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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Der Januar ist der schlimmste Monat des Jahres. Alles ist dann so grau und trostlos." Das hat eine Frau aus meiner Kirchengemeinde vor ein paar Tagen gesagt. Und ich kann sie gut verstehen nach den vielen trüben Tagen in diesem Jahr.

Ein Amerikaner hat vermutlich auch deshalb vor bald 30 Jahren den „Tag des Knuddelns" eingeführt. Der Weltknuddeltag am 21. Januar will daran erinnern, wie schön eine herzliche und liebevolle Umarmung sein kann. Das Datum hat er absichtlich gewählt: mitten im Januar. Ein Monat, in dem es oft besonders kalt ist und in dem man deswegen schon mal leicht schlechte Laune bekommen kann. Da tut es gut zu spüren, dass jemand da ist, der mich hält. Jemand, der mir mit einer Umarmung sagt: Schön, dass es dich gibt. Trotzdem soll der Tag nicht dazu verleiten, einfach jede und jeden, der mir begegnet in den Arm zu nehmen. Das wäre nicht im Sinne des Erfinders. Ich möchte ja auch nicht von jedem zu allen möglichen oder unmöglichen Gelegenheiten umarmt werden. Doch Berührungen können heilsam sein. Nämlich dann, wenn sie von einem Menschen kommen, dem ich wirklich etwas bedeute.

In der Bibel finden sich viele Erzählungen, in denen eine Heilung mit einer Berührung verbunden ist. Besonders das Markus-Evangelium beschreibt Jesus als Therapeuten und Arzt und es erzählt an vielen Stellen, wie Jesus heilt. Die Schwiegermutter von Petrus zum Beispiel. Als Jesus erfährt, dass sie mit Fieber im Bett liegt, geht er sofort zu ihr. Er berührt sie an der Hand, richtet sie auf und das Fieber ist weg.

So eine Wunderheilung klingt vielleicht zu einfach, befremdlich einfach. Aber auch viele heutige Therapien arbeiten mit Berührungen, manche mit Handauflegungen. Ich kenne Menschen, die von der Wirkung des Handauflegens überzeugt sind. Ich tu mich da etwas schwer. Bei mir bleibt ein Beigeschmack zurück, der mich an Magie erinnert. Trotzdem bin ich überzeugt, dass Berührungen nicht nur rein äußerlich bleiben. Sie sind Zeichen der Verbundenheit. Oder auch eine Art Versprechen, das ohne Worte sagt: ich bin bei dir. Ich werde dir helfen. Wenn Christen einander segnen, dann tun sie damit etwas ganz ähnliches. Allerdings in dem Bewusstsein, dass Gott selbst es ist, der in der Berührung heilend nahe ist. In der Segens-Berührung kann ich spüren: Gott ist bei mir. 

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