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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Der Aschermittwoch setzt eine eindeutige Zäsur. Er markiert das Ende der närrischen Zeit. Mit ihm beginnt die Fastenzeit…oder die österliche Bußzeit.

Das hört sich ernst an. Ernüchternd und ernst sind auch die Worte und Zeichen, die zu diesem Tag gehören. In den katholischen Kirchen wird den Gläubigen im Gottesdienst ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet und jedem einzelnen gesagt: “Bedenke Mensch, dass du Staub bist, und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

Das ist ein Brauch – das sind Worte, bei denen es mir ganz anders wird- Mitten im Leben werde ich daran erinnert, dass ich sterben muss. Das was sonst auch klar ist, dass Leben begrenzt ist und zerbrechlich wird an diesem Tag schonungslos ausgesprochen.

Passend zum heutigen Tag hat der Pfarrer und Maler Sieger Köder eines seiner Bilder „Aschermittwoch“ genannt. Links hängt ein buntes Narrenhäs. Es schwebt frei an einem Nagel, seine Ärmel lösen sich fast auf. Am Boden davor liegt ein Hut mit einer Rose. Beides eher im Dunkeln. Doch im Hintergrund rechts gibt es eine offene Tür im Licht, durch sie hindurch scheinen Sterne am Himmel.

Was will der Künstler mit dem Bild sagen? Er ist ja erst vor wenigen Tagen gestorben. Ich deute das Bild so:  Es kommt der Tag, an dem ich meine äußere Hülle zurücklassen muss, Ich muss den schützenden Hut ablegen und darauf blicken, was einmal mein Leben war. Ich habe aber auch die Hoffnung, dass es da eine offene Tür gibt. Einen Weg ins Licht und dass dabei ein Stern vorangeht und den Weg zeigen wird.

Dieser Stern, den der Künstler gemalt hat, ist der Stern aus Jakob. Er taucht in der Bibel an mehreren Stellen auf und steht zuletzt – für Jesus Christus. Mit seinem Zeichen, dem Kreuz, wird heute Asche auf meine Stirn gezeichnet. Das ist ein Zeichen für Tod aber auch für neues, ewiges Leben. Wir gehen zu Gott – das war auch der tiefe Glaube von Sieger Köder. Er hat sein Bild an anderer Stelle deshalb „A-Dieu“ –zu Gott – genannt.

In diesem Sinne tröstet mich die Segnung mit dem Aschekreuz. Und der Satz lässt mich innehalten, der dazu gesagt wird: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

Mir wird bewusst, dass ich nicht endlos Zeit habe. Ich möchte mir heute eine Zeit gönnen, um zu überlegen, was für mich wirklich wichtig und wesentlich ist. Hinschauen, wo ich meinen eingefahrenen Kurs korrigieren möchte und was ich tun kann um meinen Tagen wieder mehr Leben zu geben.

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