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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wenn etwas ganz schön ist, dann hab ich manchmal Angst. Angst es zu verlieren. Ich denke das ist normal. Nur wenn die Angst zu groß wird, wenn sie einen gefangen hält, dann wird sie zum Problem. Dieses Problem kannte wohl auch Papst Johannes der XXIII., denn Angst ist das Thema des neunten seiner 10 Gebote der Gelassenheit.
„Nur für heute werde ich keine Angst haben,“ heißt es darin. „Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.“
Ich hab mich gefragt, warum der Papst im Zusammenhang mit der Angst von der Güte spricht. Und mir ist klar geworden, dass es nichts nützt, wenn man sich nur vornimmt keine Angst zu haben. Sondern dass ich diesen Vorsatz füllen muss. Und eine der Möglichkeiten diesen Vorsatz zu füllen ist die Vorstellung von Güte.
Wenn ich versuche daran zu glauben, dass alles gut werden kann, dass es auch Menschen gibt, die mir gut sind, dann kann das meine Angst lindern oder mir sogar die Angst nehmen. Und mich am Ende vielleicht sogar soweit führen, dass ich mich darauf verlasse, dass mein ganzes Leben gut werden kann. Dass es gut aufgehoben ist in Gottes Hand.
Und wenn ich das Glück habe so etwas zu ahnen, zu spüren, dann könnte mir auch immer mal wieder das letzte der 10 Gebote der Gelassenheit gelingen:
Es heißt: „Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.“
Genau deswegen mag ich diese 10 Gebote der Gelassenheit : Weil sie so nah am Menschen sind, so genau um seine Schwächen wissen und um die Begrenztheit aller Vorsätze. Deshalb tut auch diese Sicht der kleinen Schritte so gut. Dass man sich zwar gewissenhaft einen Plan macht, aber dass der Alltag oder man selbst ihn dann wieder durcheinander kegelt. Aber die Absicht ist da, der Willen, es zu probieren, und vor allem auch mit den Unzulänglichkeiten des Lebens gelassen umzugehen. Dazu gehört auch, sich nicht hetzen zu lassen. In Hektik ist noch selten etwas gut entschieden worden. Sie verhindert Dinge auch mal ruhen zu lassen. Entscheidungen reifen zu lassen. Einen Tag ins Land ziehen zu lassen oder die sprichwörtliche Nacht darüber zu schlafen. Denn nicht jeder Tag ist gleich gut oder gleich schlecht...
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