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SWR4 Abendgedanken

Die Christen geben ihren Gedenktagen manchmal kuriose Namen. So steht heute im Kalender der Kirchen der Gedenktag der „Enthauptung Johannes des Täufers“. Makaber und gruselig sind die Bilder, auf denen Künstler darzustellen versuchen, wie der Frau von König Herodes und deren Tochter der Kopf des Täufers auf einer Schale präsentiert wird. Johannes musste sterben, weil er unmissverständlich und auf die Gebote Gottes hingewiesen hatte. Eine königliche Familie zurechtzuweisen, das braucht gehörig Mut. Johannes ist das Einstehen für seine Überzeugungen wichtiger als mögliche Nachteile für sich selber. Mutig dieser Mensch. Mir kommt dabei heute das Wort „Zivilcourage“ in den Sinn. Johannes der Täufer hatte Zivilcourage. Er wurde dafür enthauptet. Zivilcouragiertes Handeln trägt immer Risiken in sich. Man kann nie wissen, wie sich eine kritische Situation entwickelt, wenn ich meine Meinung mit Überzeugung vertrete oder sogar aktiv eingreife. Manchmal verlässt mich hier schon der Mut. Gewalt im öffentlichen oder privaten Raum, Mobbing an Schulen und am Arbeitsplatz. All das gibt es leider genug. So gibt es genügend Gelegenheiten, die unsere Zivilcourage erfordern. Unseren Mut. Wenn ich mit offenen und kritischen Augen lebe, sehe ich, was zu tun ist. Dann sehe ich hoffentlich nicht weg, wenn in meinem Umfeld Menschen gemobbt werden oder ihnen Unrecht geschieht und Gewalt angetan wird. Ich wünsche mir dann den Mut, mich einzumischen. Zivilcourage zu zeigen, wenn Menschen gedemütigt, bedroht oder angegriffen werden. Nicht schweigen und wegschauen. Johannes der Täufer hätte es leichter haben können, wenn er seinen Mund gehalten hätte. Sein Leben wäre ihm wohl erhalten geblieben. Doch er hatte die Kraft das Unrecht beim Namen zu nennen. Ein kurioser Gedenktag, aber eine wichtige Botschaft.

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