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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Lieben Sie Fußball oder sind Sie schon Fan? In den letzten Monaten - auch bei der EM - habe ich öfter gedacht: Fußball lieben und glühender Fan sein, das passt nicht. Bei manchen jedenfalls. Bei zu vielen, finde ich.'
Sie haben diese Bilder vermutlich auch noch im Kopf, die ich als Fußballliebhaber nicht sehen will. Und die mit Fußballliebe auch nichts zu tun haben.
Es ist keine Fußballliebe, wenn Ultras rechtsfreie Räume durchsetzen wollen - wie nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga in Karlsruhe.
Es ist keine Fußballliebe, wenn man meint, es geht nicht ohne Feuerwerk im Stadion. Egal ob man dabei möglicherweise sich selbst und andere Fans gefährdet.
Und es ist auch keine Fußballliebe, wenn man sich verhält wie in alten Zeiten, als wir Menschen noch in Stämmen gelebt haben. Damals hat es das gegeben, dass die vom anderen Stamm automatisch „Feinde" waren, die man herabwürdigen durfte, beschimpfen, sogar bekämpfen. Ich dachte, diese fanatischen Stammeszeiten seien vorbei.
Ich dachte wir hätten gelernt zB. aus der Geschichte des Christentums. Da hat es das auch gegeben. Menschen haben gemeint: Wenn ich meinen Glauben wirklich ernst nehme, wenn ich Gott wirklich liebe, heißt das: Diejenigen, die anders glauben, sind Feinde, die man bekämpfen muss.
Wir wissen, das ist falsch. Die Liebe zum eigenen Glauben bedeutet nicht Hass und Feindschaft gegen die, die anders glauben. Und wenn manche Christen das immer noch meinen, ist es meine Christenpflicht, ihnen zu widersprechen. Und von anderen Gläubigen erhoffe ich dasselbe. Ein Glaubender darf nicht zum Fanatiker werden.
Wenn ich das aus der Welt der Religion auf den Fußball übertrage. Dann heißt das: Fanatiker, die Anhänger eines anderen Vereins oder Landes bekämpfen, beschimpfen oder ihnen Gewalt antun. Oder: Fanatiker, die Gewalt ins Stadion tragen, sind keine Fans, die den Fußball lieben. Wer Fußball liebt weiß, dass er die andere Mannschaft braucht. Und deren Fans. Und wen man braucht, den hasst man nicht.
Lieben Sie Fußball wie ich und sind ein echter Fan? Dann dürfen wir solche Verhaltensweisen, die das Spiel kaputt machen, nicht mehr verharmlosen und entschuldigen. Konsequentes Auspfeifen von Bengalos im Stadion wäre vielleicht ein erstes klares Zeichen. Und sich selbst dem Geist des Fußballs entsprechend verhalten: Fußball lebt vom Kampf, von der Auseinandersetzung, aber nicht von der Feindschaft. Es wird Zeit, dass wir laut sagen, was geht und was nicht geht für Fans, die Fußball lieben.

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