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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Sich verloren vorkommen im Leben. Ein Verlierer zu sein. Vielleicht sogar das Gefühl haben, sich ganz zu verlieren. Ich glaube, so was kennen viele. Ich auch. Darum täte es gut, man könnte glauben, was Jesus erzählt hat: Gott sucht die Verlorenen und trägt sie. Eine Geschichte hat Jesus erzählt, die zeigt wieso er das glaubt.
Jesus hat erzählt: Was meint ihr? Ein Mann besitzt 100 Schafe. Eines verläuft sich. Wird er nicht los gehen und das verirrte Tier suchen? Und wenn er es gefunden hat, freut er sich, rettet es und trägt es zurück.
So ist Gott, erzählt Jesus. Er will nicht, dass einer von seinen Menschen verloren geht.
Aber kann man so was auch in unserer Welt erleben?
Vielleicht doch. Ich habe einen gehört, dessen Lebenserfahrung klingt irgendwie ähnlich wie das was Jesus erzählt hat. Einer, der ganz bestimmt kein lammfrommes Leben lebt. Udo Lindenberg.
„Mann, ich habe mich selber fast verloren, doch so ein Hero stürzt ab, steht auf, startet von vorn." Jetzt gibt Udo aber wieder den Coolen, hab ich gedacht, als ich diese Liedzeile zum ersten Mal gehört habe. Viele Abstürze, sich selbst fast verloren, aber nie liegen geblieben, immer wieder aufgestanden und neu angefangen.
Viele von uns Männern sehen keinen Helden mehr, wenn sie sich im Spiegel sehen. Eher Mittelmaß. Oder wie viele werden von anderen zu den Losern gezählt, wie das heute heißt.
Aber Udo Lindenberg ist auch kein strahlender Held. Das spürt man, wenn man sein Lied zu Ende hört. Es passiert, was sonst wohl nie passiert. Udo L. zieht seinen Hut. Nicht vor sich, weil er alles allein gepackt hat. Vor einem, der immer bei ihm war, zieht er ihn. Ihn gepackt hat und nach Hause getragen. Der ihn niemals ausgebuht hat, egal was er gemacht hat. Menschen können so was ja wunderbar. Ausbuhen, drauf gehen, wenn einer schon am Boden ist. Udo weiß, da war einer gnädig mit ihm, hat ihn nicht im Stich gelassen hat. „Keiner hat mich je so doll geliebt, bist'n Schutzengel, der Überstunden schiebt."
Für mich singt Udo von Gott. Von Gott, der - wie der Schäfer in der Geschichte Jesu - die Verlorenen sucht und trägt.
Jedenfalls einen die Kraft finden lässt, nicht liegen zu bleiben. Sich nicht gehen und hängen zu lassen, sondern den Mut gibt, aufzustehen und zu kämpfen. Der einen in den Arm nimm, wenn man sich verloren fühlt. Oder unten ist.
Ich finde es gibt sehr gute Gründe, zu glauben, dass dieser Gott immer noch unterwegs ist.

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