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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Eine russische Legende erzählt, mit den drei Königen aus dem Morgenland habe sich  ein vierter auf den Weg gemacht, um dem geheimnisvollen Stern zu folgen und dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Im Handgepäck drei kostbare rote Edelsteine. Doch der Pechvogel verlor, als sein Gaul lahmte, den Anschluss an das königliche Trio und darüber hinaus sein himmlisches GPS, den Leitstern.

Am Wegesrand stößt der einsame Reiter plötzlich auf ein blutendes, weinendes Kind, so fährt die Geschichte fort. Er hebt es sachte auf sein Pferd, bringt das Bündel Elend ins Dorf, wo eine Frau die Pflege übernimmt. Die entlohnt er mit einem seiner Edelsteine.

Nicht lange und der König trifft auf einen Leichenzug. Man trägt den Vater einer hoch verschuldeten Familie zu Grabe. Frau und Kinder sollten von der Stelle weg als Sklaven verkauft werden, erfährt der König und nestelt nach seinem zweiten Edelstein, um die Familie damit zu entschulden. Auf der Weiterreise kommt er in ein Kriegsgebiet und sieht, wie die Miliz alle Männer eines Dorfes zusammentreibt, um sie hinzurichten. Schweren Herzens kauft sie der König mit dem letzten seiner Edelsteine frei, und ist nun selbst arm wie eine Kirchenmaus. Damit nicht genug: In einer Hafenstadt wird eben der Vater einer kinderreichen Familie auf eine Galeere verschleppt. Der König bietet sich an seiner Stelle an und lässt sich an der Ruderbank für viele Jahre in Ketten legen.

Inzwischen alt und grau geworden, entdeckt der König plötzlich wieder seinen Stern und erreicht das Tor einer großen Stadt. Ein Riesen-Spektakel, denn just an diesem Tag werden drei Menschen gekreuzigt. Bei diesem Anblick bricht der greise König zusammen. „So muss ich nun sterben, ohne dich gefunden zu haben...“ , klagt er bitter.

Doch da traf ihn, so erzählt die Legende, der Blick des gekreuzigten Jesus. Der sah ihn liebevoll an und sprach: „Was du dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan hast, das hast du mir getan...“ Drei rote Blutstropfen fielen auf die Hände des Königs und verwandelten sich in kostbare rote Edelsteine.

Diese Legende vom „Vierten König“ trifft den Kern der christlichen Botschaft: Wer immer Gott sucht, findet ihn in den Mühseligen und Beladenen, den Verletzten und Gequälten.

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