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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ist eine Frau eine Frau oder ein „Nicht-Mann?" Was für eine unmögliche Frage, sagen Sie? Ich habe auch gedacht, dass wir über solche Fragen längst hinaus sind. Aber die Frauen WM hat mich wieder ins Grübeln gebracht. Da hatte ich manchmal dieses Gefühl, Frauen seien nicht Frauen, sondern „Nicht-Männer." Und zwar nicht nur an den Stammtischen. Sondern auch im so genannten seriösen Umfeld. Ich habe mich selbst dabei ertappt in den vergangenen drei Wochen: Ich habe auch die Fußball spielenden Frauen mit den Männern verglichen und an den Männern gemessen. Und auf der Sportseite meiner Zeitung stand: „Marta, der weibliche Pele". Würde man diesen Vergleich auch anders rum sagen? „Pele, die männliche Marta?"
Deshalb mein Eindruck, dass diese Einteilung immer noch wirksam ist:
Eine Frau ist nicht einfach Frau, sondern „ein „Nicht-Mann". Der männliche Maßstab hat immer mitgespielt bei dieser Frauen-WM. Hat ihnen manchmal sogar mitgespielt.
Ich glaube, es wäre gut, wenn wir darüber hinaus kommen, über das ewige „maß-nehmen". Ich glaube, es wäre besser für uns, uns gegenseitig ein Menschen-Bild zu gönnen ohne Mann-Frau-Vergleiche. Ein quasi unvergleichliches. Davon auszugehen. Jeder Mensch ist unvergleichlich und eben individuell. Ein Geschöpf Gottes, wie ich als Christ dazu sage.
Ein Mensch wie Jesus. Der war auch kein Stereotyp als Mann. Er war kämpferisch und sanft. Der Zorn packt ihn und er demonstriert mit vollem Einsatz für Gottes Sache im Tempel und dann wieder sitzt er da, sieht seine Stadt und heult, weil er Angst hat um sie und sieht wie sie in den Untergang rennt. Er kann die Menschen mit seinen Reden begeistern, aber genauso kleinste Zeichen spüren, wenn Menschen tief in ihrer Seele leidet. Ein breites Spektrum liegt in seiner Art, Mann zu sein. Ich finde, es führt trotzdem nicht weiter, Jesus darum einen „weiblichen" Mann zu nennen. Und genau so wenig wird aus einer Frau, die kämpfen will und kann, eine „männliche" Frau.
Ich finde es wäre gut, wenn wir verstehen: Eine Frau ist eine Frau. Und ein Mann ein Mann. Und das kann sehr verschieden und vielfältig aussehen. Männlich und weiblich zu sein kann eine große Bandbreite haben.
Ich hoffe, ich lerne auch durch diese Weltmeisterschaft dazu. Damit in Zukunft Marta eben spielen und sein kann wie Marta, Babett wie Babett, und Sie und ich, wir können auch schon ab heute ganz einfach sein, wie und was wir sind: Als Mann und Frau, Menschen von Gott.

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