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07AUG2022
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Heute habe ich eine gute Nachricht für Sie. Für alle, die heute zuhören. Ganz gleich, ob Sie gerade Urlaub machen oder im Alltag stecken.

Auch wenn Ihnen eine bestimmte Sache große Sorgen bereitet oder die Vielzahl der Herausforderungen irgendwie über den Kopf gewachsen ist. Heute habe ich eine wirklich gute Nachricht für Sie - aus der Bibel, von Jesus von Nazareth. Er sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)

Eine gute Nachricht. Denn zum ersten heißt das: Jesus weiß genau, dass unser Leben nicht leicht ist, dass wir Ängste haben und auch erdrückende Sorgen. Aber genau deswegen ist er da! Unsere Welt mit allen verworrenen Problemen, die ist beängstigend. Aber – das sagt Jesus als zweites – Er hat die Welt überwunden!

Daran erinnert der Sonntag! Gott hat uns sonntags einen Ruhetag mit auf den Weg gegeben. Einen Tag, der anders ist als die übrigen Tage mit ihren Sorgen und Nöten.

Und Sonntag bedeutet: Raus aus der ständigen Sorge und Überforderung. Heute ist Sonntagmorgen und damit auch Zeit zum Loslassen, zum Weglegen, zum Abgeben. Zeit zum Weiterschauen als den Blick auf das nächste Problem zu richten, Zeit zum „nach oben Schauen“, auf Gott, der mich und meine Probleme sieht und lösen kann.

Lass los, gib die ständige Anspannung auf. Atme aus, atme neu ein, atme auf und endlich durch und entspanne dich. So verstehe ich Jesus und seine Einladung auch für den heutigen Morgen.

Ich schätze diese realistische Sicht von Jesus, der auf die Menschen zugegangen ist mit seiner guten Nachricht. Der wie die ausgestreckte Hand Gottes gelebt hat, der menschliche Hindernisse erkannt und weggeräumt hat, der jeden einzelnen Menschen in den Blick nimmt, aber auch jeden einzelnen Menschen mit Gott in Beziehung setzt.

Jesus sagte zu seinen Jüngern, zu den Frauen und Männern um sich herum, übrigens auch in einer sehr unsicheren Zeit (Johannes 16,33):
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Und das heißt, die Angst ist da, die will ich nicht kleinreden, aber die Hand Gottes, sie hält dich, sie hilft dir, sie gibt dir Zuversicht. Vertraue auf Gott, der dir Zukunft schenkt.

Wahrscheinlich kann man es in diesen Tagen gar nicht deutlich genug sagen: Raus aus der ständigen Panikmache, hin zu einem neuen Gottvertrauen. Wie es in dem Jesuswort so klar angesprochen wird:
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Ich fühle mich da angesprochen und verstanden. Ja, in den letzten Jahren bin ich in vielen Bereichen verunsichert worden und die politischen Entwicklungen bis hin zum Krieg in der Ukraine machen mir wirklich Angst. Nicht mal so sehr für mich, eher für meine Kinder und Enkel. Wir haben so wenig in der Hand und der Eindruck verstärkt sich, dass man da nicht einfach irgendwelche Hebel umlegen kann.

Jesus drückt das sehr realistisch aus: „In der Welt habt ihr Angst“, gerade in einer Zeitenwende wie momentan viele unsere Umbruchsjahre bezeichnen.

Aber Jesus bleibt nicht bei der Angst stehen. Er legt etwas Entscheidendes dazu, für den heutigen Sonntag zum Aufsehen, zum Durchatmen, aber auch für jeden anderen Tag, um mit all diesen Sorgen und Ängsten umgehen zu können: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Das ist kein leeres Wort, kein billiges Versprechen. Dafür ist Jesus mit seinem Leben, mit jeder Tat und jedem Wort eingestanden. Er hat kranke und arme Menschen, Frauen, Männer und Kinder, auch Außenseiter wieder mitten ins Leben zurückgeholt, wurde für sie sozusagen zur ausgestreckten Hand Gottes. Er hat mit Gottes Möglichkeiten ihr Leben verändert und heil gemacht. Und Jesus hat zuletzt an sich selbst gezeigt, dass nicht einmal der Tod das Ende bedeutet, sondern wir auf ein neues Leben mit Gott zugehen.

Niemand kann tiefer fallen als in Gottes Hand und Gott setzt auch der schlimmsten Bedrohung ein Ende.

Das ist die gute Nachricht von Gott. Der Sonntag erinnert uns daran – aber das gilt auch für jeden anderen Tag des Lebens. Deshalb: Raus aus dem ständigen Panikmodus. Ausatmen, einatmen, durchatmen, entspannen.

Und trau Gott zu, dass er dich hält und dir hilft und dir diesen heutigen Sonntag segnet.

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22MAI2022
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Fast jeder von uns kennt das eine oder andere Sprichwort. Zum Beispiel: Suchet, so werdet ihr finden. Wie oft habe ich das schon hören müssen, wenn ich etwas nicht sofort zur Hand hatte oder habe es selbst gedacht und weitergesucht. Nicht aufgeben. Es muss ja da sein.

Dass dieser Spruch aus der Bibel stammt, ist schon nicht mehr so bekannt. Auch nicht seine ursprüngliche Bedeutung oder der Zusammenhang. Schade eigentlich, denn gerade dieser Spruch hat eine viel tiefere Bedeutung, als beim Suchen nicht aufzugeben. Das wird sofort deutlich, wenn man die Stelle in der Bibel im Lukasevangelium nachliest. Hier heißt es: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 

Jesus hat das gesagt. Und zwar direkt im Anschluss an das Vaterunser-Gebet. Es ist eine Art Gebrauchsanweisung fürs Beten. Jesus meint damit:

Du bist Gott nicht lästig. Ganz im Gegenteil. Er hat immer ein offenes Ohr für Dich. Und er kann helfen. Manchmal sofort und ganz direkt und wie Du ihn bittest. Lass also nicht locker.

Jesus weiß, dass über das tägliche und andauernde Beten und Bitten die Beziehung zu Gott wächst. Deshalb fordert er seine Zuhörer auf: Wendet euch an Gott mit euren Anliegen. Denkt nicht immer nur an eure endlichen und begrenzten Möglichkeiten. Denkt größer. Euer Anliegen erscheint dann vielleicht in einem anderen Licht, Herausforderungen erfahren eine Wendung, auch im eigenen Denken. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 

Seid voller Vertrauen und erwartet etwas von Gott. Vertraut Gott wie ein Kind seinem Vater. Wenn das Kind um Fisch bittet, dann bekommt es vom Vater sicher keine giftige Schlange. Und wenn es um ein Ei bittet, sicher auch keinen Skorpion. Jesus macht diese Vergleiche um uns zu sagen: Gott ist wie ein guter Vater: Er wird seinen Kindern das geben, was sie brauchen und um was sie bitten!

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 

Laut Umfragen beten in Deutschland weit über die Hälfte aller Menschen mehr oder weniger regelmäßig. Gebet ist etwas sehr Natürliches und Menschliches. Vor allem, wenn man Gott als den himmlischen Vater begreift. Also als einen, der seinen Menschen zugetan ist, sich um sie kümmert, sich ihnen immer wieder neu in seiner Güte zeigt. Gott ist da und lässt sich bitten und finden.

Gebt nicht auf, meint Jesus. Gott will nicht nein sagen, ja Gott kann nicht nein sagen, wenn seine Menschen ihn ernsthaft bitten.

Jesus erklärt das in einem weiteren Vergleich Man lässt seinen Freund nicht draußen vor der Tür stehen, wenn er in einer Notlage ist und der Freund dem bittenden Freund doch helfen kann. Auch nicht mitten in der Nacht und auch nicht, wenn es unangenehm und unbequem wird. Gott ist wie ein Freund und wie ein Vater. Vertraut euch und eure Anliegen ihm an. Klopft und hämmert an seine Tür. Gott lässt sich das gefallen und hilft.

Im Moment gibt es mehr als genug, wofür wir Gott bitten und seine Hilfe suchen sollten. Ich denke an den furchtbaren Überfall und die große Not durch den Krieg in der Ukraine, auch an viele andere Krisengebiete in unserer Welt. Ich denke auch an Nöte und Krisen in unserem persönlichen Umfeld. Für andere Beten gehört für mich zum helfenden Handeln dazu. Gott hat doch viel mehr Möglichkeiten einzugreifen, als die, die mir vor Augen stehen.

Ich weiß, dass das für viele nicht leicht ist. Ihr Gebet kommt vielen so sinnlos vor - wenn Gott nicht antwortet - oder nicht zu antworten scheint.

Henning Kiene, ein Pastor in Bremen, hat dazu einmal gesagt: „Jedes Gebet erzeugt eine Resonanz in Gott. Durch ihn wird der ganze Kosmos in Schwingungen versetzt. Wir sind von den Wirkungen ungezählter Gebete umgeben. … Gott hört jedes Gebet, aber wann und wie es erhört wird, entzieht sich jeder Erklärung.“

Mir hilft der Gedanke: Gott hat ja zu uns Menschen gesagt und damit auch ja zu mir gesagt. Für diese gute Nachricht ist Jesus eingestanden.

Beim Beten passiert etwas. Etwas das weit größer ist als mein normaler Horizont. Da lebt der Glaube und auch meine Beziehung zu Gott auf. Es ist, als ob man durch eine Tür in eine viel größere Wirklichkeit eintritt und dann Gott als den Freund erlebt, der mich nicht abweist, als den himmlischen Vater, der seinem Kind zeigt, dass er da ist und gibt, was es braucht. Was ich brauche.

Gott, unser Vater, er begleite Sie an diesem Sonntag.

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02JAN2022
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Was ist jetzt dran im neuen Jahr? Was haben Sie sich vorgenommen: irgendwelche guten Vorsätze oder Pläne?

Offen gestanden bin ich dieses Jahr etwas zögerlicher mit meinen Vorhaben. Da ist so manches wegen der  letzten beiden Corona Pandemie-Jahre nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt  habe. Jetzt nehme ich mir bewusst weniger vor, auch um nicht enttäuscht zu werden.

Ja, was ist jetzt dran? Statt toller Vorsätze, zuerst prüfen, was überhaupt geht. Beruflich bis hin zum Privaten. Neujahrsempfänge oder andere Treffen im ersten Quartal des Jahres wurden bereits abgesagt. Wie früher den Urlaub zu Anfang des Jahres planen? Das geht nicht mehr. Der Terminkalender bleib vorsichtshalber leer - wer weiß, was kommt? Stattdessen weiterhin eher „Fahrt auf Sicht“. Weniger ist es deshalb aber nicht geworden. Das zeigt die Erfahrung vom letzten Jahr.  Eher kleinteiliger, vielfältiger, anstrengender.

Aber jetzt hat ein neues Jahr begonnen. Wäre das nicht eine Chance für einen Neuanfang? Braucht es jetzt nicht eine andere Haltung, eine neue Perspektive, etwas, das vom Weihnachtsfest und von Jesus ausstrahlt ins neue Jahr? So etwas wie ein helles Licht am Horizont?

Ich habe diese andere und ermutigende Sicht in einem bekannten Jesus Wort gefunden. Für mich eine Art Gegenrede zu den aktuellen Umständen. Und noch viel wichtiger, auch eine Gegenrede an mich selbst und meine Vorliebe für langfristige Pläne und abgesicherte Vorhaben.

Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8,12

Einem Licht nachfolgen. Nicht planen. Das Licht aus der Weihnachtskrippe gibt die Richtung vor - nicht meine Vorliebe für langfristige Pläne oder Vorhaben. Das ist die Herausforderung, vor die Jesus mich stellt.

Ich denke an die Weisen aus dem Osten, auch bekannt als die heiligen drei Könige, die es gewagt haben und diesem Licht folgten. Sie folgten dem Stern am Himmel. Was für ein Erstaunen, als dieser neue Stern sie nicht in einen königlichen Palast, sondern zum Stall in Bethlehem geführt hat. War das ihr Ziel? Sie hatten es sich anders vorgestellt, aber als sie dort ankamen, wussten sie, dass Gottes Licht sie genau hierhin führen wollte. Hier hatte das wichtigste Ereignis der Welt stattgefunden. Hier wirkt Gott. Hier wurde Gottes Retter geboren. Dieses Kind ist die Hoffnung und Grund zur Freude für die ganze Welt.

Und jetzt frage ich, was diese Geschichte aus der Bibel für mich und für Sie bedeutet? Was heißt das heute für meine Aufgaben und mein Leben in dieser schwierigen Zeit? Damals war es ein neues Licht am Nachthimmel, das die Weisen zum Nachdenken und dann auch zum Nachfolgen bewegt hat, bis sie mit Jesus das wahre Licht der Welt in der Krippe gefunden haben. In diesem Zusammenhang höre ich das Jesuswort auch für mich ganz neu. Jesus sagte zu den Frauen und Männern um sich herum:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Ich verstehe das so: Auch wenn ich gerade wenig vorhersehen und vorausplanen kann, stehe ich nicht im Dunkeln. Das Licht des Lebens leuchtet mit Jesus sin der Krippe auf. Und jetzt, am Anfang dieses neuen Jahres, will ich mich daran ausrichten und neu orientieren. Das schenkt mir auch eine neue Freiheit. Ich muss nicht mehr einfach so weitermachen wie bisher, mir immer wieder selbst neue Ziele setzen oder selbst festschreiben, was alles erledigt oder vorbereitet werden muss.

Ich weiß: alles möglichst sicher planen zu wollen sitzt in den meisten von uns tief drin. Aber die Pandemie hat gezeigt, dass unsere Pläne ihre Grenzen haben. So viele Vorhaben sind gescheitert oder einfach nicht mehr möglich. Und gerade das macht ja auch so unsicher und unzufrieden.

Von Jesus aber höre ich mehrfach: Lass deine Sorge los, damit du frei wirst. Vertraue auf Gott. Komm in mein Licht! Folge mir nach, damit Du neu sehen lernst. Erlebe, wie gut Du geführt wirst, wenn Du dich Gott anvertraust.
Jesus holt Menschen bis heute da ab, wo sie gerade sind. Bei der Arbeit, beim Radiohören oder beim Beten. Sein Licht leuchtet auf. Und egal, welche Pläne gerade nicht möglich sind - wenn ich diesem Licht folge, bin ich auf dem richtigen Weg.

Und für mich heißt das in diesem neuen Jahr. Weniger Vorsätze, weniger: „Was ist jetzt dran?“
Sondern: „Bin ich an Jesus dran?“ Wenn ich mich von seinem Licht leiten lasse, dann habe ich das helle Licht der Hoffnung, erlebe ich Freude und erkenne ich, was gerade wirklich wichtig ist.Das wünsche ich Ihnen heute und einen gesegneten Sonntag.

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10OKT2021
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„Bist Du Bereit?“ Bereit zur Abfahrt in den Kurzurlaub, meint meine Frau und fängt wie üblich an Tempo zu machen. Sie ist natürlich schon fertig. Ich eigentlich auch. Eigentlich - denn in letzter Sekunde fallen mir noch die Kleinigkeiten ein: Ladekabel fürs Handy, Ersatzbrille, Fototasche usw.  Ich fange also nochmal an mit Packen.
Ich hatte gedacht, ich wäre bereit. Kurz vor knapp merke ich - so ganz bin ich’s doch nicht.
Diese Frage: Bist du bereit? Sie kann auch eine ganz andere Tragweite haben. Je nach dem, wo ich gerade stehe in meinem Leben.

Vor einer neuen Aufgabe im Beruf zum Beispiel: Bin ich bereit dafür? Oder etwa doch nicht? Was brauche ich dazu noch?
Oder wenn die Kinder erwachsen werden und aus dem Haus gehen. Kann ich sie loslassen? Bin ich bereit dazu? Wenn das Berufsleben endet und die Pensionierung vor der Tür steht:  Kann ich loslassen und weiterziehen? Neue Ziele setzen? Das Alte zurücklassen, auch wenn es furchtbar schwerfällt und weh tut?   

Bist Du bereit? Es kann auch passieren, dass man ganz brutal mit dieser Frage konfrontiert wird. In der Bibel wird eine solche Geschichte erzählt über den König Hiskia. Hiskia wird schwer krank.

Da kommt der Prophet Jesaja zu ihm und richtet ihm knallhart, ohne Umschweife aus: Gott sagt: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben.“

Ordne deine Angelegenheiten, mache dich bereit für den Tod, denn du wirst sterben. Was für eine Botschaft! Dafür ist Hiskia nicht bereit. Er kann es kaum fassen und einordnen. Es haut ihn um. Er hat sich doch aufrichtig bemüht um Jerusalem, auch um Gerechtigkeit und Frieden. Er sorgt für sein Volk. Er hat sich in seinem Königreich Respekt und Ansehen verschafft. Und er ist ein frommer Mann und tritt auch vor anderen für seinen Glauben ein. Wie kann es sein, dass es ihn jetzt so trifft? Dass sich Gott gegen ihn stellt? So versteht er es.

Er geht auf die Knie. Er betet, er bittet, er weint und er ringt mit Gott. Und tatsächlich erhält er eine neue Botschaft. Ein Aufschub, 15 weitere Jahre werden ihm geschenkt.

Hiskia war nicht bereit - nicht vorbereitet auf den Abschied vom Leben. Er bekommt eine zweite Chance. Aber dieses Glück hat nicht jeder. Ich habe mich deshalb auch persönlich gefragt: Wäre ich bereit für diese letzte Reise? Was möchte ich noch ordnen und was muss ich loslassen, dass ich wirklich bereit bin? Bereit auch vor Gott zu treten.

Als es mit Corona im letzten Jahr losging, als die schrecklichen Bilder aus Wuhan und aus Bergamo im Fernsehen gezeigt wurden, da ist mir zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, wie schnell es richtig ernst werden kann. So gerne ich lebe, so sehr ich am Leben und an meinen Lieben hänge und mich am Leben jeden Tag neu freue, will ich das nicht verdrängen.

Bist Du wirklich bereit, habe ich mich gefragt. Oder musst Du noch etwas regeln für den Ernstfall? Ich bin dann die kleinen und mühsamen, aber so wichtigen Dinge angegangen. Eine einfache Patientenverfügung, ein einfaches Testament, damit im Fall der Fälle meine Frau handlungsfähig bleibt und mein Wille schriftlich und eindeutig vorliegt.

Ich habe meine Angelegenheiten geregelt. Mein Haus ist bestellt. Scheinbar ist jetzt alles perfekt vorbereitet. Trotzdem fühlt es sich nicht so an.

Und in der Geschichte mit dem kranken König Hiskia geht es ja nicht nur um die Aufforderung: Bestelle dein Haus, bringe alles in Ordnung, bevor es zu spät ist!

Es geht auch um sein Verhältnis zu Gott. Hiskia merkt, dass er das ja gar nicht schaffen kann: alles in Ordnung bringen. Er hat in seinem Leben Fehler gemacht, die falschen Entscheidungen getroffen. Das alles wieder einfangen - für einen Menschen unmöglich, auch in 15 Jahren nicht. Aber Hiskia weiß: Gott steht ihm bei. Das lese ich auch in dem Loblied, das König Hiskia zugeschrieben wird. Da heißt es (Jesaja 38,17): „Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.“ Mit Gott kann Hiskia es schaffen. Mit Gott an seiner Seite packt er die 15 Jahre an, die jetzt vor ihm liegen. Gott macht ihn bereit, dass alte zurück zu lassen und in die Zukunft zu gehen.

Die Hoffnung auf die Zukunft ist mir wichtig, gerade jetzt, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger und auch die Gedanken tiefer werden. Ich will mich mit dem Licht beschäftigen, mit der Hoffnung, damit ich bereit bin.
Gott gibt mir Hoffnung für meine Zukunft. Und Gott geht mit mir noch weiter, weil es so viele klare Zusagen und so viel Hoffnung auch über dieses Leben hinaus gibt. Das höre ich in der Zusage von Jesus (Johannes 11,25). Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben auch wenn er stirbt.“

Ob ich bereit bin für diese Reise, hängt also an Jesus und meinem Glauben an ihn, meinem Glauben an Gott. Wer also nicht nur sein Haus bestellt, die kleinen und großen Dinge regelt, sondern sich auch mit Gott auseinandersetzt, der kann hoffnungsvoll leben und ist bereit.

Ich verstehe das so: Gott selbst kümmert sich um mich. Und er macht mich auch bereit für diese letzte Reise. Ich wünsche Ihnen von Herzen diesen Glauben und einen gesegneten Sonntag.

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04JUL2021
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Was ist für Dich „zuhause“? Diese Frage habe ich übers Internet gestellt, auf Facebook und auf Instagram. Übers Handy oder den Computer haben viele Menschen diese Frage gelesen. Sie konnten dazu auch ein schönes Bild von unserer Terrasse am Abend sehen. Was ist für Dich „zuhause“?

Eine anregende Frage, und ich war erstaunt, wie viele Menschen mir geantwortet haben.

 

Eine Frau schrieb: „Ich fühle mich in den Weinbergen zuhause. Da habe ich schon als Kind viel Zeit verbracht und auch mitgeholfen“. Das kann ich gut verstehen: sonnige Hänge mit einem weiten Ausblick, die bunten Farben, die süßen Trauben und all die schönen Erinnerungen aus Kindertagen. Schön, wenn Kinder sich zuhause geborgen fühlen und umsorgt.

Ein Mann antwortete. „Zuhause ist für mich da, wo ich meine Füße auf den Tisch legen kann.“ Stimmt - das kann man sich wirklich nur da erlauben, wo man selber zu Hause und Herr im eigenen Haus ist. Das braucht glaube ich jeder, einen Ort, wo man sich entspannen kann und nicht von anderen bestimmt wird.

Wiederum eine Frau meinte: „Zuhause ist für mich kein fester Ort. Wir dürfen keine Wurzeln schlagen, aus beruflichen Gründen, aber irgendwie liebe ich die Gegend, wo wir jetzt wohnen und auch die Menschen hier.“ Die Menschen machen einen Ort also erst zur Heimat. Sie sind es, die der Gegend eine Seele geben. Diese Frau fühlt sich zuhause, denn hier weiß sie: Ich bin hier willkommen. Die Leute nehmen mich an.

Für mich ist aus diesen Gründen auch der Glaube ein Zuhause. Zu wissen, ich bin angenommen, wie ich bin. Ich brauche mich nicht zu verstellen. Ich kann denken und aussprechen, was mich bewegt. Auch mal klagen oder weinen. Gott hört geduldig zu und hilft, wenn ich alleine nicht mehr weiterkomme. Hier kann ich entspannen, die Füße auf den Tisch legen, sozusagen. Und wenn es doch einmal knirscht und nicht alles rund läuft, dann kann ich mich darauf verlassen: Gott sorgt wie Vater und Mutter für mein zuhause. Seine Tür steht offen für mich - immer.

Was ist für Dich „zuhause“, habe ich gefragt. Für mich auf jeden Fall auch der Glaube. Da bin ich angenommen, so wie ich bin. Ich bin frei von jedem Druck. Und ich bin geborgen und umsorgt. Da muss ich niemals ausziehen.

 

Teil 2:

 

Dass der Glaube ein Zuhause werden kann, darüber habe ich eben in den SWR4 Sonntagsgedanken gesprochen.

Nikolai Opifanti, ein junger Pfarrkollege, hat einen ähnlichen Gedanken noch einen Schritt weitergedacht. Auch er hat ein schönes Foto ins Internet gestellt, über das ich am Computer gestolpert bin. Da war ein kleines, aber feines und sehr gemütliches Hotel zu sehen. So wünsche er sich die Kirche in dieser Zeit, schrieb er darunter.

Also keine große Kathedrale, auch keine kleine Dorfkirche, sondern etwas zum Erholen und Entspannen von all der Angespanntheit und Nervosität in dieser Zeit.

Vor lauter Sorgen und offenen Fragen fühlt man sich manchmal wie ein Fremder im eigenen Leben - Heimatlos. Wie schön ist da Ein Ort, an dem man willkommen ist und freundlich umsorgt wird. Wo man hinsitzen kann. Wo man nicht einsam bleibt oder abseits sitzen muss. Wo man mit Freunden, einen Kaffee oder Tee trinken oder ein Essen genießen kann. Und es wie zuhause ist. So müsste doch Kirche sein, wie ein kleines, feines Hotel oder wie eine gemütliche, familiäre Pension, wo man seelisch und geistlich auftanken kann. Das ist für mich ein schönes Bild.

Öffnen wir doch die Türen! Schaffen wir in diesen Zeiten des Umbruchs miteinander ein Zuhause. Herzliche Einladung ins kleine und feine Hotel „Kirche“: ein Ort  an dem spürbar wird, wie freundlich Gott ist. Dabei vertrauen wir Gott, dass er uns hilft, dass es gelingt, füreinander da zu sein. Jesus hat es vorgemacht und den Frauen und Männern damals an seiner Seite das Gefühl von Heimat gegeben. Wir helfen einander, in diesem Geist, dass jeder sich zuhause fühlt und sich angenommen erlebt.

Die Idee von Kirche als einer gemütlichen Pension sehe ich nicht nur als Bild oder Ideal, sondern vor allem als Ermutigung, es einfach so zu wagen. Und erste kleine Schritte in diese Richtung zu tun.

Ich knipse die Leuchtreklame über dem Hoteleingang an, z.B., wenn ich einfach mal bei jemandem anrufe, der sich darüber freuen würde. Oder einer anderen Person einen kleinen Gruß vorbeibringe, vielleicht mit einem Segenswort oder einem Mutmachwort der Bibel. So oder auch anders: Öffnen wir die Türen des Hotels „Kirche“. Hier ist jeder und jede willkommen. Hier darf man auftanken. Niemand bleibt allein mit seinen Sorgen, denn hier findet jeder ein offenes Ohr und einen Mitmenschen, der hinhört, wo andere der Lebensschuh drückt oder ihr Zuhause gerade kein Zuhause mehr ist.

So möchte ich meinen Glauben an Jesus leben. Für und mit anderen. Sie vielleicht auch? Wagen wir es doch einfach.

Behüte Sie Gott! Und einen gesegneten Sonntag.

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03JAN2021
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Ein Gedanke hat mich durch die ganze Weihnachtszeit begleitet und auch jetzt in das neue Jahr hinein. Es ist ein Gedanke von Martin Luther King. Er hat ihn in einer mutmachenden Rede verwendet. Er hat gesagt - mitten in eine ganz andere Krise hinein: Nur wenn es dunkel genug ist, sieht man die Sterne.

Wer einmal in einer klaren Nacht in den Bergen war, oder sonst fernab von der Lichtverschmutzung unserer Städte und Ortschaften, kann das sicher sehr gut verstehen: Nur wenn es dunkel genug ist, sieht man die Sterne.

Wie geht es Ihnen in dieser dunklen Jahreszeit? Welche Sterne haben Sie neu gesehen? Der Ausgang des letzten Jahres, ohne großen und lauten Weihnachtstrubel, ohne Feuerwerk und Kracher hat vielleicht manches neu aufleuchten lassen. Welches Licht hat sie in diesen Tagen erfreut?

Ein gutes Gespräch, auch wenn es nur übers Telefon war? Das Gesicht neben Ihnen, für das sonst im Alltag kaum Zeit bleibt? Ein Gedanke, ein Wunsch, ein Eindruck, der Ihnen persönlich wichtig wurde?

Von Gott heißt es in der Bibel, dass er uns nicht lautstark begegnet, sondern wie ein leises Säuseln, von Jesus heißt es, dass er wie ein Licht in die Finsternis unserer Welt und die Dunkelheit unseres Lebens kommt.

Vielleicht birgt diese besondere Zeit ganz neu die Chance, Gott zu erkennen. Vielleicht kann man Gott neu wahrnehmen, weil man ein bisschen mehr Zeit und Ruhe für diese wichtige Lebensfrage hat. Vielleicht kann man so das neue Jahr geborgen im Glauben und Vertrauen auf Jesus beginnen.

Ich merke, wie ich mehr Zeit zum Beten finde, für das Aussprechen meiner Gedanken und Sorgen, aber auch für das Hinhören, was Gott mir zeigen und sagen möchte.
Und schon wieder klingt dieser Gedanke bei mir an: Nur wenn es dunkel genug ist, sieht man die Sterne.

Sieht man wie weit der Himmel ist, wie groß das Wunder der Natur. Wie viel größer und mächtiger ist dann wohl Gott? Gott, der diesen Himmel geschaffen, aber mitten unter uns gelebt hat. Der wildfremde Menschen an seiner Krippe zusammengeführt hat. Sogar weise Sterndeuter aus dem Osten, die den Himmel nach einem Zeichen Gottes abgesucht haben, sind einem Stern gefolgt. Von ihnen heißt es in der Bibel:

Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her, bis er schließlich über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war. Als sie den Stern sahen, waren sie überglücklich. Sie gingen in das Haus und fanden dort das Kind und seine Mutter Maria. Da warfen sie sich vor ihm nieder und erwiesen ihm Ehre. (Matthäus 2,9-11)
„Nur wenn es dunkel genug ist, sieht man die Sterne“, das hat schon Martin Luther King gesagt.

Noch ist es dunkel, noch sehen wir nicht weit. Für die meisten von uns gab und gibt es tatsächlich viele Einschränkungen, zwar weniger als in anderen Ländern, aber teilweise mit einschneidenden Folgen. Man darf sich nicht mehr so frei besuchen, wie man es gerne getan hätte und es gewohnt ist. Das Reisen wurde eingeschränkt. Große Feiern, aber auch Weihnachtsmärkte, Konzerte und vielerorts sogar die Gottesdienste mussten abgesagt werden. Bei geschlossenen Läden war auch das Einkaufen von Geschenken sehr eingeschränkt. Eine neue Erfahrung. Mich hat interessiert, wie es jüngeren Menschen damit geht.

Die Antwort meines Schwiegersohnes hat mich erstaunt. Er nimmt das Ganze sehr positiv. Er hat mir gesagt: Ja, das mit der Krankheit ist eine harte und fürchterliche Realität, und es ist unabsehbar, was es für viele bedeutet. Aber ich versuche gerade für mich und für meine junge Familie das andere festzuhalten: Mir hat diese Zeit viel Positives gebracht. Jetzt ist alles nicht mehr so überdreht. Es bleibt viel mehr Zeit mit unserem kleinen Kind. Das ist auch anstrengend, aber sehr schön zugleich. Ich musste meine Arbeit umstellen, vieles sogar komplett verändern. Besprechungen, Geschäftsreisen, Absprachen, Büropräsenzen – vieles ist weggefallen. Für uns ist vieles besser geworden. Ohne die Bedrohung durch die Pandemie wäre es aber nie so gekommen. Längst fällige Umstellungen wurden dadurch enorm beschleunigt.

Und ich höre wieder: Nur wenn es dunkel genug ist, sieht man die Sterne. Nur dann orientiert man sich neu, geht man neue Wege. Ich hoffe sehr, dass auch die Menschen neue Wege finden, die diese Pandemie mehr als andere belastet. Die sich jetzt Sorgen machen müssen um ihr Geschäft, die dem Risiko mehr ausgesetzt sind als andere. Ich hoffe, wir können auch denen beistehen, denen die Krankheit viel genommen hat.

Ich will mich deshalb in diesen dunklen Zeiten noch mehr an Jesus orientieren.  Er hat gezeigt, wie man denen helfen und beistehen kann, die im Dunkeln stehen und kein Licht sehen können. Er ist das Licht der Welt. Und ganz gewiss gilt auch im neuen Jahr:
Nur wenn es dunkel genug ist, sieht man die Sterne.

Und so wünsche ich auch Ihnen einen gesegneten Sonntag mit glitzernden Hoffnungssternen. Behüte Sie Gott.

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19JUL2020
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Enorm viel hat sich verändert in den letzten Wochen und Monaten. Das verunsichert mich. Das fängt schon bei ganz alltäglichen Dingen an. Zum Beispiel bei der einfachen Frage: „Wie geht es Dir?“ Oder „Wie geht es Ihnen?“ Die normale Antwort lautet dann ja: „Gut, und Ihnen?“

Jetzt ist das anders. Nicht wenige stutzen erst einmal, sie atmen durch und zögern kurz, bevor sie antworten. Oder sie sagen: „Eigentlich geht es mir gut.“ Sie fangen dann an aufzuzählen, was tatsächlich gut läuft, aber auch das, was nicht mehr so klar ist.

Singen im Chor, Sport in der Halle: Das geht seit Monaten nicht mehr. Und mal ehrlich: Einkaufen macht mir nicht mehr den gleichen Spaß  wie vor Corona. Auswärts essen gehen oder in einen Gottesdienst mit Sitzabständen und Maske auch nicht wirklich. Und ich spüre auch bei anderen diese Verunsicherung und dieses schale Gefühl. Gerade dann, wenn man sich eigentlich entspannt zurücklehnen will. Verunsicherung. Weil es eben anders geworden ist.

Den meisten geht es trotz Krise noch einigermaßen gut. Aber wer weiß denn, wie es wirklich weitergeht? Bei manchen Firmen sind die Aufträge bis Jahresende zum Großteil weggebrochen. Erreichen unsere Schulen unter diesen Bedingungen wirklich noch alle Schülerinnen und Schüler gleich gut? Manche sind digital ungeschickter oder schlechter ausgestattet. Wer achtet auf sie und begleitet sie?

Verunsicherung. Auch im Bereich der Gefühle und Befindlichkeiten.
Manche werden richtig aggressiv, weil sie sich eingeengt, in ihrer Freiheit beschränkt erleben, anderen verlieren ihren Lebensmut, ihre Freunde, weil ihre Kontakte bewusst oder ungewollt in den letzten Wochen deutlich abgenommen haben.

Mich erinnert das an die Gedanken eines Mannes in der Bibel, der betet (Psalm 73): „Beinahe hätte ich den Boden unter den Füßen verloren.“ Dann zählt er auf, was ihn alles verunsichert hat, wie er diese ganze Entwicklungen und auch Gott nicht mehr verstehen konnte. Aber je mehr er sich das alles vor Augen führt und benennt, da wird ihm klar, was er womöglich davor schon zu wenig beachtet hat. Was waren denn die Sicherheiten, der feste Boden auf dem er davor gestanden hat? War das alles wirklich so tragfähig, so zukunftsfähig, wie er gedacht hatte?

Was gibt wirklich Halt?
Ich kann für mich mitsprechen, was dieser Mann dann gebetet hat: Ich gehöre zu dir, Gott, du hältst meine rechte Hand. Ich halte mich an dich, und setze meine Hoffnung auf dich, den allmächtigen Herrn.

Das hat mir gerade auch ein Mann erzählt, der unsicher war bei einer Entscheidung. Er hat dann angefangen zu beten. Beten ist ja im übertragenen Sinne, die Hand Gottes ergreifen. Der Mann hat dann weitererzählt: „Es war eigenartig. Plötzlich hat Gott mich auf etwas anderes gestoßen, das ich vorher nicht gesehen habe. Und trotz der Verunsicherung zu Beginn, gingen jetzt plötzlich die nötigen Türen auf und ich habe einen viel besseren Weg gefunden.“

Viele erleben gerade, beruflich oder privat, das sich manches nicht mehr wie geplant verwirklichen lässt. Auch nicht absehbar. Mir ging es so mit einem neuen Aufgabenfeld. Das hat sich verzögert und verzögert. Und jetzt? Ist es überhaupt noch dran? Viele Fragen stellen sich ganz neu wegen Corona. Wird vielleicht jetzt etwas ganz anderes gebraucht? Werde ich jetzt ganz anders gebraucht? Ich will nicht nur stur einen festgetrampelten Pfad weitergehen, sondern auch aufmerksam sein, ob Gott mir nicht etwas ganz anderes zeigen will.

Es ist ja kein Wunder, dass viele im Moment durch Corona und die Begleitumstände verunsichert sind. Wenn echte Bedrohungen der Gesundheit und der Existenz auftauchen, wenn man sogar selbst zur Gefahr für andere werden könnte. Wenn die Umstände sich so stark verändern, wenn man sich nicht einfach auf Erfahrungen stützen kann, wenn man erzwungenermaßen neue Wege gehen muss. Dann rüttelt das jeden durch.

Umso wichtiger ist es, meine ich, auf Gottes Zusagen und seine Möglichkeiten zu vertrauen. Beten ist da eine gute Möglichkeit. Und wer nicht beten kann? Der kann mit anderen reden. Vielleicht beten die dann für ihn. Und es findet sich ein neuer Weg.

In der Bibel lese ich von Paulus. Nach einer schweren Lebenskrise hat er einen ganz neuen Halt und Lebensinhalt gefunden. Paulus zählt im Römerbrief (Kapitel 8) auf, was Menschen verunsichert. Er nennt die Sorgen und Bedrohungen beim Namen. Aber dann zieht er eine Art Schlussstrich darunter. Aus eigener Erfahrung. „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ (Römer 8,35), fragt er. Es gibt doch nichts, was größer und mächtiger ist als Gott. Christus steht mir bei in der Gefahr, sogar bis in den Tod hinein. Aus reiner Liebe. Er hält mich fest. Er lässt niemanden fallen.“

In dieser Gewissheit, dass Gott auch Sie festhält, wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag.

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26JAN2020
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Vielleicht kennen Sie das auch. Manchmal braucht es einen Schubser von Gott. Vielleicht sogar einen Engel, dass Menschen zueinander finden und dann oft auch zum Glauben. Eine biblische Geschichte erzählt davon.

Sie handelt von einem Mann, der in einer großen Spannung lebte. Er war Soldat der römischen Besatzungsmacht in Israel. Er genoss zwar einen guten Ruf, weil er fair blieb, aber so ganz dazu gehören, das würde er wohl nie. Vor allem nicht in religiöser Hinsicht. Dabei lag dort sogar sein Hauptinteresse. Er suchte nach Gott, meinte gerade hier an der richtigen Adresse zu sein und gab sich alle Mühe. Er spendete viel für Bedürftige, er setzte sich für die ganze Gemeinde ein und betete täglich. Aber er blieb nun mal ein Ungläubiger in den Augen der Einheimischen. Und das schloss ihn aus, egal wie ernst er es meinte.

Aber wo Menschen nur die Unterschiede wahrnehmen und Grenzen ziehen, da hat Gott offenbar eine ganz andere Sicht. In unserer Geschichte jedenfalls war es so. Ich fasse es ganz kurz zusammen.

Es passierte ein kleines Wunder. Mitten im Gebet erschien dem gestandenen Soldaten Cornelius ein Mensch in leuchtenden, glänzenden Kleidern, ein Bote Gottes, ein Engel. Dieser beauftragte den Hauptmann Cornelius, er solle Petrus herholen lassen. Cornelius kannte Petrus nicht, aber der Engel sagte ihm auch, wo er ihn finden würde. Sofort schickte nun Cornelius seinen Boten los zu Petrus. Außerdem versammelte er seine ganze Familie und auch viele Freunde bei sich und wartete, was nun geschehen würde.

Zur gleichen Zeit hatte auch Petrus eine Erscheinung. Gott machte dem früheren Jünger von Jesus auf sehr drastische Weise deutlich, dass kein Mensch unrein genannt werden darf. Kein Mensch soll ausgeschlossen sein. Gott wendet sich jedem zu, jeder soll sich darauf verlassen.

Kaum hat Petrus sich von dieser Erscheinung erholt, kommt der Bote von Cornelius an und will ihn abholen. Eigentlich dürfte Petrus ja nicht mitgehen: zu einem Unreinen! Aber auf einmal begreift er seinen Traum: Kein Mensch ist für Gott unrein! Ohne Zögern geht er mit und erzählt dann dem römischen Hauptmann und allen dort Versammelten, was er mit Jesus erlebt und was Jesus getan hat. Auch dass wirklich jeder Mensch auf Gott vertrauen darf. Gott sieht nicht die Person an. Er macht keinen Unterschied. Jeder und jede wird von ihm voll und ganz angenommen, darf zu Gott gehören, hier im Leben und auch danach.

Sowohl bei Cornelius als auch bei Petrus war ein Schubser Gottes nötig. Nur so haben damals Menschen zu Gott und zueinander gefunden. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass Gott auch heute Menschen anstößt oder ihnen manchmal einen kleinen Schubs gibt. So kann dann Glaube und Vertrauen zu Gott wachsen. Dann geschieht Heilsames und im tiefsten Sinne Erfreuliches in einem Leben.

Vielleicht hat es das ja in Ihrem Leben auch schon einmal gegeben. Ein besonderes Erlebnis mit Gott oder einen sanften Schubs, der Ihr Leben voran gebracht hat. Einen Anstoß, der ihr Vertrauen gestärkt und sie mit Menschen zusammen geführt hat, die Ihnen gut getan haben. Oder denen Sie gut tun konnten.

Es passieren ja manchmal Dinge, die kann man zuerst nicht so richtig verstehen. Aber dann hat man plötzlich den Eindruck, das kam von Gott oder es musste so kommen, damit mir etwas Wichtiges für mein Leben nicht entgeht. Es war Gott, der meine Vorurteile oder Bedenken überwunden hat, der mich in Verbindung zu Menschen gebracht hat, wie ich es nie gedacht hätte. Auch Schubser, die mich daran erinnern, den solltest Du mal besuchen. Oder diese Frau solltest Du mal ansprechen oder einer anderen Person mal richtig und mit genügend Zeit zuhören. Vielleicht sehe ich dann anders und neu was um mich herum vorgeht.

Vielleicht gab es aber auch einen sehr starken Schubs Gottes in Ihrem Leben, der Sie schmerzhaft aufhorchen ließ. Manche Krankheit, manche Enttäuschung war im Nachhinein so ein Fingerzeig Gottes.

Lassen Sie das alles nicht wieder leichtfertig verfliegen. Man vergisst ja so schnell auch wirklich Wichtiges, wenn die Tage völlig überfüllt sind.

Dabei ist es so wichtig, über das eigene Leben und die Beziehung zu Gott nachzudenken. Beten ist oft der erste und sehr hilfreiche Schritt, so wie der Hauptmann Cornelius sich täglich im Gebet an Gott gewandt hat. Dann war irgendwann die Antwort da und Petrus konnte hm weiterhelfen. Vielleicht haben Sie aber auch schon längst jemanden im Blick, mit dem Sie gerne einmal über bestimmte Dinge sprechen möchten. Sie getrauen es sich aber nicht. Als Cornelius und Petrus damals erfasst haben, dass Gott sie angestupst hat, da haben sie sofort alles Mögliche unternommen.

Und das Wichtigste in dieser Geschichte: Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Da ist Cornelius so wichtig wie Petrus. Da sind auch Sie Gott so wichtig wie diese beiden Männer. Egal welche Voraussetzungen Sie haben oder nicht zu haben glauben. Das hat auch Jesus immer gesagt und sehr deutlich gezeigt.

Gott hat jeden Menschen im Blick, mit großem Interesse, mit unerschütterlicher Liebe. Er kennt mich, auch meine Ängste und Sorgen, meine Vorbehalte und meine Unsicherheit. Er weiß, was ich jetzt gerade brauche.

Manchmal schickt Gott auch sehr menschliche Engel, ohne leuchtend glänzende Gewänder. Aber im richtigen Moment oder mit einem Wort, das gut tut, das mich freut, das mir Vertrauen und neuen Glauben schenkt. Mich und andere weiterbringt.

Deshalb wünsche ich Ihnen, dass Gott sie immer wieder anstupst und Ihnen Vertrauen und Lebensfreude schenkt und für heute: einen gesegneten Sonntag.

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Haben Sie schon einmal eine Hiobsbotschaft erhalten? Eine schreckliche Mitteilung, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Eine echte Hiobsbotschaft.

Der Ausdruck Hiobsbotschaft kommt vom biblischen Hiob, einem sehr frommen und ursprünglich auch sehr wohlhabenden Mann. Hintereinander wurden ihm von seinen Mitarbeitern mehrere schreckliche Nachrichten überbracht. Hiobsbotschaften eben. Sozusagen über Nacht hatte Hiob seinen ganzen  Besitz, sein ganzes Vermögen verloren. Und dann musste er auch noch hören, dass seine Kinder umgekommen sind. Darauf – eigentlich kein Wunder – wurde Hiob schwer krank. Das war nicht mehr auszuhalten.

Seine Frau hat ihn gefragt: Wie kannst Du jetzt noch an Gott glauben. Aber Hiob hat geantwortet: Der Allmächtige selbst hat mich erschüttert. Das war nicht irgendein Zufall. An Gott geht nichts vorbei, was geschieht. Ihm will ich meine Not klagen.

Menschen reagieren ja sehr unterschiedlich auf schlimme Nachrichten. Manche ziehen sich komplett in sich zurück und verbittern still. Wollen von nichts mehr etwas wissen. Andere hadern laut und offen mit ihrem Schicksal und brechen mit allem, was ihnen bisher wichtig und heilig war. Mit ihren Mitmenschen und mit Gott. Wieder andere gehen in sich. Sie suchen ganz neu nach Gott. Sie klagen ihm ihre Not – wie Hiob. Sie möchten irgendeine Antwort, irgendeinen Sinn oder Ausweg in ihrem Schicksal erkennen.

Wer selbst schon einmal so erschüttert wurde, kann solche Verhaltensweisen sehr gut verstehen. Oft schwankt man sogar von der einen zur anderen Haltung.

Warum ich? Warum jetzt? Und wieso?

Eine ältere Frau hat mir einmal gesagt: „Ich verstehe das nicht. Wie kann es sein. Ich habe doch immer anständig gelebt und auf meine Gesundheit geachtet?“ Aber es gibt keine Garantie für ein gutes Leben. Nirgendwo. Leid, Verlust und Krankheit nehmen niemanden aus. Sie sind ein fester Teil des menschlichen Lebens.

Im biblischen Buch Hiob werden unterschiedliche Haltungen zum Unglück und zum Leid in dieser Welt angesprochen. Da hört man die kritischen Stimmen, die sagen, wie kannst Du jetzt noch an Gott festhalten. Aber man liest auch von Hiobs Freunden, die den Kranken besuchen, die mit ihm sprechen, mit ihm schweigen, die das Unaussprechliche aushalten, die mit dem Betroffenen leiden. Die ihn auf der Suche nach dem Sinn und nach Gott begleiten wollen.

Und über Hiob kann man nur staunen. Er ist verzweifelt, er klagt laut, aber in aller Verzweiflung gibt er seine Hoffnung, gibt er Gott nicht auf. Wenn man dieser Spur folgt, erkennt man, wie etwas Größeres, Wichtigeres heranwächst. Ein Glaube übers Leben hinaus.

Ich weiß, dass viele andere auch große Lasten oder schreckliche Verluste ertragen müssen. Wieder andere gehen mit Menschen um, die unter solchen Verlusten oder gesundheitlichen Lasten leiden. Womöglich kennen Sie das auch.

Da kann man nichts schön reden. Die Sache nicht einfach lösen. Man muss jeden einzelnen Tag erst einmal durchstehen und damit leben.

Da kann die Geschichte von Hiob helfen, die keinen Helden vorführt, sondern einen vom Leid Geplagten. Die keinen glücklichen, sondern einen verzweifelt suchenden und mit seinem Schicksal und mit Gott ringenden Menschen beschreibt. Aber sie schildert auch einen Menschen, der Entdeckungen macht, der zu Einsichten kommt, zu denen man in sonnigen Zeiten nicht so leicht gelangt.

Eine davon ist, wie wichtig Freunde sind, selbst dann, wenn Gespräche hart und schmerzhaft werden. Das Zuhören, das Mitleiden, das gemeinsame Aushalten hat allen letztlich doch geholfen und viele wichtige Gedanken und Erkenntnisse reifen lassen. Auch einen neuen Blick auf das Leben und auf Gott haben sie bekommen. Das geht einher mit der Einsicht, dass Gott nicht einfach so verfügbar ist, aber dass er jeden einzelnen Menschen immer im Blick behält. Man kann von Gott nichts erzwingen – wer sind wir denn ihm gegenüber –, aber man kann ihm alles vertrauensvoll klagen. Denn Gott hört und schaut hin. Leid und Schmerzen gehören zu dieser Welt, leider. Hiob hat das für sich erkannt. Und im Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus sehe ich das auch. Von Jesus lerne ich: Gott ist größer, als ich mir das vorstellen kann. Wo mein Denken und Glauben zu Ende ist, da kann doch neues Leben beginnen.

Es mag im ersten Moment billig klingen, aber Hiob ist durch das Unglück und in diesen Gesprächen zusammen mit seinen Freunden und seiner Frau wirklich gereift. Sie haben begriffen wie labil und verletzlich das Leben ist. Dass man Gott nicht einfach so fassen und begreifen kann, aber dass Gott keinen loslässt – auch nicht im Leid oder im Schmerz.

Das wünsche ich allen, denen es gerade wie Hiob geht. Dass die langen und schwierigen Nächte, die schmerzvollen Tage, sogar die Verzweiflung, die wie ein schwarzer Tunnel die Sicht versperrt, bald enden. Und dass sie zu Erfahrungen werden, die einen größeren und weiteren Blick reifen lassen. Und ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen für diesen Sonntag.

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Das kennen Sie vielleicht auch. Da gibt es plötzlich Schwierigkeiten, eine Aufgabe, die einem über den Kopf wächst oder ein Kollege, der einem so zusetzt, dass man einfach nicht mehr kann. Plötzlich ist alle Sicherheit weg. Schaffe ich meine Aufgaben überhaupt noch? Oder gehe ich unter? So etwas haben auch die Jünger von Jesus mal erlebt. Die Bibel erzählt das so (Mk 4, 35ff):

 

Nach einem langen anstrengenden Tag stiegen sie in ein Boot. Sie waren müde und erschöpft, aber es soll ja auch nur eine kurze Überfahrt zur nächsten Stadt am anderen Ufer des Sees Genezareth werden. Keine große Sache. Auch für die anderen Boote, die sie begleiteten. Einige Jünger waren Fischer, also gut vertraut mit dem See. Doch dann kam alles anders. Ein Sturm zog auf mit bösen Fallwinden vom nahen Bergland. Wind und Wasser peitschten ihnen ins Gesicht, die Wellen und die Gischt gingen hoch und schließlich auch in die Boote. Sie waren dem Wetter ausgeliefert und wussten sich nicht mehr zu helfen.

Der Wind bläst einem kalt ins Gesicht, das Boot läuft voll Wasser und man hat nichts dagegen zu setzen. Nirgends ist Hilfe in Sicht. Nicht nur bei der Arbeit kann man so etwas erleben, das passiert leider auch privat. Es knallt mit den erwachsenen Kindern, mit dem Partner oder mit Freunden. Man findet nicht mehr zueinander. Aus der kalten Brise wird ein Sturm, ein Unwetter. Alles wird plötzlich falsch verstanden und immer noch schlimmer. Unerträglich. Das Wasser steht hoch im Boot. Wer kann da noch helfen? So gesehen kennt jeder den Sturm auf dem See. Was aber haben die Jünger gemacht, als sie nicht mehr weiter wussten?

Sie haben Jesus gesucht, an den sie in dieser Lage zuerst gar nicht gedacht hatten. Sie hatten ja alle Hände voll zu tun. Aber Jesus schlief. Er lag einfach so da in einem geschützten Winkel des Bootes. Vielleicht noch erschöpfter als sie – wegen der vielen Menschen und Gespräche. Sie konnten es nicht fassen. Sie schüttelten ihn und weckten ihn auf. Dann fragten sie ihn: „Kümmert es dich nicht, dass wir hier umkommen?“

Ich höre da Unverständnis, Wut und Verzweiflung. Merkst Du denn gar nichts? Du lieber Gott! Warum greifst Du nicht ein? Es ist fast wie ein Gebet. Auch das kennen viele. Wenn gar nichts mehr hilft… dann ein Stoßgebet, oft ebenso verzweifelt, so wütend, wie die Jünger. Weil man einfach nicht mehr weiter weiß.

Jesus aber stand auf, bedrohte den Wind und sprach in das tosende Wasser hinein: „Schweig und verstumme!“ Da legte sich der Wind und es breitete sich eine große Stille aus. Gott hatte eingegriffen. Wenn ich die Umstände nicht mehr ändern kann und mit meiner Kraft am Ende bin, dann kann er immer noch alles wenden. Mit seinen unfassbaren Möglichkeiten.

Aber damit ist die Geschichte ja noch nicht zu Ende. Sie beginnt jetzt erst richtig. Eine große Stille hatte sich ausgebreitet, als der Sturm sich gelegt hat, heißt es in der Bibel. Jesus aber schaute nun hin zu den Jüngern und fragt: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

Na ja, ist es denn nicht normal, dass man sich fürchtet, wenn man gerade noch mit beiden Händen Wasser aus dem Boot schöpfen musste, wenn einer der Kollegen noch mühsam das Steuer festgehalten hat und jeder Einzelne gleichzeitig aufpassen musste bei der nächsten Welle nicht über Bord zu gehen? Und ist es nicht genauso normal, dass man zuerst einmal alle seine eigenen Möglichkeiten auslotet, bis man nach Gott ruft. Selbst ist der Mann oder die Frau heißt es doch so schön.

Aber genau das sieht Jesus anders. Er ist ja mitten in das Leben seiner Mitmenschen hineingetreten, um ihnen auch dort Gott nahe zu bringen. Er hat keine Sonntagsreden gehalten, sondern ist ihnen im Alltag begegnet und hat ihnen beigestanden. Und das sogar in höchster Not. Es gehört ja zum Leben, dass der Wind einem immer wieder kräftig ins Gesicht bläst. Es gehört dazu, dass man manchmal ziemlich hilflos  und an die Grenzen der eigenen Kräfte stößt. Aber immer ist Gott da und nahe.

In dieser Geschichte und ihrer Frage finde ich eine Hilfestellung für die bedrohlichen Stürme meines Lebens. „Habt ihr noch keinen Glauben?“ Wie oft lasse ich mich tagtäglich ablenken von der wichtigsten Beziehung meines Lebens, von der zu Gott. Und sogar dann, wenn ich unter Druck gerate. Alles setze ich dann ein, was ich selbst aufzubieten habe und was vielleicht doch nicht hilft. Statt den liebenden und nahen Gott mit in den Blick zu nehmen, der einen Weg weiß. Er hat Möglichkeiten, die alles übersteigen, was ich aufbieten kann. Er kann in der Verzweiflung Hilfe und Geborgenheit schenken.

Das war den Jüngern damals noch fremd. Deshalb hat sie dann erst recht der Schrecken gepackt und sie haben sich untereinander gefragt: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?

Erst allmählich und durch weitere Herausforderungen haben sie gelernt, dass Gott, sich ganz dicht an ihre Seite stellt, gerade, wenn es schwierig wird. Dass er sie durch alle Stürme hindurchträgt, so wie ein liebender Vater sich um seine Kinder kümmert.
Deshalb: Egal, was Sie heute beschäftigt oder bestürmt. Ich wünsche Ihnen dieses tiefe Vertrauen, diesen Glauben und einen gesegneten Sonntag.

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