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SWR4 Feiertagsgedanken

20MAI2024
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Hinter dem Pfingstfest steht eine besondere Geschichte. Die biblische Geschichte, wie Gottes Heiliger Geist zu den Menschen gekommen ist. Und ich habe wieder neu entdeckt, wie sie mir Mut und Hoffnung schenkt – gerade jetzt, in unseren unruhigen Zeiten.

Vielleicht geht es Ihnen auch so. Mich beschäftigt es sehr, was in unserer Gesellschaft passiert. Jugendliche, auch erwachsene Menschen gehen einfach so auf Politiker los, nicht mit Fragen oder Vorwürfen, sondern mit roher Gewalt. Unvermittelt und für die meisten unverständlich. Sicher, im Wahlkampf sind die Nerven angespannt, aber das erklärt doch nicht solche Ausbrüche.

Ist es nur eine zunehmende Verrohung oder wie es kürzlich ein Wissenschaftler ausgedrückt hat, bereits eine Durchrohung der Gesellschaft? Eine Durchrohung angesichts von andauernden Krisen und Problemen, von offensichtlich unlösbaren Interessenlagen und Konflikten, im Privaten wie weltweit.

Darüber habe ich mit einem Landtagsabgeordneten und einem meiner Arbeitskollegen diskutiert. Wie kann man dem begegnen? Der Kollege meinte, durch bessere Erziehung und Schulen, die sich kümmern. Auch durch mehr Information. Aber sind wir nicht alle bestens informiert, meinte der Politiker. Und es sei auch nicht möglich, jeden öffentlichen Platz und jede öffentliche Person rund um die Uhr zu schützen. Miteinander waren wir uns schnell einig, dass es um etwas Grundlegenderes geht, nämlich um Beziehung. Wann hört einer dem anderen noch wirklich zu? Und wer ist bereit, seine Meinung auch einmal zu ändern? Sich zu öffnen und umzudenken?  Das geht nur, wenn man vertrauensvoll miteinander reden und zuhören kann. Nicht auf die Schnelle sich gegenseitig Parolen an den Kopf knallen. Sondern in Ruhe reden, Argumente auch einmal sacken lassen, sie überdenken – und so ein Stück Weg miteinander gehen.

Genau das hat auch die Jünger um Jesus auf das Pfingstfest vorbereitet. Darauf, dass sie den Heiligen Geist Gottes empfangen haben. Es war ein langer Weg, den sie miteinander gegangen sind. Miteinander – obwohl auch sie unterschiedliche Meinungen hatten, wie es denn nun weiter gehen sollte, ohne ihren Anführer Jesus.  Der Tod von Jesus ist ein Schock für die Jünger gewesen. Dass er auferstanden ist, konnten sie zuerst kaum glauben, und dann war er in den Himmel aufgefahren und hatte sie allein zurückgelassen. Ängstlich haben sie sich zurückgezogen. Auch sie mussten das erst einmal sacken lassen, in ihrem sicheren Raum.

Bis zu dem Moment als Gott selbst eingegriffen hat. Mit seinem Geist, mit seiner Dynamik, mit einer neuen Kraft, die sie bis ins Innerste gepackt hat. Sie wollten raus, sie mussten raus. Raus aus der Isolation, auf andere zugehen, sich anderen mitteilen. Den anderen sagen, was sie mit Gott erlebt haben, dass Gott in diesen Tagen die Geschichte verändert hat, dass Jesus wieder da ist, dass er auch die Herzen und jeden einzelnen Menschen zum Besseren verändern kann. Deshalb feiern wir auch heute noch dieses Hoffnungsfest.

Ist es nicht gerade das, was wir auch gerade jetzt brauchen? Aufeinander zugehen, einander zuhören, ein Stück weit das Herz öffnen und weitersagen, was uns Mut und Hoffnung schenkt. Ein neues Miteinander wagen

Die Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus waren begeistert über das, was Gott ihnen gezeigt und wie er ein neues Miteinander geschenkt hat. Und das haben sie weitergegeben – sind offen und positiv auf andere zugegangen und haben dazu eingeladen, den Weg miteinander weiterzugehen.

Kurz nach der Diskussion mit dem Abgeordneten und meinem Kollegen habe ich ein Interview mit einem Gewaltforscher gehört, der meinte:  Viele wissen gar nicht, was sie mit ihren ständigen schlechten Nachrichten, auch mit dieser andauernden und alarmierenden Untergangsrhetorik anrichten. Sie drängen andere in eine Art Notwehrhaltung. Und wer meint, sich ständig wehren zu müssen, wer sich für seine anderen Werte und Überzeugungen immer rechtfertigen muss, weiß sich unter Umständen auch nur noch mit Gewalt zu helfen. Vorsicht also mit dieser ständigen Haltung der Überlegenheit, der moralischen Überhebung.

Am ersten Pfingstfest beobachte ich eine andere Haltung. Die Ängstlichen bekommen neuen Mut, sie nehmen sich gegenseitig an. Von Geist Gottes bewegt, sprechen sie auch die fremden Menschen in der Stadt an, zeigen einander Respekt, wollen ihre Freude und ihre Entdeckung, ihren Glauben teilen.

Ja, ich wünsche mir so ein Pfingstfest auch bei uns. Heute und eigentlich immer wieder – auch durchs Jahr hindurch. Wer sich von Gott geliebt und getragen weiß, muss sich nicht zurückziehen, muss auch nicht in einer Abwehrhaltung beharren, kann aus sich herausgehen. Es gibt so viel, was uns Mut macht. Es gibt so viel, was der Glaube an Jesus uns schenkt. Es gibt so viel Hoffnung, welche die Untergangsrhetorik und auch das lautstarke Beweisen irgendeiner moralischen Überlegenheit hoffentlich schnell ablöst. Im Geist von Jesus kann so viel Gutes entstehen.

Das wünsche ich Ihnen und einen gesegneten Pfingstmontag.

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SWR4 Sonntagsgedanken

03MRZ2024
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Beim Stichwort „teuer erkauft“, was fällt Ihnen da ein? Ich musste natürlich musste ich zuerst an Geld, an hohe Summen denken. Und es gibt Sachen, die sind wirklich unfassbar teuer!

Kunstwerke zum Beispiel: Skulpturen oder Gemälde alter Meister. Im Jahr 2017 wurde ein Gemälde des Malers Leonardo da Vinci versteigert. Demselben Künstler, der auch die Mona Lisa gemalt hat. Es ist eine Darstellung von Jesus und hat den Titel: „Salvator Mundi“ oder auf Deutsch: "Der Retter der Welt."

Ein Jesus-Porträt vom legendären Leonardo da Vinci! Das war eine Sensation! Die Gebote haben sich damals überschlagen. Bei über 450 Millionen US-Dollar hat schließlich ein anonymer Bieter den Zuschlag erhalten. Teuer erkauft.

Können Sie das nachvollziehen? Dass jemand so viel Geld hergibt für ein einziges Bild? Wahrscheinlich ist der Käufer so reich, dass er das einfach so kann. Vielleicht ist er aber auch an seine Grenzen gegangen oder sogar darüber hinaus – einfach, weil er dieses einmalige, wunderschöne und kostbare Bild unbedingt haben musste. Dann hat er es „teuer erkauft“ einfach, weil es ihm das wert war.

Bei dem Stichwort „teuer erkauft“ muss ich aber auch an etwas ganz anderes denken, das mit Geld nichts zu tun hat: an die schrecklichen Kriegsbilder, an den hohen Blutzoll, der in jeden Tag bezahlt wird - für den Widerstand gegen irgendwelche Despoten und für jeden noch so kleinen Sieg im Kampf um die Freiheit.  Fast jeden Tag wird uns genau das in den Nachrichten vorgeführt, was „teuer erkauft“ eben auch bedeuten kann. Der Einsatz eines Lebens für die Freiheit.

Und heute lese ich in der Bibel im ersten Petrusbrief und höre ich im Gottesdienst (1Petr.1,18-21), dass Sie und ich, dass jeder einzelne Mensch für Gott einen so unschätzbar hohen Wert besitzt. Er lässt nicht zu, dass ich am Leben verzweifle und die Hoffnung aufgebe. Und für seinen Sohn, Jesus, ist kein Preis zu hoch, wenn er meine Freiheit teuer erkauft, durch sein eigenes Blut. Jesus ist der Retter aller Menschen und der ganzen Welt – der „Salvator Mundi“, wie in dem Gemälde von Leonardo da Vinci.

Ganz ruhig lässt Leonardo seinen Jesus erscheinen. Er blickt mich freundlich an. In seiner einen Hand hält er eine durchsichtige Glaskugel, eine Art Globus. Und die rechte Hand ist zum Segnen erhoben.

Dieser Jesus hat sein Leben für Sie und für mich eingesetzt. Sein wertvolles Blut wurde vergossen. Für mein Leben, für meine Freiheit. So unendlich viel bin ich, sind Sie Gott wert. Teuer erkauft. Mir gibt das Hoffnung und stärkt mein Vertrauen, wenn ich daran denke, dass Jesus die ganze Welt und jedes einzelne Leben in seiner Hand hält – wie die Glaskugel auf dem Bild von Leonardo da Vinci.

Jesus hat alles für mich getan und hält bereit, was ich brauche. Nämlich Freiheit. Ich muss mich nicht beherrschen lassen von den Schreckensnachrichten, die jeden Tag auf mich einströmen. Gott ist stärker. Und auch von meinen eigenen Fehlern muss ich mich nicht unterkriegen lassen. Gott wird wieder gerade rücken, was durch mich krumm und schief geworden ist. Und dafür muss nicht ich erst einmal etwas leisten und mich als würdig erweisen, sondern Gott setzt alles für mich ein, zahlt für mich den höchsten vorstellbaren Preis.

Nicht morgen, nicht irgendwann. Er hat es bereits getan. Mich teuer erkauft. Damit ich aus dieser Liebe und Hoffnung leben kann, die er mir entgegenbringt.

Und wieder muss ich an den Salvator Mundi, den Retter, den Erlöser der Welt denken. Denn in meinem Leben ist auch vieles nicht gelungen oder unweigerlich offengeblieben. Mit über 60 Jahren rückt zudem die Grenze meines eigenen Lebens näher. Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, dass er von den Toten auferstanden ist, was wir bald miteinander am Osterfest auch feiern werden.

Das ist meine Zukunftshoffnung – und es darf auch Ihre Zukunftshoffnung sein. Denn, was Christus getan hat, das gilt für jeden und jede von uns. Ob wir damit bisher viel anfangen konnten oder mit dem Glauben unsere Schwierigkeiten haben. Es geht nicht darum, was ich vorweisen kann oder eben nicht, sondern dass Christus seine Hand nach seinen Menschen ausstreckt, damit wir uns an ihm festhalten. So verstehe ich glauben. Jesus will unsere Hände ergreifen, uns halten und er will uns segnen.

Wie auf diesem wertvollen Gemälde. In der linken Hand hält Jesus unsere Welt, mein kleines Leben, meine kleine Welt, er umfängt mein ganzes Leben, ja unsere ganze Welt. Und mit der rechten Hand segnet er uns. Hier und für alle Zeiten.

Damit Liebe und Hoffnung auch mein Leben, Ihr Leben trägt und erfüllt. Das wünsche ich Ihnen heute von Herzen und einen gesegneten Sonntag.

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SWR4 Sonntagsgedanken

10DEZ2023
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Wie feiern Sie heute Advent? Mit Adventskranz und Kerzen, mit Weihnachtsmusik und Gebäck? So schön das auch ist, eigentlich braucht es nicht einmal das. Jesus sagt zum Advent: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Luk 21,28)

Einfach mal das Kinn und den Kopf heben, aufatmen, aufsehen. Gott kommt auf mich zu, so verstehe ich den Advent. Hoffnung und Hilfe ist schon unterwegs.

Und das haben wir gerade jetzt so nötig. Ich habe meine Kolleginnen und Kollegen gefragt, was sie denn so umtreibt und was sie sich im Advent wünschen. Alle haben über Stress geklagt. Und dass ihnen gerade vieles große Sorgen bereitet. „Seit Corona gibt es Wolken“, hat es einer auf den Punkt gebracht, „und die Wolken verziehen sich nicht mehr“.

Ein anderer hat gesagt: „Im Trubel dieser Tage klingen keine süßen Glocken.“ Er aber sehne sich nach einem Advent, der Menschen anrührt, und sie auf Weihnachten vorbereitet. Es gehe doch „um einen mutmachenden Ton, der sich verbreiten kann“.

Mir ist dabei klar geworden, dass auch ich oft ganz andere Töne verbreite, unter vielem stöhne, statt aufzusehen und selbst ein Adventsbote zu werden.

Dabei ist mir das früher ganz gut gelungen, und es hat mir Freude gemacht. Vor einigen Jahren habe ich mich mit der Kirche sogar aufs Glatteis gewagt, um Menschen den Advent nahezubringen. Mit einer aufblasbaren Kirche sind wir am Sonntagmorgen ins Heilbronner Eisstadion, die Kolbenschmidt-Arena gegangen. Und mitten unter den Leuten, die zum Schlittschuhlaufen gekommen waren, haben wir auf dem Eis die aufblasbare Kirche aufgestellt.

Über die Lautsprecher haben wir sogar Glocken läuten lassen. Es waren die des Petersdoms in Rom. Und jedes Mal, wenn das Eis aufbereitet wurde, haben wir sie läuten lassen und zu Kurzgottesdiensten und Gesprächen eingeladen.

Es war beeindruckend zu erleben, wie viele Menschen auf der Suche nach dem echten Advent und Weihnachten waren. Ein junger Mann sagte: „Klasse, dass ihr da seid. Ich brauch das.“ Ein Junge mit Migrationshintergrund, er war etwa 10 Jahre alt, wollte mir unbedingt ein Jesuslied vorsingen, dass er gelernt hatte: Hallelu, Hallelu, Hallelu, Halleluja, preiset den Herrn...
„Kirche sollte viel öfter mitten ins Leben hineinkommen“, sagte ein anderer Mann und er meinte das sehr ernst. Eine Frau, die vor Jahren sehr harte Enttäuschungen erlebt hatte, auch mit der Kirche, sagte mir: „Ich will wieder neu anfangen. Das Beten und Singen heute hat mir Mut gemacht, es gibt mir etwas.“ Und ich habe gelernt, dass es manchmal nur einen kleinen Anstoß braucht, damit es Advent wird und Menschen den Mut finden, um den Kopf zu heben und aufzuatmen – auch ganz ohne Adventskranz und Gebäck.

Auf der Eisfläche fiel mir etwas auf, was ich bisher nicht so beachtet hatte. Wenn die Schlittschuhläufer über die glatte Oberfläche fahren, ziehen sie tiefe Rillen hinein, an manchen Stellen sogar richtige Furchen und wenn einer hart bremst, bleiben sogar Löcher im Eis. Und es sammelt sich der Eisstaub, fast wie Schnee backt er zusammen, bildet richtige Brocken und kleine Hindernisse. Die Läufer haben, bevor das Eis wieder neu aufbereitet wurde, fast nur noch nach unten und auf die Stolperfallen gestarrt, um ja nicht hinzufallen.

Als ich das beobachtete, wie die Schwünge vorsichtiger gefahren wurden und die Köpfe mehrheitlich gesenkten waren, dachte ich: So geht es auch vielen von uns. Böse und enttäuschende Erfahrungen ziehen Furchen und Rillen ins Leben, es wird immer holpriger, voller Schrunden und Unebenheiten, voller Wunden und Hindernisse.

Auch ein Leben kann holprig und schwierig werden. Da braucht es Menschen, die trösten und zuhören, die ermutigen und helfen, die heilen und begleiten, die helfen, dass man den Kopf wieder heben und aufsehen kann. Weil so die Lebensbahn auch wieder geglättet und bereinigt wird. Manchmal braucht es einfach einen ersten Schritt, eine freundliche Geste, eine Ermutigung, weil jemand allein nicht mehr hören oder gar beten oder singen kann. Weil die Hoffnung auf Gott verschwunden ist.

Im tiefsten Inneren warten viele nur darauf, dass sich etwas tut in ihrem Leben. Dass sich ein sicherer Weg auftut, ohne Furchen und Löcher. Aber sie können es nicht mehr glauben. Deshalb kommt Gott, kommt Jesus auf uns zu. Und deshalb bin ich, sind Sie gerufen auf andere zuzugehen, um den Advent ins Leben dieser Menschen zu bringen. Und sei es in einer aufblasbaren Kirche wie damals in dem Eisstadion.

Auch ein Adventskranz, Kerzen und Gebäck können das. Aber eigentlich geht es auch ohne, denn Jesus sagt zum Advent: Los jetzt. Es hat längst begonnen. „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Seht auf, lasst Euren Horizont weiten. Ich habe mich längst aufgemacht. Auch wenn Ihr selbst festsitzt, ich komme auf Euch zu, um Euch zu helfen. So verstehe ich Jesus.

Das wünsche ich Ihnen, ja uns allen, dass wir in dieser Adventszeit neu glauben, aufatmen und aufsehen – und Gottes Segen und Hilfe erleben.

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SWR4 Sonntagsgedanken

17SEP2023
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Das Beste kommt erst noch. Du hast Zukunft.“  Das klingt wie etwas, das man den Schulkindern, die gerade neu oder wieder in die Schule kommen, mit auf den Weg gibt. Du hast Zukunft. „Ich beschütze dich. Ich werde dich reich belohnen.“ Dieses Versprechen wurde einem Mann mit auf den Weg gegeben, der schon lang den Kinderschuhen entwachsen war.

Abraham hieß er. Jahre zuvor war aufgebrochen. Nicht aus der Not heraus. Auch nicht aus Abenteuerlust. Sondern weil Gott ihn berührt und angesprochen hatte. Abraham hatte Gottes Gegenwart gespürt und erkannt, dass er dieser Aufforderung folgen sollte. Er schenkte Gottes Wort Glauben. Das gibt es ja, so Momente, in denen man einfach erkennt. Jetzt ist etwas Neues dran, auch wenn es ein Wagnis ist. Und dann zieht man los und packt es an.

Abraham hatte auf Gottes Wort hin, den riskanten Aufbruch gewagt, seine Heimat, seine vertraute Umgebung, auch seine Verwandtschaft und seine ganzen Sicherheiten hinter sich gelassen. Er verließ sich darauf, dass Gott ihm ein neues Zuhause schenken wollte, weit weg von der Heimat.

Und Abraham war dort auch gut angekommen. Was er zurückgelassen hatte, wurde bald aufgewogen durch das, was er sich durch seinen Mut und harte Arbeit neu aufbauen konnte. Sein Lebensweg stand sichtbar unter Gottes Segen. Damit konnte er eigentlich zufrieden sein.

Aber da packte ihn ganz neu die Frage, was aus allem werden sollte, das er aufgebaut hatte. Die Sorge um die eigene Zukunft. Er wurde ja nicht jünger. Was sollte er hier in diesem Land, ohne Verwandtschaft, allein mit seiner Frau?

Die Sorge um die Zukunft treibt im Moment auch viele Menschen bei uns um. Nicht nur ältere Menschen. Sie wissen nicht wohin, mit diesen ganz grundsätzlichen Fragen.

Als Abraham sich diese grundlegenden Fragen stellt, da spricht Gott zu ihm. Mit einer neuen und jetzt weitergehenden Zusage: Du hast Zukunft. Ich beschütze dich. Dein Vertrauen wird dir großen Lohn einbringen. Gilt das auch für uns?

Wie kam es nun aber zu diesem neuen Versprechen an Abraham, der eigentlich schon in seinem letzten Lebensabschnitt angekommen war?

„Hab keine Angst Abraham“, sagte Gott zu ihm in einer Art Vision. „Ich beschütze dich und ich werde dich reich belohnen.“ Da brach es aus Abraham heraus: „Du weißt doch, dass ich keine Kinder habe.“ Bald muss ich alles, was ich habe, ohnehin loslassen und weggeben. Ist dann nicht alles verloren?

Verständlich, was Abraham bewegte und was er Gott entgegenhielt: Was nutzt das alles, was er hier erreicht und gewonnen hat? Es bringt doch nichts. Und ohne Nachfahren bringt es auch niemandem in seinem Umfeld etwas. Diese Frage ist bis heute für viele Menschen aktuell und sogar bedrückend, ob mit oder ohne Kinder. Für welche Zukunft setze ich mich ein? Und für wen die ganze Mühe, wofür ich mich aufgerieben und auch vieles aufgegeben habe?

Gott eröffnete Abraham nochmals eine ganz neue Sicht, einen viel weiteren Horizont als den, den er bisher verstehen konnte. Gott zeigte Abraham den Nachthimmel und die Sterne. „So zahlreich sollen deine Nachkommen sein“, versprach ihm Gott. Er schloss sogar einen Bund mit Abraham. Gottes Versprechen sollte für alle Zeiten und in alle Ewigkeit gelten.

Bald darauf setzte Gott auch ein neues Zeichen im Leben von Abraham und seiner Frau Sara. Sara wurde schwanger, entgegen allen Gesetzen der Natur, sie war ja auch schon alt. Die beiden erhielten einen Sohn. Und aus diesem Sohn sollte ein ganzes Volk entstehen, die Israeliten.

In dieser Geschichte geht es aber nicht nur um den sichtbaren irdischen Segen und die zahlreichen Nachkommen. Es geht auch darum, dass Gott den Menschen etwas über dieses Leben hinaus zusagt. Wer Gott vertraut und auch neue Wege wagt, der wird von Gott mit Zukunft beschenkt.  

„Du hast Zukunft. Das Beste kommt erst noch.“ Dieses Vertrauen auf Gott wünsche Ihnen heute von Herzen. Und einen gesegneten Sonntag.

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SWR4 Sonntagsgedanken

11JUN2023
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Das brauchen gerade so viele, neue Freude und Ermutigung, ja Hoffnung statt Zukunftsangst. Ausgerechnet viele jüngere Menschen haben Angst vor den vielen Krisen unserer Zeit, erst recht vor den Folgen! Aber Angst ist eine schlechte Ratgeberin. Und es darf nicht so weit kommen, dass der Geist der Furcht das ganze Leben beherrscht. Ich jedenfalls wehre mich dagegen, und mein Glaube ruft mich dazu auf. Am heutigen Sonntag ganz konkret mit einem Wort aus der Bibel. Da heißt es:  Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 

Kraft, Besonnenheit und Liebe – mit diesem Geist schickt Gott mich ins Leben. Und der heutige Sonntag hilft mir, Atem zu holen, neue Kraft zu schöpfen und die Hoffnung zu stärken. Sonntags lasse ich ganz bewusst meinen Alltag los. Ich lasse die Illusion los, dass ich alles steuern und lösen könnte.  Ich verändere die Perspektive, im Gottesdienst oder bei einem Spaziergang, und lege das, was mich umtreibt ganz bewusst in Gottes Hand.  Immer geht es darum, bewusst loszulassen und etwas Schönes und Erfreuliches in den Blick zu nehmen.  

Gerade in angespannten Zeiten hilft es mir, bewusst nach oben zu schauen, mich auch neu auf Gott auszurichten. Ich vertraue ihm die eigenen Sorgen an, in einem stillen Gebet, manchmal auch, indem ich diese aufschreibe und laut im Gebet ausspreche.

Mir hat dabei in letzter Zeit auch immer wieder das eben genannte Bibelwort geholfen: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Immer wieder habe ich über diesen Satz nachgedacht, ihn sozusagen meditiert und nachwirken lassen.

Interessanterweise wird darin zuerst betont, was der Geist Gottes nicht ist.
Er ist nicht der Geist der Furcht. Tatsächlich ist die Bibel voll von Geschichten und Begegnungen in denen Menschen sich fürchten oder zunächst nicht weiterwissen. Deshalb lässt Gott oft als allererstes folgenden Gruß ausrichten: Fürchte dich nicht! Und dabei passiert etwas. Die Angesprochenen verlieren ihre Angst, die Furcht weicht. Ihnen werden die Augen für etwas Neues geöffnet. Für die Wirklichkeit Gottes, für seine Hilfe, für sein wohlwollendes und heilendes Handeln. Oder eben eine neue Hoffnung oder Perspektive eröffnet. Zum Beispiel den Hirten in der Weihnachtsgeschichte. Ihnen wird gesagt: Euch ist heute der Heiland geboren. Gottes Hilfe für euch ist da.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht. Diesen Gedanken nehme ich in den heutigen Sonntag hinein. Meine Sorgen und Ängste werden kleiner, weil ich an die Möglichkeiten Gottes glaube, weil ich sein „Fürchte dich nicht“ heute für mich höre.

Denn in der Bibel heißt es: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Das sind die Geschenke Gottes: Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Haben Sie das auch schon erlebt? Von manchen Menschen geht eine besondere Ausstrahlung aus. Sie vermitteln Ruhe oder Freude, geben etwas Anregendes mit oder können einen begeistern. So ist es auch mit Gottes Geist. Er wirkt in das Leben hinein. Zum Guten.

Und er macht auch mit mir, mit Ihnen etwas. Wenn ich mich Gott öffne, wenn ich zum Beispiel zu ihm bete, erhalte ich etwas zurück. Glaube macht etwas mit mir.

Ich erhalte neue Kraft. Auch gegen das, was mich belastet. Da kommt Dynamik ins Leben hinein. Die erst vor kurzem verstorbene Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff hat in ihrem Roman "Das Pfingstwunder" so etwas beschrieben. Wie Menschen in unserer realismusgeplagten Welt Gott erfahren. So muss der Geisteswissenschaftler und bisher "knochenharte Realist" Professor Gottlieb Elsheimer begreifen, dass die Welt aus mehr als bloß Fakten besteht. Allein schon deshalb, weil ihn und andere in einem Raum diese Kraft erfasst und unversehens eine neue Sicht auf die Welt schenkt.

Neben der Kraft, die Menschen überrascht und bewegt, steht aber hier die Liebe. Gottes Kraft wird immer von der Liebe getragen. Sein Geist bewirkt in Menschen eine andere Haltung. Es geht nicht um Macht oder Triumph, sondern um neue Energie, die auch andere mitnimmt, die ansteckende Hoffnung verbreitet, die tragfähig ist. Genug Stärke, um der Furcht entgegentreten zu können.

Und als drittes Geschenk gegen die Furcht und Hoffnungslosigkeit schenkt Gottes Geist Besonnenheit. Also Vernunft und Einsicht, Geduld und Lebensweisheit, ein tiefes Durchatmen, damit die nötige Ruhe wieder einkehren kann.

Das alles ist die Grundlage für neue Hoffnung. Für Hoffnung statt Zukunftsangst. Gott hat uns nicht gegeben der Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Dieser Geist Gottes soll auch in Ihrem Leben am heutigen Sonntag zum Zuge kommen. Ich glaube, dass Gott dieses Wunder tun kann oder wie es Ben Gurion, der Mitbegründer und spätere Ministerpräsident des Staates Israel einmal ausgedrückt hat: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.

Hoffnung statt Zukunftsangst, das wünsche ich Ihnen von Herzen und einen gesegneten Sonntag.

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SWR4 Sonntagsgedanken

02APR2023
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Heute, am Palmsonntag, wird Jesus als der verheißene König gefeiert. Aber: Ein mächtiger König auf einem Esel? Der Sohn eines Handwerkers, der mit ein paar einfachen und ganz alltäglichen Leuten als Wanderprediger unterwegs ist? Was hat das zu bedeuten?

Viel mehr als es auf den ersten Blick scheint. Vor allem, wenn man vergleicht, wie die Mächtigen sich feiern lassen und ihre Macht demonstrieren. Bis in unsere Zeit hinein: Mit goldenen Kutschen und großen Karossen, auf Thronsesseln, an riesigen Tischen oder mit dröhnenden Paraden.

Warum ist das beim König, der im Stall geboren wurde, so anders? Darf ich Sie dazu für einen Moment mit nach Jerusalem nehmen? In die Zeit, als Jesus gelebt hat?  Hin zu Menschen, die so verunsichert waren, wie viele es heutzutage gerade auch sind, die auch Krisen und Katastrophen erleben mussten. Die auch in Umbruchszeiten nach neuer Hoffnung gesucht haben. Ich bin deshalb der Überzeugung, was damals passiert ist, mitten unter diesen Menschen, das hat mit mir und mit Ihnen zu tun, weil Jesus sich mitten in diesem Geschehen als ein ganz anderer König gezeigt hat.

Ein großes Fest steht bevor, als Jesus auf seinem Esel in die heilige Stadt Jerusalem reitet – begleitet von seinen Jüngern. Und es spricht sich sofort herum in der Stadt, dass jetzt etwas geschehen wird. Die Einwohner Jerusalems kommen in Strömen, säumen die Straßen, legen ihre Kleider aus wie einen Teppich und lassen lange Palmäste wie Fahnen im Wind flattern – ein Empfang wie für einen König.

Da hat sich etwas aufgebaut, die Tage davor. Die Jubelnden erwarten Großes von Jesus. Hat er nicht vom Reich Gottes gepredigt? Hat er nicht behauptet, dass es jetzt anbricht, mitten unter ihnen? Hat er nicht blinde, lahme und taube Menschen geheilt und zuletzt sogar den verstorbenen Lazarus wieder lebendig gemacht? Sind das nicht alles deutliche Zeichen Gottes? Ist dieser Mann der Gesalbte Gottes?

Viele in der Stadt wollen das glauben.  Sie breiten Palmwedel auf dem Weg aus, sie jubeln und singen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Andere beobachten das vielleicht zurückhaltender und sind skeptisch. Jesus, der Wanderprediger als verheißener König? Und was für eine Art Herrscher will Jesus eigentlich selbst sein? Was bringt er den Menschen wirklich

Wo wäre ich damals gestanden? Und wie stehe ich heute dazu? Vereint mit den Jubelnden oder eher beobachtend am Rande? Vielleicht auch kritisch oder skeptisch, ob das wirklich mit Gott zu tun hat. Ja, wer ist Jesus für mich?

Was hat Jesus denn selbst gesagt und von sich behauptet, und was zeigt er hier bei seiner Ankunft in Jerusalem, als die Menschen ihn zu ihrem König machen wollen?

Zum ersten Mal sucht Jesus den Jubel und entzieht er sich nicht, fällt mir auf. Er bestätigt damit: Ja, Gott hat mich geschickt. Ihr habt Recht, mir zuzujubeln, denn Gott hat mich zu euch geschickt mit ausgestreckter, versöhnender Hand. Gott will etwas Neues einleiten, euch zu Hilfe kommen. Aber anders als ihr denkt. Nicht mit einem mächtigen Heer, wie es damals viele erwartet hatten, in einem Land, das von den Römern besetzt war. Gott schickt keinen Rächer und auch keinen geißelnden Bußprediger. Sein Gesalbter kommt nicht mit Macht und Gewalt, sondern mit Worten, die den Horizont öffnen. Die Menschen locken, füreinander einzustehen, das Leben zu lieben und das Leben jedes einzelnen zu achten. Mit einer inneren Kraft und einem Geist, der das Leben verwandelt. Das tut er bis heute.

Jesus geht seinen Weg, er verhehlt nicht seine Bestimmung. Deshalb lässt er sich an Palmsonntag zujubeln – er weiß aber auch, dass es kurze Zeit später ganz andere Rufe geben wird. Er weiß um das Kreuz, aber er weiß auch, dass Gott den Tod überwinden wird. Dieser Gesalbte Gottes will Jesus sein - reitet langsam auf seinem Esel auf die Stadt zu. Was für ein Zeichen! Es hat sich tief eingeprägt. Der König auf dem Esel.

Hier schließt sich auch ein großer Kreis. Denn in der Bibel, im Alten Testament ist es   lange vor diesem Einzug verheißen: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“

Der König auf dem Esel bleibt den Menschen zugewandt. Was für ein Zeichen, was für eine Botschaft. Gott macht sich klein, räumt jede Grenzziehung nach oben und unten in unseren Gesellschaften weg.

Zu diesem Jesus will ich nicht auf Abstand bleiben. Er behält mich und auch Sie immer im Blick. Ob einem gerade zum Jubeln ist oder eher nicht. Er hilft, dass wir heute mitfeiern können.
Das wünsche ich Ihnen und einen gesegneten Palmsonntag.

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SWR4 Sonntagsgedanken

09OKT2022
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Geht das? Trotz Krise zuversichtlich nach vorne schauen und einigermaßen gelassen bleiben? Ich weiß, das fällt vielen momentan echt schwer. Schon während der Corona-Zeit ist vielen die Decke auf den Kopf gefallen, und das hört irgendwie nicht auf. Was kann man da tun?

Ein guter Freund hat mir und meiner Frau erzählt, dass er seinen Urlaub dieses Jahr genutzt hat, um seine Resilienz zu stärken. Als Resilienz bezeichnet man die Widerstandskraft, die ein Mensch besitzt, um schwierige Lebensphasen und Krisenzeiten durchzustehen. Wer eher optimistisch gestimmt ist, ist schon mal im Vorteil gegenüber denen, die eher skeptisch oder ängstlich sind. Die Widerstandskraft in Krisen ist bei uns Menschen leider sehr ungleich verteilt. Doch zum Glück kann man Resilienz trainieren. Man kann sie richtig einüben – und das macht die Seele stärker.

Unser Freund hat seinen Resilienz-Kurs auf einem Segelschiff gemacht. Alle mussten dort mitanpacken, und so eng zusammenzuarbeiten war für die meisten ungewohnt. Aber alle haben gemerkt, nur zusammen halten wir das Schiff auf Kurs!  Jeden Tag haben sie ihre neuen Aufgaben ein bisschen besser bewältigt. Abends hat sich die ganze Mannschaft zusammengesetzt und Erfahrungen ausgetauscht: Wo ist alles glatt gelaufen und warum hat es auch mal gehakt? Und: Welche Erfahrungen kann ich für den Alltag nach Hause mitnehmen?

Unserem Freund hat es Spaß gemacht. Es hat ihn gestärkt und er kam ermutigt nach Hause.

Auf dem Schiff hatte er sich mit den anderen ausgetauscht. Das gilt es jetzt auf den Alltag zuhause zu übertragen. Es tut gut, mit jemandem über die eigenen Sorgen und Ängste zu reden, sie mit anderen zu teilen. Mir tut es gut, meine Sorgen auch im Gebet auszusprechen, sie an Gott abzugeben, ein mutmachendes Wort aus der Bibel zu lesen und loszulassen.

Zu beten – ich denke, das ist eine gute Möglichkeit,  meine Resilienz zu stärken, indem ich meine Sorgen bewusst an Gott abgebe.

 

Teil 2

 

Momentan sind wir ja fast alle irgendwie belastet und viele werden darüber gar nicht mehr so richtig froh. Es einfach zu viel geworden: Wird alles noch teurer, reicht das Gehalt oder die Rente, wird es an Weihnachten kalt und dunkel bleiben, und: welche Katastrophe wartet als nächste auf uns?

Stopp, sagt Gott. Stopp und haltet inne. Heute ist Sonntag. Ein Tag an dem man ablegen, loslassen und sich mit neuer Kraft beschenken lassen kann.

Heute ist im Gottesdienst zu hören, wie Jesus uns zuruft (Matthäus 11,28): Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Es tut Jesus weh zu sehen, wie viele Lasten die Menschen mit sich herumtragen. Deshalb lädt er mich ein, meine Sorgen und Ängste aussprechen und bei ihm damit auch abzuladen und loslassen - und seelisch und körperlich neue Kraft zu tanken. So verstehe ich „erquicken“.

Macht man es sich damit zu leicht? Ich denke nicht. Denn viele meiner Sorgen kann ich doch gar nicht allein bewältigen. Ich brauche ein Team um mich herum, wie an Bord eines Segelschiffs. Und ich brauche jemanden an meiner Seite, bei dem ich meine Last auch einmal abladen kann. Ich brauche Gott an meiner Seite. Genau da beginnt das Wagnis des Glaubens. Denn wenn ich Gott etwas abgebe, traue ich ihm auch zu, dass er es für mich löst. Das entlastet mich.

Probieren Sie es doch auch aus. Vielleicht mit dem Gebet: Jesus, hilf du mir! Erquicke meine Seele. Du kennst mich und weißt, was ich brauche. Lieber Gott, greif ein, weil ich, weil wir es nicht in der Hand haben.

Von Herzen wünsche ich Ihnen neue Lebensfreude und einen gesegneten Sonntag.

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SWR4 Sonntagsgedanken

07AUG2022
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Heute habe ich eine gute Nachricht für Sie. Für alle, die heute zuhören. Ganz gleich, ob Sie gerade Urlaub machen oder im Alltag stecken.

Auch wenn Ihnen eine bestimmte Sache große Sorgen bereitet oder die Vielzahl der Herausforderungen irgendwie über den Kopf gewachsen ist. Heute habe ich eine wirklich gute Nachricht für Sie - aus der Bibel, von Jesus von Nazareth. Er sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)

Eine gute Nachricht. Denn zum ersten heißt das: Jesus weiß genau, dass unser Leben nicht leicht ist, dass wir Ängste haben und auch erdrückende Sorgen. Aber genau deswegen ist er da! Unsere Welt mit allen verworrenen Problemen, die ist beängstigend. Aber – das sagt Jesus als zweites – Er hat die Welt überwunden!

Daran erinnert der Sonntag! Gott hat uns sonntags einen Ruhetag mit auf den Weg gegeben. Einen Tag, der anders ist als die übrigen Tage mit ihren Sorgen und Nöten.

Und Sonntag bedeutet: Raus aus der ständigen Sorge und Überforderung. Heute ist Sonntagmorgen und damit auch Zeit zum Loslassen, zum Weglegen, zum Abgeben. Zeit zum Weiterschauen als den Blick auf das nächste Problem zu richten, Zeit zum „nach oben Schauen“, auf Gott, der mich und meine Probleme sieht und lösen kann.

Lass los, gib die ständige Anspannung auf. Atme aus, atme neu ein, atme auf und endlich durch und entspanne dich. So verstehe ich Jesus und seine Einladung auch für den heutigen Morgen.

Ich schätze diese realistische Sicht von Jesus, der auf die Menschen zugegangen ist mit seiner guten Nachricht. Der wie die ausgestreckte Hand Gottes gelebt hat, der menschliche Hindernisse erkannt und weggeräumt hat, der jeden einzelnen Menschen in den Blick nimmt, aber auch jeden einzelnen Menschen mit Gott in Beziehung setzt.

Jesus sagte zu seinen Jüngern, zu den Frauen und Männern um sich herum, übrigens auch in einer sehr unsicheren Zeit (Johannes 16,33):
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Und das heißt, die Angst ist da, die will ich nicht kleinreden, aber die Hand Gottes, sie hält dich, sie hilft dir, sie gibt dir Zuversicht. Vertraue auf Gott, der dir Zukunft schenkt.

Wahrscheinlich kann man es in diesen Tagen gar nicht deutlich genug sagen: Raus aus der ständigen Panikmache, hin zu einem neuen Gottvertrauen. Wie es in dem Jesuswort so klar angesprochen wird:
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Ich fühle mich da angesprochen und verstanden. Ja, in den letzten Jahren bin ich in vielen Bereichen verunsichert worden und die politischen Entwicklungen bis hin zum Krieg in der Ukraine machen mir wirklich Angst. Nicht mal so sehr für mich, eher für meine Kinder und Enkel. Wir haben so wenig in der Hand und der Eindruck verstärkt sich, dass man da nicht einfach irgendwelche Hebel umlegen kann.

Jesus drückt das sehr realistisch aus: „In der Welt habt ihr Angst“, gerade in einer Zeitenwende wie momentan viele unsere Umbruchsjahre bezeichnen.

Aber Jesus bleibt nicht bei der Angst stehen. Er legt etwas Entscheidendes dazu, für den heutigen Sonntag zum Aufsehen, zum Durchatmen, aber auch für jeden anderen Tag, um mit all diesen Sorgen und Ängsten umgehen zu können: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Das ist kein leeres Wort, kein billiges Versprechen. Dafür ist Jesus mit seinem Leben, mit jeder Tat und jedem Wort eingestanden. Er hat kranke und arme Menschen, Frauen, Männer und Kinder, auch Außenseiter wieder mitten ins Leben zurückgeholt, wurde für sie sozusagen zur ausgestreckten Hand Gottes. Er hat mit Gottes Möglichkeiten ihr Leben verändert und heil gemacht. Und Jesus hat zuletzt an sich selbst gezeigt, dass nicht einmal der Tod das Ende bedeutet, sondern wir auf ein neues Leben mit Gott zugehen.

Niemand kann tiefer fallen als in Gottes Hand und Gott setzt auch der schlimmsten Bedrohung ein Ende.

Das ist die gute Nachricht von Gott. Der Sonntag erinnert uns daran – aber das gilt auch für jeden anderen Tag des Lebens. Deshalb: Raus aus dem ständigen Panikmodus. Ausatmen, einatmen, durchatmen, entspannen.

Und trau Gott zu, dass er dich hält und dir hilft und dir diesen heutigen Sonntag segnet.

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SWR4 Sonntagsgedanken

22MAI2022
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Fast jeder von uns kennt das eine oder andere Sprichwort. Zum Beispiel: Suchet, so werdet ihr finden. Wie oft habe ich das schon hören müssen, wenn ich etwas nicht sofort zur Hand hatte oder habe es selbst gedacht und weitergesucht. Nicht aufgeben. Es muss ja da sein.

Dass dieser Spruch aus der Bibel stammt, ist schon nicht mehr so bekannt. Auch nicht seine ursprüngliche Bedeutung oder der Zusammenhang. Schade eigentlich, denn gerade dieser Spruch hat eine viel tiefere Bedeutung, als beim Suchen nicht aufzugeben. Das wird sofort deutlich, wenn man die Stelle in der Bibel im Lukasevangelium nachliest. Hier heißt es: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 

Jesus hat das gesagt. Und zwar direkt im Anschluss an das Vaterunser-Gebet. Es ist eine Art Gebrauchsanweisung fürs Beten. Jesus meint damit:

Du bist Gott nicht lästig. Ganz im Gegenteil. Er hat immer ein offenes Ohr für Dich. Und er kann helfen. Manchmal sofort und ganz direkt und wie Du ihn bittest. Lass also nicht locker.

Jesus weiß, dass über das tägliche und andauernde Beten und Bitten die Beziehung zu Gott wächst. Deshalb fordert er seine Zuhörer auf: Wendet euch an Gott mit euren Anliegen. Denkt nicht immer nur an eure endlichen und begrenzten Möglichkeiten. Denkt größer. Euer Anliegen erscheint dann vielleicht in einem anderen Licht, Herausforderungen erfahren eine Wendung, auch im eigenen Denken. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 

Seid voller Vertrauen und erwartet etwas von Gott. Vertraut Gott wie ein Kind seinem Vater. Wenn das Kind um Fisch bittet, dann bekommt es vom Vater sicher keine giftige Schlange. Und wenn es um ein Ei bittet, sicher auch keinen Skorpion. Jesus macht diese Vergleiche um uns zu sagen: Gott ist wie ein guter Vater: Er wird seinen Kindern das geben, was sie brauchen und um was sie bitten!

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 

Laut Umfragen beten in Deutschland weit über die Hälfte aller Menschen mehr oder weniger regelmäßig. Gebet ist etwas sehr Natürliches und Menschliches. Vor allem, wenn man Gott als den himmlischen Vater begreift. Also als einen, der seinen Menschen zugetan ist, sich um sie kümmert, sich ihnen immer wieder neu in seiner Güte zeigt. Gott ist da und lässt sich bitten und finden.

Gebt nicht auf, meint Jesus. Gott will nicht nein sagen, ja Gott kann nicht nein sagen, wenn seine Menschen ihn ernsthaft bitten.

Jesus erklärt das in einem weiteren Vergleich Man lässt seinen Freund nicht draußen vor der Tür stehen, wenn er in einer Notlage ist und der Freund dem bittenden Freund doch helfen kann. Auch nicht mitten in der Nacht und auch nicht, wenn es unangenehm und unbequem wird. Gott ist wie ein Freund und wie ein Vater. Vertraut euch und eure Anliegen ihm an. Klopft und hämmert an seine Tür. Gott lässt sich das gefallen und hilft.

Im Moment gibt es mehr als genug, wofür wir Gott bitten und seine Hilfe suchen sollten. Ich denke an den furchtbaren Überfall und die große Not durch den Krieg in der Ukraine, auch an viele andere Krisengebiete in unserer Welt. Ich denke auch an Nöte und Krisen in unserem persönlichen Umfeld. Für andere Beten gehört für mich zum helfenden Handeln dazu. Gott hat doch viel mehr Möglichkeiten einzugreifen, als die, die mir vor Augen stehen.

Ich weiß, dass das für viele nicht leicht ist. Ihr Gebet kommt vielen so sinnlos vor - wenn Gott nicht antwortet - oder nicht zu antworten scheint.

Henning Kiene, ein Pastor in Bremen, hat dazu einmal gesagt: „Jedes Gebet erzeugt eine Resonanz in Gott. Durch ihn wird der ganze Kosmos in Schwingungen versetzt. Wir sind von den Wirkungen ungezählter Gebete umgeben. … Gott hört jedes Gebet, aber wann und wie es erhört wird, entzieht sich jeder Erklärung.“

Mir hilft der Gedanke: Gott hat ja zu uns Menschen gesagt und damit auch ja zu mir gesagt. Für diese gute Nachricht ist Jesus eingestanden.

Beim Beten passiert etwas. Etwas das weit größer ist als mein normaler Horizont. Da lebt der Glaube und auch meine Beziehung zu Gott auf. Es ist, als ob man durch eine Tür in eine viel größere Wirklichkeit eintritt und dann Gott als den Freund erlebt, der mich nicht abweist, als den himmlischen Vater, der seinem Kind zeigt, dass er da ist und gibt, was es braucht. Was ich brauche.

Gott, unser Vater, er begleite Sie an diesem Sonntag.

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SWR4 Sonntagsgedanken

02JAN2022
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Was ist jetzt dran im neuen Jahr? Was haben Sie sich vorgenommen: irgendwelche guten Vorsätze oder Pläne?

Offen gestanden bin ich dieses Jahr etwas zögerlicher mit meinen Vorhaben. Da ist so manches wegen der  letzten beiden Corona Pandemie-Jahre nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt  habe. Jetzt nehme ich mir bewusst weniger vor, auch um nicht enttäuscht zu werden.

Ja, was ist jetzt dran? Statt toller Vorsätze, zuerst prüfen, was überhaupt geht. Beruflich bis hin zum Privaten. Neujahrsempfänge oder andere Treffen im ersten Quartal des Jahres wurden bereits abgesagt. Wie früher den Urlaub zu Anfang des Jahres planen? Das geht nicht mehr. Der Terminkalender bleib vorsichtshalber leer - wer weiß, was kommt? Stattdessen weiterhin eher „Fahrt auf Sicht“. Weniger ist es deshalb aber nicht geworden. Das zeigt die Erfahrung vom letzten Jahr.  Eher kleinteiliger, vielfältiger, anstrengender.

Aber jetzt hat ein neues Jahr begonnen. Wäre das nicht eine Chance für einen Neuanfang? Braucht es jetzt nicht eine andere Haltung, eine neue Perspektive, etwas, das vom Weihnachtsfest und von Jesus ausstrahlt ins neue Jahr? So etwas wie ein helles Licht am Horizont?

Ich habe diese andere und ermutigende Sicht in einem bekannten Jesus Wort gefunden. Für mich eine Art Gegenrede zu den aktuellen Umständen. Und noch viel wichtiger, auch eine Gegenrede an mich selbst und meine Vorliebe für langfristige Pläne und abgesicherte Vorhaben.

Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8,12

Einem Licht nachfolgen. Nicht planen. Das Licht aus der Weihnachtskrippe gibt die Richtung vor - nicht meine Vorliebe für langfristige Pläne oder Vorhaben. Das ist die Herausforderung, vor die Jesus mich stellt.

Ich denke an die Weisen aus dem Osten, auch bekannt als die heiligen drei Könige, die es gewagt haben und diesem Licht folgten. Sie folgten dem Stern am Himmel. Was für ein Erstaunen, als dieser neue Stern sie nicht in einen königlichen Palast, sondern zum Stall in Bethlehem geführt hat. War das ihr Ziel? Sie hatten es sich anders vorgestellt, aber als sie dort ankamen, wussten sie, dass Gottes Licht sie genau hierhin führen wollte. Hier hatte das wichtigste Ereignis der Welt stattgefunden. Hier wirkt Gott. Hier wurde Gottes Retter geboren. Dieses Kind ist die Hoffnung und Grund zur Freude für die ganze Welt.

Und jetzt frage ich, was diese Geschichte aus der Bibel für mich und für Sie bedeutet? Was heißt das heute für meine Aufgaben und mein Leben in dieser schwierigen Zeit? Damals war es ein neues Licht am Nachthimmel, das die Weisen zum Nachdenken und dann auch zum Nachfolgen bewegt hat, bis sie mit Jesus das wahre Licht der Welt in der Krippe gefunden haben. In diesem Zusammenhang höre ich das Jesuswort auch für mich ganz neu. Jesus sagte zu den Frauen und Männern um sich herum:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Ich verstehe das so: Auch wenn ich gerade wenig vorhersehen und vorausplanen kann, stehe ich nicht im Dunkeln. Das Licht des Lebens leuchtet mit Jesus sin der Krippe auf. Und jetzt, am Anfang dieses neuen Jahres, will ich mich daran ausrichten und neu orientieren. Das schenkt mir auch eine neue Freiheit. Ich muss nicht mehr einfach so weitermachen wie bisher, mir immer wieder selbst neue Ziele setzen oder selbst festschreiben, was alles erledigt oder vorbereitet werden muss.

Ich weiß: alles möglichst sicher planen zu wollen sitzt in den meisten von uns tief drin. Aber die Pandemie hat gezeigt, dass unsere Pläne ihre Grenzen haben. So viele Vorhaben sind gescheitert oder einfach nicht mehr möglich. Und gerade das macht ja auch so unsicher und unzufrieden.

Von Jesus aber höre ich mehrfach: Lass deine Sorge los, damit du frei wirst. Vertraue auf Gott. Komm in mein Licht! Folge mir nach, damit Du neu sehen lernst. Erlebe, wie gut Du geführt wirst, wenn Du dich Gott anvertraust.
Jesus holt Menschen bis heute da ab, wo sie gerade sind. Bei der Arbeit, beim Radiohören oder beim Beten. Sein Licht leuchtet auf. Und egal, welche Pläne gerade nicht möglich sind - wenn ich diesem Licht folge, bin ich auf dem richtigen Weg.

Und für mich heißt das in diesem neuen Jahr. Weniger Vorsätze, weniger: „Was ist jetzt dran?“
Sondern: „Bin ich an Jesus dran?“ Wenn ich mich von seinem Licht leiten lasse, dann habe ich das helle Licht der Hoffnung, erlebe ich Freude und erkenne ich, was gerade wirklich wichtig ist.Das wünsche ich Ihnen heute und einen gesegneten Sonntag.

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