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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Geld allein rettet niemanden." Dieser Satz hat mich berührt. In einem Interview im Internet bin ich daran hängen geblieben. (Spiegel online vom 7.9.2013)
Undine Zimmer hat dieses Fazit gezogen: ‚Geld allein rettet niemanden'. Erstaunlich bei einer Frau mit so einer Lebensgeschichte. Sie wurde in Armut hineingeboren. Ihre Eltern kannte sie nicht anders als arbeitslos. Immer von Sozialhilfe gelebt. Geld war sehr knapp. Von Kind an.
Einmal - da war sie drei - hat sie ihre Mutter öffentlich weinen gesehen. Ein Sachbearbeiter auf dem Arbeitsamt hat sie zum Heulen gebracht. Was für eine Verletzung für eine Kinderseele.
Heute ist Undine Zimmer Anfang 30. Sie hat Abitur gemacht, studiert. Auch dank ihrer Mutter, die sie trotz allem zur Bildung gelenkt hat. Für ihre Tochter geträumt von einem anderen Leben. Heute arbeitet Undine Zimmer als Arbeitsvermittlerin. Will dem Sozialstaat ein menschliches Gesicht geben.
„Geld allein rettet niemanden." Wenn das stimmt, was braucht es noch, dass Menschen, Kinder vor allem, heraus kommen aus Armut? Was rettet aus Armut?
Mich hat Frau Zimmer erinnert, dass ich selber eine Verantwortung für arme Nachbarn und Mitbürger habe. Ich kann sie nicht allein dem Staat „überlassen", als „sein Problem". Könnte es sein, dass uns, die wir nicht arm sind, arme Menschen egal sind, wir geben ja unser Steuergeld? Vielleicht hat jeder von uns auch Möglichkeiten mit zu wirken, wo doch Geld allein nicht rettet?
Eine Geschichte aus der Bibel erzählt, wie das gehen könnte:
Petrus und Johannes treffen einen Mann. Er ist behindert, sitzt auf der Straße und bettelt, um über die Runden zu kommen. Petrus spricht ihn an: Mit Geld kann ich Dir nicht helfen; ich bin selber arm. Aber ich habe etwas, was ich Dir geben will. Einen festen Glauben. An Gott, dem du genau so viel etwas wert bist, wie alle anderen. Er kann Dir Kraft geben, aufzustehen in ein eigenes Leben. Und dann sagt Petrus: Im Namen Jesu Christi, steh auf und geh! Er reicht dem Bettler die Hand, hilft ihm hoch. Und der Bettler könnte von da an auf eigenen Füßen stehen. (Apg 3)
Wahrscheinlich ist es immer noch dasselbe wie damals, was man Menschen zum Leben geben kann, außer Geld: Erst mal, dass man sie sieht. Dass man sie ernst nimmt als Menschen. Die vor Gott dieselbe Würde haben wie Sie und ich, die genauso viel wert sind wie eine Präsidentin oder ein überbezahlter Fußballer. Dass wir in unserer Gesellschaft dafür kämpfen, dass Bildung keine Frage des Geldes und der Herkunft mehr ist. Das kann retten.

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