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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Heinrich von Stephan, dem ehemaligen Generalpostmeister des Deutschen Reiches, verdanken wir das Telefonnetz in unserem Land. Er wurde heute vor 184 Jahren in Preußen geboren und hätte sich wohl in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, dass wir einmal mit unseren Smartphones weltweit drahtlos telefonieren, simsen und surfen. 

Bald wird’s auf den Pausenhöfen unserer Schulen wieder hoch hergehen, wenn die Kids einander stolz die neuesten Modelle präsentieren. Was die wenigsten wissen: An unseren Handys klebt Blut! In den Schaltkreisen dieser winzigen Dinger stecken wertvolle Mineralien wie Coltan, Gold, Cobalt und Titan. Um diese seltenen Bodenschätze kommt es vor allem im Kongo immer wieder zu blutigen Konflikten. In den Abbaugebieten vertreiben Rebellen die einheimische Bevölkerung, plündern, vergewaltigen und töten. Darüber hinaus kommen Tausende von Menschen, auch Frauen und Kinder, bei der Arbeit in den ungesicherten Gruben ums Leben.

Auf internationalen Druck hin hat sich inzwischen einiges bewegt: US-Konzernen, die „Blut-Coltan“ von Gangster-Syndikaten beziehen, droht der Entzug der Börsenzulassung. Die EU – wirtschaftsfreundlich wie immer – bastelt wenigstens an einer freiwilligen Vereinbarung. Etliche Hersteller sind ihr ohnehin schon zuvor gekommen und beziehen Mineralien nur noch aus lizenzierten Minen. Auf großes Interesse stößt auch das neu entwickelte „Fairphone“ einer niederländischen GmbH.

Aber was können wir als Benutzer tun? Zurück zur Buschtrommel? Damit haben wir wenig Erfahrung. Und Heinrich von Stephans Kurbelkiste steht besser im Museum als auf dem Schreibtisch, zumal auch kein „Fräulein vom Amt“ mehr die Verbindungen stöpselt. 

Wie wär's, wenn Sie sich an einer Unterschriftenaktion beteiligten? So zum Beispiel fordert „Missio“, ein internationales katholisches Missionswerk, das auch im Kongo aktiv ist, „saubere Handys“ und appelliert an die Hersteller: Keine Geschäfte mehr mit blutigem Coltan! Diese Signale kommen bei den Herstellern an.

Noch eins: Das sauberste Handy ist das, das Sie gegenwärtig benutzen. Behalten Sie es bitte, bis es den Geist aufgibt. Und dann aber sollte es nicht wie Millionen andere in der Schublade vergammeln, sondern recycelt werden, um die kostbaren Rohstoffe wiederverwenden zu können.

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