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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Am 17. April 1944 - heute vor 69 Jahren - wurde der katholische Priester Max Josef Metzger im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Der berüchtigte Blutrichter Freisler hatte ihn zuvor unter wüstem Geschrei wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. „Eine solche Pestbeule ist auszumerzen", heißt es im Protokoll. 

Max Josef Metzger stammt aus dem südbadischen Schopfheim. Als junger Divisionspfarrer erlebte er die Schrecken des Ersten Weltkriegs und wurde zum radikalen Pazifisten. Er schreibt: „Der Krieg ist eine Lüge und er kommt aus der Lüge..." Und an anderer Stelle: „Das ganze gottverlassene System der Wirtschaft ... mit ihrer schrankenlosen und gewissenlosen Profitgier führt... fast zwangsläufig zum Krieg" (1930). Metzger entwickelt religiöse Friedensprogramme, engagiert sich im „Internationalen Versöhnungsbund" und wird in vielen Ländern Europas als mutiger Friedensaktivist bekannt. So ist es nur konsequent, dass er im Jahr 1929 auf dem Kriegsgegner-Kongress zur Wehrdienstverweigerung aufruft. Daraufhin belegen ihn einige Bischöfe mit Redeverbot.

 Mit derselben Leidenschaft wie für den Frieden kämpft Max Josef Metzger auch um die Einheit der Christen. Er fordert vom Papst ein allgemeines Konzil. Nur eine im Geist des Evangeliums erneuerte Christenheit könne friedensstiftend wirksam werden. 

Kein halbes Jahr nach der „Machtergreifung" durch die Nazis geriet dieser mutige Priester auch schon ins Fadenkreuz der Gestapo und wurde mehrmals inhaftiert. Die Schlinge zog sich endgültig zu, als der Geheimdienst eine schwedische Agentin in sein Umfeld einschleusen konnte. Ihr übergab Metzger ein Memorandum, in dem er die demokratische Zukunft Europas nach dem Krieg entworfen hatte. Statt dieses aber, wie versprochen, heimlich dem evangelischen Bischof von Uppsala zu überbringen, trug es die Spionin zur Gestapo und lieferte den Geistlichen damit ans Messer. 

Dass die Kirche nun die Seligsprechung dieses Bekenners betreibt, ist eine späte Wiedergutmachung. Vielleicht hört man nun eher auf die Stimme dieses einsamen Rufers in der Wüste. "Selig sind die Friedensstifter", zitiert Max Josef Metzger in einer seiner Schriften die Bibel. Für ihn hat der Glaube eine „bergeversetzende Kraft". Aber die müsse sich transformieren in „echte Brüderlichkeit und Versöhnlichkeit, Selbstbescheidung und Demut."

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