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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Es gibt eine Figur aus dem Alten Testament der Bibel, die als der erste Musiktherapeut gelten könnte: David. Er hat Harfe gespielt, um die Schwermut zu vertreiben. Nicht die eigene, sondern die des schwermütigen König Saul. Davids Musik und sein Gesang hatten heilende Wirkung auf den König. Und so hat er Lieder angestimmt, deren Texte bis heute, Tag für Tag, in den Kirchen zu hören sind. Das sind die Psalmen. Und auch wenn sie ursprünglich nicht direkt von David stammen und ihm nur in den Mund gelegt wurden, so haben dennoch viele Menschen im Laufe der Jahrtausende in den Psalmen Trost gefunden. Das liegt daran, dass sich in ihnen das ganze Leben widerspiegelt: Da wird gestaunt, gelobt, gejubelt, gehofft, aber auch Trauer, Klage, Verzweiflung und Bitte haben ihren Platz.

Die Theologin Dorothee Sölle nennt die Psalmen eines ihrer wichtigsten Lebensmittel. „Ich esse sie, ich trinke sie, ich kaue auf ihnen herum, manchmal spucke ich sie aus, und manchmal wiederhole ich mir einen mitten in der Nacht." Psalmen sind nicht immer leicht verdaulich. Auch von Rache und Verzweiflung ist die Rede. Aber durch sie können Betende ihre Gefühle vor Gott zur Sprache bringen. Psalmen leben davon, dass sie mit Leben gefüllt werden. Dass sich Menschen mit all ihren Höhen und Tiefen darin wiederfinden können.

Das vermutlich bekannteste Lied von David ist der Psalm 23. Der Schriftsteller Arnold Stadler hat diesen rund zweieinhalbtausend Jahre alten Psalm in die Sprache von heute übersetzt. Mir gibt dieser Psalm Kraft und Mut. Und vielleicht ist es auch Nahrung für Sie, wenn Arnold Stadler sein Verhältnis zu Gott mit diesen Worten beschreibt: 

Er ist mein Hirt
Und mir fehlt nichts.
Er gibt mir Licht und Leben.
Es ist wie am Wasser.
Er stillt meinen Durst.
Er sagt mir wie's weitergeht.
Er ist der Gott, auf den ich hoffte.
Auch dann wenn ich durch eine Nacht
Muss (meine Nacht)
Gerade dann hab ich keine Angst.
Vor nichts.
Denn es ist einer bei mir:
Und das bist DU.
Du gehst mir voraus
Das ist meine Hoffnung.
Du deckst mir den Tisch.
Meine Feinde sehen es
Und können nichts machen.
Du machst mich schön.
Es ist ein Fest!
Und so wird es weitergehen,
solange ich am Leben bin
und sein darf bei IHM.

(Arnold Stadler, Die Menschen lügen. Alle. Und andere Psalmen)

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