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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen", ein Satz des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein. Und was soll nun solch ein Zitat am Ostersonntagmorgen, könnte man fragen. Und ich könnte antworten, weil er Recht hat, der Philosoph. Und weil er eben auch nicht Recht hat. Ostern, das Herzstück des christlichen Glaubens, liegt jenseits aller sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Und darum wäre es schon eine Möglichkeit darüber zu schweigen. Aber so sind wir Menschen nicht. Wenn unser Herz voll ist läuft uns der Mund über. Wir wollen reden, müssen reden. Selbst wenn oder gerade wenn Erfahrungen aus der tiefsten Stille kommen. Wie eben die Auferstehungserfahrungen. In den Texten, die in diesen Stunden in den christlichen Kirchen gelesen werden hört man von Erfahrungen, die wohl aus der tiefsten Stille gekommen sind. Allen voran die Erfahrung von Maria Magdalena, die ihrem Meister die letzte Zuwendung schenken möchte. Seinen geschundenen Leichnam pflegen, ihn ehren, ihn ein letztes Mal schön machen. Und in ihrer tiefsten Trauerstille, vielleicht nach einer durchweinten Nacht, sieht sie ihn, hört sie ihn, erkennt ihn als er ihren Namen ausspricht. Und plötzlich ist es sie sicher dass er lebt, in ihr und außerhalb von ihr. Und das will, ja muss sie weiter erzählen. Da kann sie nicht schweigen.

Was ist nicht alles hineininterpretiert worden in diese Erfahrungen des Ostermorgens! Dass Maria Jesus mit dem Gärtner verwechselt habe, dass sie aufgrund der traumatischen Ereignisse Halluzinationen gehabt habe. Oder die schreckliche Wirklichkeit in sich zu einem schönen Erlebnis umgebogen habe um weiter leben zu können. Alles menschliche, sehr menschliche Versuche, das zu erklären, was letztlich mit dem Kopf nicht zu verstehen ist. Aber wir rationalen Menschen sind wohl noch nicht so weit anzuerkennen, dass es auch Dinge jenseits unserer erklärbaren Welt gibt. Dinge, die immer wieder und mit so großer Kraft aus einer anderen Wirklichkeit in unsere Seelen hinein scheinen, dass sie auch unsere äußere, erklärbare Welt verändern - das ist Ostern. Und darüber kann man nicht schweigen, auch wenn es letztlich keine Worte dafür gibt.

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