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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ist Weihnachten ein Frauen-Fest? Zumindest die Tatsache, dass das Ganze in Form einer Geburt geschieht, legt das nahe. Denn bei jeder Geburt spielt nun mal eine Frau die entscheidende Rolle. Wenn man also nachempfinden will, was an Weihnachten geschieht, dann hat zumindest ein Teil der Frauen den Männern gegenüber einen entscheidenden Vorteil. Die nämlich, die bereits ein Kind zur Welt gebracht haben. Die Mütter. Sie wissen, wie das ist, wenn da etwas in einem heran wächst, etwas Nahes und doch auchFremdes. Sie haben erlebt, wie ihr Körper sich verändert, weil da auf einmal Leben in ihnen ist. Ein anderes, ein zweites menschliches Leben. 

Ich wundere mich manchmal, dass Frauen nicht mehr davon sprechen. Vielleicht liegt es ja daran: Schwanger zu sein und dann ein Kind zur Welt zu bringen – das ist etwas so Großes. Es lässt sich kaum in Worte fassen. Es lässt gerade auch die staunen, die es erleben. Die Frauen, die dadurch zu Müttern werden. Sie haben Angst, sie schreien vor Schmerz. Und hinterher - wenn alles gut gegangen ist – empfinden sie pures Glück. Sie sind mitten drin – und dann können sie es kaum glauben. 

In der Bibel wird beschrieben, dass Gott geboren wird. Diesen Satz muss man auf der Zunge und im Kopf zergehen lassen. Der alles erschaffen hat, kommt auf seine Welt, auf unsere Welt. Als Kind, das den Namen Jesus bekommt. Aus einer Mutter, die Maria heißt. Wer versuchen will zu verstehen, was Weihnachten ist, was Gott da macht, tut gut daran,sich in diese Frau hinein versetzen. Ich glaube, das geht. Auch als Mann kann ich das. Auch als kinderlose Frau. Mir vorstellen, wie Maria schwanger wird. Unvorbereitet, unerwartet, als sehr junge Frau. Was es sie kostet, sich darauf einzulassen, ohne richtig zu verstehen, was da passiert. 

Weihnachten ist ein Fest, bei dem eine Mutter die besondere Rolle spielt. Wer selbst Mutter ist, hat deshalb an Weihnachten einen Vorteil. Mütter können erzählen, wie es war, als sie geboren haben. Vom Wunder des Kindes. Und die anderen entdecken womöglich, dass es bei ihnen ebenfalls solche mütterlichen Seiten gibt. Für einen Menschen zu sorgen, ihm Schutz zu geben, etwas hergeben vom eigenen Leben. Das erzählt davon, wie Gott auf die Welt kommt. Bis heute.

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