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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Im Keller stehen sie längst „Spaten bei Fuß" - die Vorgartenzwerge. Die putzige Truppe wartet nur noch darauf, nach diesem langen Winter endlich in Stellung zu gehen. Dann werden die Zipfelkappen in Nachbars Garten wieder Schubkarren schieben, Hacken und Rechen schwingen. Einige tragen auch nur Verantwortung und blinzeln  pfeiferauchend in die Sonne. 

Ich weiß - ich rühre an ein sensibles Thema, an dem die Nation sich spaltet. Der Gartenzwerg: Kitsch oder Kunst? Geliebt und verachtet - auch als Schimpfwort nicht ohne, hört sich aber gar nicht gut an: „Du kleiner kümmerlicher Gartenzwerg". 

In der Bibel ist - mit Verlaub gesagt - auch von einem Zwerg die Rede (Lukas-Evangelium 19,1-10): Der Zolleintreiber Zachäus, klein von Gestalt, verkriecht sich auf einen Baum, um überhaupt einen Blick auf diesen Jesus zu erhaschen. Vermutlich hat er aber auch nur Deckung gesucht, denn die Leute hassen die Zöllner, die ihnen im Auftrag der römischen Besatzungsmacht die Mäuse aus der Tasche ziehen und dabei selbst ganz ordentlich Reibach machen. 

Die Geschichte geht gründlich daneben. Oder doch nicht? Jesus erspäht den Zoll-Zwerg im Geäst, spricht ihn vor allen Leuten direkt an und lädt sich bei diesem Halunken gleich selbst zum Essen ein. Der ist vermutlich vor Schreck einen halben Meter gewachsen. Und für die Frommen bricht eine Welt zusammen: „Mit Zöllnern und Sündern sitzt er zu Tische," murren sie. 

Ob klein gewachsen, klein kariert, klein gemacht - immer trifft man auf diese Vorliebe Jesu, seinen liebevollen Blick für die Kinder, die Gebeugten, die moralischen Kümmerlinge, die gesellschaftlichen Versager, die Armen, die Armseligen, als wären die die Größten. Selbst der große Paulus räumt ein: „Das Schwache hat Gott erwählt, um das Starke zu beschämen."  (1. Korintherbrief 1,27). 

Mir macht das viel Hoffnung, diese Achtsamkeit für die Kleinen. Vielleicht streift auch uns kleine Wichte oft dieser liebevolle Blick. Und wir dürfen runter von den Bäumen, raus aus der Deckung, hinein ins Licht, in Augenhöhe mit unserem Gott. 

Ach so - streicheln Sie doch mal bei Gelegenheit einem Gartenzwerg über den hohlen Kopf - einfach so zur Übung, damit es Ihnen am lebenden Objekt dann leichter fällt.

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