Zeige Beiträge 1 bis 10 von 1265 »
SWR3 Worte
Warum Schweigen wertvoll sein kann, habe ich im Roman „Offene See“ gelesen. Dort heißt es:
Schweigen ist wahrhaftig Gold. (…) Im Schweigen liegt Poesie, aber die meisten nehmen sich nicht die Muße, sie zu hören. Sie reden und reden und reden, aber sie sagen nichts, weil sie Angst davor haben, ihren eigenen Herzschlag zu hören.
Quelle
Benjamin Myers: Offene See, Dumont Verlag Köln 2020.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44511SWR3 Worte
Wird Glück größer, wenn es länger dauert? Darüber unterhalten sich die Romanfiguren Herr Wohllieb und seine Bekannte Sophie.
Herr Wohllieb hasst Supermärkte (…). Dennoch betritt er hin und wieder einen (…). Als er seinen Wagen durch die Reihen schiebt, verspricht (…) sein Joghurt (…) „50 Gramm Extraschlemmen“. Da stutzt Herr Wohllieb, denn bisher entsprach ein Becher Joghurt der idealen Nachtisch-Menge.
Vielleicht will ich ja gar nicht mehr, denkt Herr Wohllieb, weil mir dann schlecht wird. (…)
„Ja“, wendet Sophie ein, „aber stellen Sie sich vor, Sie erhielten plötzlich 40 Prozent mehr Leben. Das wäre doch nicht schlecht…“
„Woher wüsste ich denn, wie es gemeint ist? Bedeuten 40 Prozent, ich bekäme zu meinen statistischen 78 Jahren weitere 31 (…) dazu? Was wenn mich in diesen (…) Jahren ständig Zahnschmerzen quälten? Und selbst wenn alles weiterginge wie bisher – wer sagt denn, dass Glück größer wird, wenn es länger dauert?“
Quelle
Susanne Niemeyer: Herr Wohllieb sucht das Paradies, Herder Verlag Freiburg, 2017, S. 96
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44510SWR3 Worte
Ist es noch zeitgemäß, an Fronleichnam mit Prozessionen durch die Straßen der Städte zu ziehen? Der Kirchenhistoriker Bernhard Schneider hat folgende Antwort:
Eine Kirche, die sich versteckt (…), das ist für mich eine ziemlich traurige Form von Kirche. (…) Von daher (kann) ein solches Fest (…) ein Anlass sein, (…) nach draußen zu gehen und da (…) die Gemeinschaft (…) sichtbar nach außen zu zeigen in der Verbundenheit mit dem Glauben an (…) Jesus, der jetzt mitten unter uns ist.
Quelle
Interview in SWR2 „Zum Feiertag“ vom 19.06.2014: Wolfgang Drießen trifft Prof. Berhard Schneider. Online abrufbar unter https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=17759 (aufgerufen am 18.05.2026)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44509
SWR3 Worte
Die Sängerin Nina Hagen hat für sich erkannt:
Christin zu sein ist eine Lebensschule. Es gibt Leute in meinem Alter, die machen andere immer noch lautstark und cholerisch nieder, sie maßregeln und demütigen, und es ist furchtbar, mit anzusehen, wie Menschen anderen Menschen Angst einjagen. Dass ich so ein Mensch nicht mehr bin, verdanke ich meinem guten Ratgeber, der Bibel. Ich habe gelernt, Böses nicht mit Bösem, sondern immer nur mit Gutem zu beantworten.
Quelle
KNA-Meldung vom 04.12.2022
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44508SWR3 Worte
Der Jazzsänger Gregory Porter wurde gefragt, was für ihn der Sinn des Lebens ist. Er hat geantwortet:
Wir Menschen besitzen die Fähigkeit, etwas zu empfinden, und wir wollen mit diesen Empfindungen nicht alleine bleiben. Ich glaube daher, dass der Sinn des Lebens ist, dass wir lieben. Es hört sich vielleicht kitschig an, aber die Liebe steht für mich am Anfang und am Ende.
Quelle
Zeitschrift Galore Interviews, hg.v. Michael Lohrmann, Dialog GmbH Dortmund, Ausgabe 40 Galore (04/2020) S.68.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44507SWR3 Worte
Der Universalgelehrte Albert Schweitzer war Arzt, Musiker, Tierschützer und vor allem Menschenfreund. Er hat gesagt:
In keiner Weise dürfen wir uns dazu bewegen lassen, die Stimme der Menschlichkeit in uns zum Schweigen bringen zu wollen. Das Mitfühlen mit allen Geschöpfen ist es, was den Menschen erst wirklich zum Menschen macht.
Quelle
https://albert-schweitzer-stiftung.de/ueber-uns/das-sind-wir/albert-schweitzer/zitate#ehrfurcht (aufgerufen am 18.05.2026)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44506SWR3 Worte
Worauf man auf keinen Fall länger warten sollte, das weiß der Autor und Theologe Jan Frerichs. Er sagt:
Warte nicht darauf, dass die Dinge besser werden, denn das Leben wird immer kompliziert sein. Lerne, jetzt glücklich zu sein, sonst geht Dir die Zeit aus.
Quelle
https://www.barfuss-und-wild.de/seelenfutter-1902 (aufgerufen am 20.05.2026)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44505
Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Wieder mal was gelernt – und zwar als ich im Café einen Tee bestellt habe. Die Bedienung stellt ein kleines Tablett auf den Tisch: heißes Wasser, Teebeutel, Zucker und eine Sanduhr. Aha, hier geht´s nobel zu. Man kann mit der Sanduhr die Teestärke selbst dosieren. Erst auf den zweiten Blick bemerke ich, dass die Sanduhr ganz speziell ist. Sie läuft nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben – wie wenn die Schwerkraft ausgehebelt wäre. Die beiden Kolben der Sanduhr sind mit einer Flüssigkeit gefüllt. Im unteren sind zusätzlich winzige Plastik-Kügelchen, die an die Oberfläche blubbern, weil sie leichter als die Flüssigkeit sind und nach oben schwimmen.
Ich bin fasziniert von der Technik. Aber auch von der Idee, dass Zeit mal anders vergehen kann als normal. Nicht von oben nach unten – sondern eben andersrum. Urlaub ist für mich so eine Zeit. Und deshalb macht es mir nichts aus, wenn ich im Urlaub auf manche Annehmlichkeiten verzichten muss: zum Beispiel ohne Laptop, ohne meinen Lieblingssessel oder ohne Spül- und Waschmaschine auskommen zu müssen. Dafür habe ich Lust und Zeit für andere Dinge: vielleicht draußen schlafen, oder mal wieder auf eine Schaukel sitzen, seelenruhig alle Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten, Enten füttern, einen Regentag nur vor dem Fernseher verbringen oder im Bett. Mal wieder in einem Tante Emma Laden einkaufen oder neue Eissorten durchprobieren. Für mich macht das den Urlaub zu einer anderen Zeit, zu einer „Anderszeit“.
Anders zu sein als sonst – das hat meistens eine starke Wirkung. Es kann Grenzen verschieben und neue Horizonte eröffnen. Oder es kann zeigen, dass das Übliche, das Alltägliche doch nicht so schlecht ist, wie ich immer wieder mal vermute. Anders sein kann aber auch richtig erfrischen, es kann die Seele neu beleben, es kann mich ein bisschen verändern, manchmal sogar über den Urlaub hinaus. Schade, dass das Anders-sein oft nur für den Urlaub reserviert ist.
Udo Lindenberg hat in einem seiner Songs die wichtigste Textzeile dem österreichisch-ungarischen Autor Ödön von Horvath geklaut. Egal von wem, die Zeile trifft den Nagel auf den Kopf. Sie heißt: „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44234Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Ich kenne ein altes Ehepaar, das sich wunderbar ergänzt. Die Nachbarn sagen: „Sie der Kopf, er der Fuß.“ Wolfgang ist noch körperlich fit. Er macht lange Spaziergänge und arbeitet gerne in seiner Schreinerwerkstatt, die er sich im Keller eingerichtet hat. Leider ist er aber sehr vergesslich und manchmal schon etwas verwirrt. Bei Theresa ist es genau andersrum. Sie ist geistig noch voll da. Füllt Kreuzworträtsel und Sudokus aus, und sie diskutiert gerne mit ihrer Nachbarin über alles Mögliche, was sie in Zeitschriften liest. Aber sie kann sich nur noch mit ihrem Rollstuhl fortbewegen. Und das schränkt sie wahnsinnig ein.
Aber zusammen sind die beiden ein eingespieltes Team. Theresa macht die Kopfarbeit: sie organisiert die Einkaufsliste, ruft Behörden an, lädt Freunde ein, und sie denkt an alle wichtigen Geburtstage. Wolfgang erledigt die Fußarbeit: er geht mit Theresas Liste einkaufen, er deckt den Tisch und holt ihr Sachen aus dem Keller rauf. Und deshalb sagen die Nachbarn immer: „Die Theresa ist der Kopf, und der Wolfgang der Fuß.“
Ich weiß nicht, ob´s die Nachbarn wissen. Aber der Vergleich mit Kopf und Fuß ist ein uraltes Bild aus der Bibel. Der Apostel Paulus hat es benutzt. Er hat seine frisch gegründete Gemeinde in Korinth in einem Brief dazu ermahnt, dass sie eine Einheit bleiben, dass sie zusammenhalten sollen. Dort waren nämlich Streitigkeiten ausgebrochen. Die einen hatten das Geld, die anderen hatten das Sagen. Die einen stammten aus Israel, die anderen aus Griechenland. Und jeder meinte, was Besseres zu sein. Paulus verwendet einen Vergleich. Er schreibt: „Der menschliche Leib besteht aus vielen Gliedern. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. Im Gegenteil, gerade die schwächeren Glieder des Leibes sind unentbehrlich. Gott hat den Leib so zusammengefügt, dass alle Glieder füreinander sorgen.“
Ich muss immer wieder staunen, wie anschaulich Paulus schreibt. Klar, jeder soll das einbringen, was er gut kann. Und das in aller Bescheidenheit, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. Denn bei ganz vielen Dingen ist man wieder auf andere angewiesen.
Paulus hat seinen Vergleich für die christliche Urgemeinde in Korinth geschrieben. Aber ich finde, dieses Prinzip lässt sich genauso gut anwenden auf Schulklassen, Nachbarschaften, oder ganze Staatengemeinschaften: Die Stärken einbringen, und die Schwächen gemeinsam meistern. Und das Prinzip funktioniert natürlich auch im ganz Kleinen. So wie bei Theresa und Wolfgang: Sie der Kopf, er der Fuß.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44233Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Mit meinem Motorrad war ich am Ende der Welt, kein Scherz. Ich war auf Motorradtour quer durch Frankreich. Viele große und kleine Kurven und dazwischen auch mal schnurgerade Alleen entlang riesiger Getreidefelder. Der Vorteil solcher eintöniger Strecken: man kann sich etwas umschauen. Da vorne zum Beispiel, da zweigt ein kleines Sträßchen ab, mal ein bisschen langsamer machen. Da steht ein etwas windschiefer Holzwegweiser, auf dem steht: „Bout du Monde", also „Ende der Welt". Das interessiert mich, also biege ich ab und folge dem Sträßchen.
Es wird immer holpriger. Irgendwann muss ich sogar das Motorrad abstellen und zu Fuß weiter, weil es mich einfach interessiert. Der Pfad mündet in eine Schlucht und wird immer enger. Schließlich endet er vor einer hohen halbkreisförmigen Felswand, aus der unzählige Wassertropfen in einen kleinen See tropfen. Es scheint so, als wäre ich angekommen am „Ende der Welt".
Solche Namen für Wege oder Naturformationen sind in einer Zeit entstanden, als die Menschen noch tatsächlich daran glaubten, dass unsere Welt irgendwo aufhört. Heute wissen wir es besser. Aber auch heute noch gibt es Situationen, da denke ich: Das muss das Ende der Welt sein. Wenn mein Arbeitgeber mich plötzlich für überflüssig hält, wenn ein Freund einen schweren Unfall hat, wenn Familien zerbrechen, weil die Partner es einfach nicht mehr miteinander aushalten. Dann zieht es einem förmlich den Boden unter den Füßen weg. Es ist gut, in solchen Situationen Halt zu finden: In der eigenen Familie oder bei Freunden. Mir hat in solchen Situationen auch mein Glaube weiter geholfen. Ich glaube nicht, dass Gott sich solche „Enden der Welt“ für uns Menschen ausdenkt. Ich bin überzeugt davon, dass er nicht mein Gegenspieler ist, sondern dass er mich unterstützt. Dass es einen Weg aus der Krise gibt, auch wenn ich ihn im Moment noch nicht sehe.
Das ist eine uralte Zuversicht. Schon in der Bibel gibt es einen Psalm, der vor ungefähr 3000 Jahren aufgeschrieben wurde. Da heißt es:
„Mich umfingen die Fesseln des Todes (…)
In meiner Not rief ich zum Herrn. (…)
Er griff aus der Höhe herab und fasste mich, zog mich heraus aus gewaltigen Wassern. (…)
Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.“ (Ps 18)
Beseelt von diesem uralten Gebet trete ich den Rückweg an mit der Zuversicht, dass Gott an mir Gefallen hat. Ich steige auf mein Motorrad und fahre hinaus in die französische Weite.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44232Zeige Beiträge 1 bis 10 von 1265 »
