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SWR4 Abendgedanken

Heute ist Vollmond. Am Mond hat sich der Mensch schon sehr früh orientiert. „Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten" heißt es in den Psalmen der Bibel. (vgl. Ps 104,19). Als das „kleinere Licht", das über die Nacht herrscht, bezeichnet es die Schöpfungsgeschichte. (vgl. Gen 1,16) Und wir Christen feiern am  Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond das Osterfest. Der Mond hat kein eigenes Licht wie die Sonne, sondern reflektiert nur das Licht. Er wechselt seine Gestalt, nimmt zu und nimmt ab. So wurde er, gerade auch als Halbmond, zum Symbol der Vergänglichkeit, des Schwindens und zugleich der Wiederkehr. Der Mond, zweitrangiges Licht nach der Sonne, hat es auch sprachlich nicht leicht. Der ist „hinter dem Mond" sagen Menschen oder bezeichnen jemanden als „Mondgesicht". Und wenn ein Mensch als „mondsüchtig" hingestellt wird, dann sind damit nicht nur geheimnisvolle Einflüsse gemeint, die ihn beherrschen. So ein Mensch gilt als unbeständig und launenhaft wie der Mond. Heute ist Vollmond. Ich finde es immer wieder faszinierend diesen Vollmond in einer klaren Nacht zu erleben. Ein Naturschauspiel besonderer Art. Der Vollmond erinnert mich daran: in jedem Menschen gibt es nicht nur die Sonnenseiten,  das strahlende Licht. Jeder Mensch, und das erlebe ich täglich, hat auch seine Mondseiten, so wie das Leben selber nicht nur Sonnenseiten kennt. Ich weiß um meine Schwächen und Grenzen, ich weiß um meine Unbeständigkeit und Unruhe. Ich kenne aber auch meine Stärken und Fähigkeiten, meine Begabungen. Das Wechselspiel von Sonne und Mond ist wie ein Bild meines Lebens. In einem irischen Segenslied singen die Menschen: „Führe die Straße, die du gehst immer nur zu deinem Ziel bergab; hab wenn es kühl wird, warme Gedanken, und den vollen Mond in dunkler Nacht."

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