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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Reformen sind schwierig, nicht nur in der Politik, sondern auch im eigenen Leben. Jedenfalls mache ich diese Erfahrung, und vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich. Es gibt eine Menge Dinge, die ich gerne verändern und verbessern würde an mir, aber irgendwie schaffe ich es nicht, und es bleibt eine große Unzufriedenheit.
Heute ist Reformationstag. Evangelische Christen erinnern sich an Martin Luther. Er hat eine Menge verändert. Seit Martin Luther gibt es neben der katholischen auch eine evangelische Kirche. Aber das ist noch nicht alles. Manche Historiker sagen, dass mit Martin Luther das Mittelalter zu Ende gegangen ist. Luther fühlte sich nur Gott und seinem Gewissen verpflichtet. Obwohl die Kirche und der Kaiser es von ihm verlangten, war er nicht bereit, seine Überzeugungen aufzugeben; und er stellte sich als Einzelner erfolgreich gegen die beiden Großmächte seiner Zeit. Das war neu, die Neuzeit mit ihrer starken Betonung des Einzelnen begann.
Einer, der so viel verändert hat wie Martin Luther, der müsste doch auch mir sagen können, wie ich meine kleinen, persönlichen Reförmchen auf den Weg bringe. Und er hat tatsächlich eine Antwort darauf, eine sehr überraschende, sie lautet: „Nimm dich zuerst einmal so an wie du bist“.
Luther und viele Menschen seiner Zeit kannten auch einen Reformstau in ihrem Leben. Viele waren mit sich nicht zufrieden. Sie wollten gerne anders sein. Sie wollten gut und gerecht vor Gott dastehen. Aber alle Versuche, einen besseren Menschen aus sich zu machen, scheiterten. Bis Martin Luther entdeckte: Gott akzeptiert mich so wie ich bin. Was verbesserungswürdig an mir ist, das muss nicht ich ändern, sondern das hat Gott schon längst selbst geändert, durch seinen Sohn Jesus Christus. Martin Luther erkannte: Christus ist an meiner Stelle vor Gott gut und gerecht, so wie ich es eigentlich sein müsste. Das war für ihn eine riesige Befreiung. Im Rückblick auf diese Entdeckung schreibt er: „Nun fühlte ich mich ganz und gar neu geboren und durch offene Pforten in das Paradies selbst eingetreten“. Luther war von der Last befreit, ein anderer zu sein, das gab ihm die Freiheit all die Dinge anzupacken, die wirklich verändert werden konnten.
Reformen sind schwierig, auch im eigenen Leben. Aber vielleicht geht es ja wirklich zuerst darum, sich selbst zu akzeptieren. Gott will mir dabei helfen: Ich kann mich selbst annehmen, weil Gott mich annimmt. Und von der Last befreit, ein anderer zu sein, kann ich dann die Dinge in Angriff nehmen, die sich wirklich ändern lassen, in meinem Leben und in der Welt. https://www.kirche-im-swr.de/?m=103