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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Maria ist die letzte. Die letzte Frau im Stammbaum von Jesus. Eigentlich ja klar: Schließlich war Maria die Mutter von Jesus.
Andererseits: Der Stammbaum, den der Evangelist Matthäus seiner Jesusgeschichte voranstellt, der führt zu Josef. Von dem heißt es dann, er sei der Mann der Maria. Aber mit ihrer Schwangerschaft hat er anscheinend nichts zu tun. Jedenfalls nach der Darstellung der Bibel.
Nun kann man sich natürlich Gedanken machen, wie aus der jungen Frau, von der ein Prophet gesagt hatte, sie würde einen Sohn gebären und durch den würde Gottes neue Zeit anfangen – wie aus dieser jungen Frau durch die Jahrhunderte im Verständnis der Leute eine Jungfrau geworden ist.
Ich gebe zu: Mir ist das eigentlich egal. Ich denke mir: diejenigen, die Jesus kennen gelernt haben, die haben begriffen: Dieser Jesus, geboren von Maria, gekreuzigt und auferstanden, dieser Jesus ist von Gott. Mehr noch: Mit ihm ist Gott selbst in die Welt gekommen.
Künstler und Schriftsteller haben versucht, das darzustellen. Der Schriftsteller Matthäus hat diesen Stammbaum geschrieben. Lukas hat erzählt, wie ein Engel der Maria angekündigt hat, dass sie diesen Sohn, diesen Gottessohn zur Welt bringen würde. Vor einigen Wochen habe ich in Nürnberg in der Lorenzkirche ein Darstellung von dieser Begegnung Marias mit dem Engel gesehen: Da hat der Künstler, Veit Stoß, den Mantel der Maria so in Falten gelegt, dass sie aussehen wie ein Ohr. Wahrscheinlich hat er sich gesagt, wie konnte sie denn schwanger werden vom Geist Gottes, wenn nicht durch diese Ankündigung. Also durch das, was sie gehört hat? Ich finde es toll, dass jeder Künstler seine eigene Ausdrucksweise findet für das, was er sagen möchte. Ich kann mir dann das heraussuchen, was mir am meisten einleuchtet.
Maria also ist die letzte im Stammbaum von Jesus. Und sie jedenfalls hat ihren Platz zu recht. Vielleicht ja überhaupt bloß sie: Sie war seine Mutter. Ein einfaches junges Mädchen vom Lande. Keine von den Gebildeten und Reichen aus der Stadt. Keine Königstochter, keine aus einer Familie von Priestern. Eine Frau, die wusste, wie das Leben der Menschen ist. Wie man sich durchschlagen muss. Aber auch, wie man ganz unerwartet ein großes Glück geschenkt bekommt. Diesen Sohn zum Beispiel. Und das Zutrauen von Gott: Du kannst das. Du kannst ihn zur Welt bringen und großziehen. Du und keine andere.
Viele hätten sich das nicht zugetraut, glaube ich. Hätten gesagt: Such dir eine andere. Ich trau mich nicht. Oder: Lass mir meine Ruhe. Maria sagt stattdessen: Ja, es soll so sein. Ich glaube, da hat Gott sich genau die richtige ausgesucht.

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