer, ein himmlischer Vater da. Dann sprechen uralte Worte die Zusage aus: „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten“, heißt es in einem Psalm.
Nicht alle können es glauben, dass es außer den Eltern noch einen himmlischen Vater, eine himmlische Mutter gibt. Vieles spricht dagegen. „Es ist keiner mehr da, ich bin allein, auf mich selber gestellt, erwachsen in einer Welt, die kein Erbarmen kennt.“ - „Mein Glück ist zerbrochen. Ich muss mir alles erkämpfen. Meine Gebete verhallen im Nichts“, sagen mir Menschen immer wieder.
Auch Gläubige kennen diese Angst, dass Gott plötzlich nicht mehr da ist, um seine Kinder zu schützen. Deshalb müssen und wollen sie es immer wieder hören. „Hab keine Angst, ich bin bei dir, ich helfe dir weiter, ich trockne dir die Tränen.“ Und selbst wenn du etwas ausgefressen hast, wenn du von zuhause abgehauen bist; der Papa wartet auf dich. Es sind oft Geschichten und Bilder, die mir das nahe bringen - wie die Geschichte von den zwei ungleichen Brüdern: Der Vater hält Ausschau nach dem Sohn, den er verloren glaubte, er sieht ihn von ferne, und dann beginnt er zu laufen, zu rennen, seinem Kind entgegen. Keine Moralpredigt, keine Schläge, nur eine Umarmung.
Ich glaube daran, auch wenn ich es nicht immer spüre: Dieser himmlische Vater ist für mich da, er liebt mich wie sein Kind. Er hört mich, wenn ich zu ihm spreche. Und er hat ein Wort für mich, das mich tröstet und mir weiterhilft. 

 
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