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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Wer klopfet an?“ - „Oh zwei gar arme Leut...“ - so sangen wir mit den Kindern bei der Herbergssuche im Advent. Keck hatte sich ein Sechsjähriger gemeldet: Er wollte partout die Rolle des Zimmerwirts übernehmen. Schon zweimal hatte das heilige Paar um Unterkunft gebeten und wurde schroff abgewiesen. „O gebt uns Herberg' heut'“, so bettelte Josef mit seiner hochschwangeren Frau ein drittes mal. Nun hätte die Tür laut Drehbuch endgültig ins Schloss fallen müssen. Doch der kleine Wirt bekam einen Heulkrampf. Das Schicksal dieses obdachlosen Paares hatte ihn so mitgenommen, dass er die Rolle schmiss und weinend in die Arme seiner Mutter lief. 

Wem das Schicksal der Kriegs- und Elendsflüchtlinge ähnlich zu Herzen geht wie diesem Jungen, dem kommen wirklich die Tränen. So viel Leid, Unrecht und Gewalt, was Familien und vor allem auch Kinder in Syrien, im Irak oder wo auch immer erleiden müssen. Nun pochen immer mehr Kriegs- und Elendsflüchtlinge bei uns an die Tür und müssen erleben, dass Asylheime abgefackelt werden und Nazi-Schmierereien unsere Städte verunstalten.

Die braunen Hetz-Kolonnen haben auch noch Rückhalt bei Tausenden, die sich als angebliche „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ mobilisieren lassen.

Schade! Soviel Zeit und Kraft würde besser in die Flüchtlingshilfe investiert – mit Gewinn für die Betroffenen und für die Helfer. Denn viele Freiwillige berichten, wie sehr sie sich innerlich beschenkt fühlen, wenn sie Flüchtlingen bei der Wohnungssuche helfen und sie auf Ämter begleiten, oder wenn sie die Kinder betreuen und ihnen Deutsch-Kenntnisse vermitteln.

Schmerzlich werden im alten Israel die Menschen immer wieder daran erinnert, dass sie einst selbst Fremde in Ägypten gewesen sind.  „Daher soll“, so heißt es in der Bibel,  „gleiches Recht gelten für die Fremden und die Einheimischen, denn Gott liebt die Fremden“ (Buch Leviticus 24,22). Und wer sich als Christ bekennt, muss wissen: Er bekennt sich zu einem politisch verfolgten Flüchtlingskind.

Im Übrigen: Wir alle sind nur Durchreisende und keine Dauermieter, auch unsere „Aufenthaltsgenehmigung“ ist begrenzt. „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh' mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu“, so singen wir an den Gräbern. In der Hoffnung, dass Gott uns nicht die Tür vor der Nase zuschlägt, wenn wir Obdach suchen, sondern uns einlässt in sein Haus.

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