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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Heiligabend in einer italienischen Kirche. Am Ende der Christmette segnet ein Bischof die Gemeinde mit einem Kind. Wie ... er segnet sie mit einem Kind? Doch. Eine Frau mit einem Neugeborenen kommt nach vorne an den Altar. Sie gibt dem Bischof ihr Baby in beide Hände. Und der zeichnet ganz vorsichtig mit dem Kind ein großes Kreuzzeichen über die Menschen, die Weihnachten feiern. Dann legt er behutsam das Kleine zurück in die Arme seiner Mutter.

Was für eine aufregende Geste! Auf die Idee muss man ja erst mal kommen. Was daran aber wirklich faszinierend ist: In dieser einen Geste bringt der Bischof die beiden wichtigsten Aspekte von Weihnachten zum Ausdruck. 

Da ist zum einen das Kind. Die Bibel erzählt davon, dass vor zweitausend Jahren auch ein Kind geboren wurde. Und dass Gott der Welt mit diesem Kind ein Geschenk machen will. Gott schenkt uns seinen eigenen Sohn, steht in der Bibel. Mehr kann selbst er nicht geben. Das Kind zeigt, dass er die Welt grenzenlos liebt. Die Menschheit soll das nicht nur wissen, sondern sehen können. Sein guter Wille nimmt menschliche Gestalt an – eben in diesem Kind.

Bei Jesus ist nicht alles rund gelaufen. Weil die Eltern gerade unterwegs sind und nicht viel Geld haben, kommt er in einem Stall auf die Welt. Das wird ihm ziemlich egal gewesen sein. Er ist jetzt da, und wird geschrien und gelacht und gezappelt haben, wie Babies das eben tun. Und wahrscheinlich haben die Eltern gestaunt über das Wunder, das von ihrem Neugeborenen ausgeht. Irgendwie steckt bereits die ganze Welt in dem neuen Menschen drin. Und auch etwas von Gott und seiner Liebe zu unserer Welt. Das zeigt die Geste des Bischofs: In jedem Kind, das auf die Welt kommt, wird auch etwas von Gott geboren. In jedem Kind steckt etwas von Weihnachten. 

Und da ist zum anderen der Segen. Wenn der am Ende eines Gottesdienstes gespendet wird, liegt darin ein Versprechen: Gott bleibt bei euch, egal wohin ihr geht. Ihr braucht auf seine Nähe nicht zu verzichten. Das ist der zweite Kern von Weihnachten. Weil Gott als Mensch auf die Welt kam, kann er uns in jedem Menschen begegnen. Eben auch und besonders in dem Baby, das der Bischof wie einen Schatz in seinen Händen hält und den Menschen zeigt. So wird sein Segen mit diesem Kind zu einem Zeichen, das für sich spricht, zu einer Weihnachtsbotschaft ohne Worte. 

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