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SWR4 Abendgedanken

„Herr, ich bin nicht würdig." So beten Christinnen und Christen regelmäßig im katholischen Gottesdienst. „Herr, ich bin nicht würdig." Viele tun sich schwer mit diesem alten Gebet. Aber wir haben uns diese Worte nicht ausgedacht. Sie sind uns gegeben. In der Bibel begegnet uns ein heidnischer Hauptmann, dessen Diener schwer erkrankt ist. Er wendet sich mit großem Vertrauen an Jesus und bittet um die Heilung seines Dieners. Jesus ist tief beeindruckt vom Glauben dieses Menschen. Die Begegnung findet ihren Höhepunkt in der Heilung des Dieners. Im Mittelpunkt des Geschehens steht dieser Satz des heidnischen Hauptmanns: „Herr, ich bin nicht würdig. dass du eingehst unter mein Dach, sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden." In einer weiteren Übersetzung heißt es: „Ich bin ja nicht genug, dass du unter mein Dach kommst." Diese Übersetzung hilft mir, das Gebet annehmen zu können, es zu meinem Gebet werden zu lassen. Ich bin nicht genug. Ich bin mir selber nicht genug. Ich weiß um meine Unvollkommenheit. Ich bin nicht genug, so kann ich gut beten. Ich bin nicht genug, aber wenn du, Herr, das, was mir zum Menschsein noch fehlt, auffüllst, dann erfahre ich Heilung. „Herr, ich bin nicht würdig." Dieses kurze Gebet macht mir immer wieder neu bewusst, wer ich bin und wer Gott ist. Es ist ein Gebet des Vertrauens in Gottes heilendes Wirken - hinein in mein unvollkommenes und unvollendetes Leben. Dieses Leben ist mir geschenkt, um es zu gestalten. Aber, sei es noch so schön, es bleibt eine Lücke, etwas Unvollendetes und Unheiles in meinem Leben. Und in diesem Gebet bitte ich Gott, diese Lücke aufzufüllen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, sprich nur ein Wort so wird meine Seele gesund."

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