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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich kann mich über alles ärgern, was mir nicht passt. Aber ich bin nicht verpflichtet, mich zu ärgern. Ich kann auch versuchen, einen Schritt zur Seite zu treten und die Sache mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Das hat wohl auch einer getan, der seine Gedanken dann ins Netz gestellt hat. Seither kursieren sie dort, leider ohne den Namen des Verfassers.

Wofür wir dankbar sein sollten, es aber oft gar nicht merken:

Für das Kind, das sein Zimmer nicht aufräumt und lieber am Computer spielt, weil es bedeutet, dass es zu Hause ist und nicht auf der Straße leben muss. Für die Steuern, die ich zahlen muss, weil es bedeutet, dass ich Arbeit habe und Geld verdienen kann. Für die Unordnung, die ich nach einem Fest aufräumen muss, weil es bedeutet, dass ich von Freunden umgeben war.  

Für die Kleidung, die mal wieder zu eng geworden ist, weil es bedeutet, dass ich genug zu essen habe. Für die Falten im Gesicht, die auch mit Schönheitsschlaf nicht mehr glatt werden, weil es bedeutet, dass ich schon viel erlebt und bewältigt habe. Für die Stunden, die ich in Wartezimmern verbringen muss, weil es bedeutet, dass ich jederzeit ärztliche Hilfe suchen kann. Für die Fenster, die geputzt werden müssen, weil es bedeutet, dass ich ein Zuhause habe.

Dankbar kann ich sein für die Kritik an den politischen Zuständen, die ich täglich höre, sehe, lese, weil es bedeutet, dass wir Meinungs- und Pressefreiheit haben. Für die Straßenbeleuchtung, die so endlos weit von meinem Parkplatz weg ist, weil es bedeutet, dass ich laufen kann und ein Auto besitze. Für die hohe Heizkostenrechnung; weil es bedeutet, dass ich es warm habe. Für die Frau im Kirchenchor, die so falsch singt, weil es bedeutet, dass ich hören kann. Für die schmerzenden Muskeln am Ende eines Arbeitstages, weil es bedeutet, dass ich körperlich arbeiten kann.

Für den Wecker, der mich morgens unsanft aus meinen Träumen reißt, weil es bedeutet, dass ich am Leben bin. Für die täglichen Pflichten, die mir manchmal fast zu viel werden, weil es bedeutet, dass ich gebraucht werde.

Und dankbar kann ich auch sein für den Wust an Informationen, den mir das Internet liefert, weil ich da neben manchem Schrott auch Kostbarkeiten finde, zum Beispiel diese.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15438