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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Kennen Sie das auch, dass Sie sich in manchen Situationen ganz hilflos vorkommen? Etwa, wenn Sie einem Menschen begegnen, der schwer krank ist, der vielleicht sogar im Sterben liegt; oder jemandem, der einen nahen Angehörigen verloren hat.
Viele Menschen spüren diese Hilflosigkeit am Bett eines Kranken oder im Gespräch mit einem Trauernden. Sie fühlen sich überfordert. Sie meinen, sie müssten irgendetwas Besonderes tun, irgendetwas Besonders sagen, schließlich ist ja auch die Situation so ungewöhnlich. Und was kann ich schon machen? Keines meiner Worte wird bei meinem Gegenüber die Trauer in Freude verwandeln und Kranke gesund machen kann ich auch nicht.
Und doch! Man kann etwas tun! Neulich kam ich mit jemandem ins Gespräch über dieses Gefühl der Hilflosigkeit. Und da sagte dieser Mann: „Helfen kann man immer – durch Zuwendung“. Ich glaube, genau das ist es. Ich kann einfach da sein. Und das ist schon sehr viel. Denn viele andere halten das Gefühl der Hilflosigkeit und die Angst vor der ungewöhnlichen Situation gar nicht aus. Sie fliehen, und so bleiben Trauernde und Kranke oft allein.
„Wenn alle anderen raus rennen, gehen wir rein“, heißt ein Spruch bei der Feuerwehr. Gemeint ist das brennende Haus. Ich möchte Ihnen Mut machen, im übertragenen Sinn Feuerwehrleute zu sein: nämlich Menschen, die in Situationen gehen, um die die anderen einen großen Bogen machen. Das kostet Überwindung. Wer es ausprobiert, wird aber merken: es ist gar nicht so schwer.
Wir können helfen, indem wir einfach da sind und Zeit haben. Viel reden müssen wir gar nicht, zuhören ist viel wichtiger. Nicht die Not klein zu reden, nach Erklärungen suchen oder gute Ratschläge parat haben. Es darf auch ruhig einmal still sein. Es geht darum, die schwierige Situation mit dem Kranken oder dem Trauernden zusammen auszuhalten. Wir zeigen ihm damit: Du bist nicht allein.
Wenn der andere das möchte, können wir auch ein Gebet sprechen. Vielen Menschen tut es gut, wenn jemand für sie die Nähe Gottes erbittet. Das muss kein selbst formuliertes Gebet sein. Der 23. Psalm – „Der Herr ist ein Hirte“ – oder das Vaterunser haben schon vielen Menschen geholfen. -
Menschen, die sich Kranken, Sterbenden und Trauernden zuwenden, erleben das oft als Bereicherung für ihr eigenes Leben. Eine Frau, die in einem Hospiz Sterbende begleitet, hat erzählt, dass sie dabei die eigene Angst vor dem Tod verloren hat. Und eine andere Hospizmitarbeiterin hat gesagt: „Ich mache Erfahrungen, die immer wieder viel Kraft kosten, aber auch so viel Kraft schenken“. https://www.kirche-im-swr.de/?m=102