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SWR4 Abendgedanken

Erinnern Sie, wann Sie das letzte Mal so richtig wütend waren? Auf einen Menschen, auf sein Verhalten. In einer Situation. Ich bin selten wütend und wenn, erinnere ich das genau. Wut bricht bei mir aus, wenn mich etwas massiv ärgert. Wenn Menschen oder ich selbst ungerecht behandelt werden. Wenn ich wütend bin, will ich etwas verändern. Ich will mich nicht damit abfinden, was geschehen ist oder geschieht. Wut gibt mir Kraft und Energie es nicht so zu belassen, wie es ist. Es beruhigt mich, wenn ich in der Bibel einen wütenden und zornigen Jesus erlebe. Er geht die Pharisäer wütend an: „Weh euch ihr Heuchler! Blinde Führer seid ihr! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von dem, was ihr in eurer Maßlosigkeit zusammengeraubt habt.“ In seiner Wut über das Verhalten der Pharisäer erkenne ich, was Jesus wesentlich und heilig ist. Seine Wut entbrennt immer dann, wenn Unrecht geschieht. Wenn sich Menschen von der Gerechtigkeit loslösen. Der liebe und gütige Jesus ereifert sich dann wütend für Gerechtigkeit und Wahrheit. Seine Liebe und seine Güte sind dabei keine Gegensätze zu seiner Wut. Ich spüre seine Energie, die wie Feuer in ihm brennt. Manchmal wünsche ich mir, dass ich öfter wütend wäre. Wenn in meiner Nähe Unrecht geschieht oder Falsches erzählt wird. Wenn Menschen lieblos miteinander umgehen. Ständige Wutanfälle oder Wutausbrüche helfen da nicht weiter. Dann werde ich zum ungenießbaren Wüterich. Doch wenn Wut angebracht ist, dann sollte ich sie nicht unterdrücken. Sie ist dann eine Energie, die etwas verändern kann. Wie eine Kraft und Leidenschaft, die mich kreativ werden lässt. Ich bewundere diesen Jesus, der diese Kraft und Leidenschaft lebt. Der wütend ist, wenn Menschen einander Unrecht tun. Der seine Wut nicht unterdrückt, weil er lieb sein will.

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