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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Dass allzu große Begeisterung eine trügerische Angelegenheit sein kann, sieht man an ungezählten Beispielen in der Menschheitsgeschichte. Denken Sie in unserer Zeit an Michael Jackson und zuletzt Uli Hoeneß. Für religiöse Führer gilt das ganz besonders, für den Propheten Elija zum Beispiel, dem sein Lebenswerk unter den Fingern zerrinnt. Und eben auch für Jesus von Nazareth. Erst stehen sie in der Gunst ihrer Anhänger ganz oben, dann fallen sie abgrundtief. Keiner kann etwas dagegen unternehmen. Immer sieht es am Anfang so aus, als wäre alles ganz wunderbar. Bis der Hochgelobte doch nicht die Erwartungen erfüllt, die man an ihn gehabt hat. Oder bis sich zeigt, dass dieser eben auch nur ein Mensch ist, kein Gott und auch kein Halbgott. Bei jedem Menschen gibt es neben dem Guten auch die dunklen Seiten der Persönlichkeit. Beim Fan und beim Idol. Und wo es viel Licht gibt, da gibt es fast immer auch viel Schatten. Besonders wo es um den Glauben geht, sollten wir das wissen. Kein Mensch kann Gott so vertreten, dass dabei keine Wünsche offen bleiben. Und keiner von uns kann sich anmaßen, alles von Gott zu verstehen.

Als Jesus nach Jerusalem kam, haben die Menschen ihm zugejubelt. Ich vermute, dass ihm das ziemlich suspekt gewesen ist. Und tatsächlich war’s ja nicht von langer Dauer. Wenige Tage später steht er vor Gericht und wird zum Tode verurteilt. Er hat den Menschen Dinge von Gott sagt, die sie nicht hören wollen: Dass sein Gott sich immer zuerst für die Armen und Kleinen interessiert, nicht für die Starken. Dass sein Gott den Sündern verzeiht, immer. Dass sein Gott liebt bis in den Tod, und erst dort die wahre Liebe zu zeigen vermag.

Das Scheitern von Jesus hat verschiedene Gründe. Es hat zum einen damit zu tun, dass die begeisterte Menge in ihm etwas gesehen habt, was er gar nicht sein wollte: ein kämpferischer Führer. Auf der anderen Seite haben sie aber auch seine wahre Nähe zu Gott unterschätzt. Bei Jesus hängt diese nicht von Äußerlichkeiten ab. Sein Gottvertrauen ist so groß, dass er sogar das Scheitern als Teil seines Zieles betrachtet. Am Ende hängt er am Kreuz. Da musste er hin, um seinen Weg so zu gehen wie es ihm entspricht; als Mensch, wie Gott den Menschen will.

Für Begeisterungsstürme taugt das nicht. Aber die braucht es für einen echten Glauben auch nicht.

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