Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR2 / SWR Kultur

 

SWR3

  

Autor*in

 

Archiv

SWR Kultur Wort zum Tag

26FEB2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Eigentlich solltest du doch dankbar sein. Vermutlich bekommt das vor allem zu hören, wer sich gerade mal wieder beklagt: zu wenig Schlaf gehabt, zu viel Stress den ganzen Tag über, bisschen krank gefühlt schon seit Tagen, schon wieder fast nur Rechnungen in der Post. Und vom Wetter lieber gar nicht zu reden… Doch doch: du hast allen Grund zur Klage, oft genug jedenfalls.

Und dennoch das Gefühl, tief drinnen; oder die Ansage, die jemand macht: Eigentlich könntest du doch dankbar sein. Was meist ja auch stimmt. Wobei wenig hilfreich scheint, dass es anderen noch viel schlechter geht, dass sie wirklich krank sind oder mehr gestresst, wirklich arm oder übermüdet. Schon richtig: im Vergleich geht es mir doch gut. Aber das bleibt Kopfsache – bestenfalls. Und wenig hilfreich.

Und eigentlich will ich doch mit „den anderen“ solidarisch sein. Mich mit ihnen verbinden und ihnen helfen – also Menschen begleiten, denen es gerade wirklich schlecht geht und die zu recht alles schwierig finden… Sie zu begleiten, fällt mir leichter, wenn ich mit mir sozusagen im Reinen bin, einverstanden – oder auch dankbar.

Bleibt also dieses „Eigentlich könntest du doch dankbar sein“. Du solltest es wieder mal neu entdecken, tief in deiner Seele: das Gute und Schöne gibt’s auch in deinem Leben. Es ist bestimmt da – leider nur so oft gut versteckt und tief vergraben zwischen allerlei wirklichem Übel und echter Beschwerde; die gibt es so oft und sie drängen sich immer wieder in den Vordergrund. Irgendwann wird sich auch das Bessere wieder neu entdecken lassen.

Mir hilft bei der Neuentdeckung von guten und schönen Stücken in meinem Leben und auch in jedem Alltag, wenn ich mal wieder weg komme von der Journalisten-Regel „Good news are bad news“ – schlechte Nachrichten machen Quote und Kasse; was leider kaum zum Leben hilft.

Besser, wenn ich zunächst ganz ausdrücklich auf das Gute schaue. Ich könnte eigentlich erst mal dankbar sein für den großartigen doppelten Regenbogen, mit dem Regen und Sonne mich auf der Radtour beschenkt haben. Und dann erst beklagen, dass ich zugleich klatschnass geworden bin. Das Rad und die Klamotten trocknen schnell und alles ist gut… Den Dank zulassen, einfach nur Danke sagen ohne jedes Aber. Dankbar bin ich, weil ich heute diesen Menschen getroffen habe; eigentlich gut, dass der Zug verspätet war – so hab ich ihn noch erwischt.

Ja: das ist „positiv denken“ – aber es ist mehr: Mich verbindet es mit Gott; dem kann ich dankbar vertrauen; und eigentlich wäre da noch so viel mehr, wofür ich diesem Gott dankbar bin…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43904
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

25FEB2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Es ist ja eigentlich ein einfaches Wort, oft und gern gebraucht, wenn es darum geht, etwas zu umschreiben oder mich zu korrigieren oder zu erklären. Eigentlich wollte ich jetzt gerade sagen… Eigentlich ist das doch ganz einfach… Solche Szenen kommen X-mal am Tag vor, wenn Menschen miteinander reden – und im Selbst-Gespräch auch mal. Was wollte ich eigentlich hier im Keller – also: weswegen war ich runtergelaufen, bevor dies oder das mich abgelenkt hat?

Eigentlich, haben wir in der Gemeinde gedacht, ist das auch ein gutes Leitwort für die Zeit bis Ostern, vierzig Tage; Bußzeit oder Fastenzeit genannt. Immer wieder mal eine Gelegenheit, das eigene Leben anzuschauen und mich zu fragen: Ist es das jetzt wirklich – soll es so weitergehen – oder sollte ich eigentlich doch was ändern. Will ich so leben – oder muss ich das eigentliche Leben anderswo suchen.

Manchen mag da der witzig gemeinte Spruch einfallen: Eigentlich bin ich ganz anders – aber leider komme ich nur so selten dazu. So antwortet jemand gern auf den leichten Vorwurf, warum sie oder er heute morgen so einsilbig ist, ohne Schwung und Lust auf den neuen Tag. Eigentlich bin ich ja ganz anders; eigentlich bin ich anders drauf, aber leider leider…

In der Bibel finden sich immer wieder mal Menschen, die am eigentlichen Sinn für ihr Leben vorbeilaufen; manche missachten den Auftrag, den Gott ihnen gegeben hat, oder sie lassen ihre eigentlichen Chancen links liegen. Jona zum Beispiel – der sollte als Prophet nach Ninive wandern und da die Leute bekehren, die ein schlechtes Leben führten. Eigentlich. Aber der Typ flieht übers Meer, ertrinkt da fast und wird von einem großen Fisch gerettet und an Land gespuckt. Eigentlich sollte ich doch – und Jona geht tatsächlich nach Ninive und predigt:

Kehrt um, sonst geht ihr unter, ruft er – und er hat Erfolg. Aber dann ist der Prophet sauer und hadert mit Gott: Eigentlich sollte Ninive doch untergehn!?

Gottes Antwort ist ein anderes „Eigentlich“: Kann ich denn so viele Menschen in den Untergang schicken – Kinder Frauen Männer und all das Vieh? Ich liebe sie doch – eigentlich – und sie sollen leben. Sie sind schließlich umgekehrt. Eigentlich sollst du dich freuen!

Leider verschweigt das Jona-Buch uns, wie Jona reagiert. Aber eigentlich hat er doch keine Wahl; wird sich freuen und dankbar sein: Wie die Leute von Ninive und wie du und ich ist eben auch Jona eigentlich ganz anders – und mit Gottes Hilfe sind hier alle endlich mal auch dazu gekommen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43903
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

24FEB2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Vier Jahre Krieg – eigentlich zwölf Jahre schon. Vier Jahre von dem, was viele den heißen Krieg nennen – der wohl eigentlich eine Art Blitzkrieg hätte sein sollen: Kiew erobern, Ukraine zu Russland annektieren, fertig…

Das ist bekanntlich anders gekommen – und so hat sich auch das Friedensgebet geändert – in Trier und anderswo. Angefangen hatte es hier als eine Art Blitzgebet: mit Zuversicht, dass das Töten und Sterben bald aufhören soll und dass sich eine friedliche und vor allem gerechte Lösung finden kann. Wöchentlich hat sich damals eine wachsende Gemeinde im Trierer Dom getroffen. Zwei drei Monate lang. Ein bisschen eine Überforderung.

Im Sommer 2022 haben die Gruppen sich dann verabredet, zum Friedensgebet immer am 24. des Monats einzuladen – dem Monats-Tag; und zwar wirklich immer, also auch an Heiligabend und dieses Jahr an Pfingsten. Klar merken alle beim Friedensgebet, dass das Durchhalten immer schwerer wird. Wobei: alle glauben, dass ihr Beten hilft – auch wenn weiter Drohnen und Raketen und Bomben alles zerstören, was die Menschen in der Ukraine zum Leben brauchen. Der Winter mit Kälte und Dunkelheit als Kriegswaffe macht ja alles noch schlimmer im ganzen Land. Und ob endlich beide Seiten in Gesprächen auf vielen Ebenen näher an Frieden oder wenigstens Waffenstillstand kommen?

Dass Beten hilft, sehe ich jedesmal in den Gesichtern von ukrainischen Menschen, die da mitbeten und mitsingen und Kerzen anzünden und zu den Heiligenbildern in der ostkirchlichen Kapelle am Dom tragen. Und viele von ihnen sagen es auch immer wieder mal: Gut zu wissen, dass hier im Westen Menschen an ihrer Seite stehen – und dass das für sie und für uns mehr ist als nur eine Aufgabe von Politik und Diplomatie, von USAmerika und Europa: Friede und Gerechtigkeit sind auch eine Hoffnung und ein Auftrag, den Jesus Christus seinen Leuten und seiner Kirche mitgegeben hat und zu denen sie sich immer herausgefordert wissen.

Vier Jahre heißer Krieg – und die Not in der Ukraine nimmt immer noch zu. Viele beten mit um Waffenstillstand und Frieden; und viele von denen und noch mehr andere Leute sind auch sonst aktiv: Treffen geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in der eigenen Umgebung, spenden Geld oder Sachen, organisieren Hilfstransporte, hängen am Jahrestag des Kriegsbeginns ukrainische Flaggen ins Fenster… Und wir beten weiter – weil wir glauben und wissen: Es hilft wirklich!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43902
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

23FEB2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Sein Vater war wohl ein Wagner, ein Wagen-Bauer also – und es war mindestens Handwerkerstolz, dass Erzbischof Willigis von Mainz ein Wagenrad in sein Bischofs-Wappen gezeichnet hat; sehr zum Spott der adligen Kollegen – aber das hat er wohl abhaben können. Er war halt „nur“ ein Handwerker-Sohn…

Was ihn aber kaum gehindert hat, einer der ganz Großen zu werden im damaligen Heiligen Römischen Reich. Er hat sogar eine Zeit lang praktisch als König regiert – zusammen mit der Mutter von Otto dem Dritten, der sein Amt vom Vater geerbt hatte, aber erst drei Jahre jung war. Ganz natürlich war das damals anscheinend – dass die Kirche und ihre Amtsträger in Staat und Politik mitmischen. Und dass sie sich damit auch in Auseinandersetzungen verwickeln ließen, die heute grotesk erscheinen mögen – aber doch ansehnliche Folgen hatten.

Erzbischof Willigis, Reichsverwalter und Reichskanzler des Königreichs, hat seinen Macht-Anspruch zum Beispiel im Bau des Mainzer Doms abgebildet. Die damals bei weitem größte Kirche nördlich der Alpen hatte den Altar im Westen stehen – wie sonst nur die Peterskirche in Rom. Und sollte den Aachener Dom ablösen als Krönungskirche der Könige. In Aachen war Willigis Persona non grata – aber als Ober-Erzbischof nahm er für sich in Anspruch, trotzdem weiterhin den König zu krönen.

Am Tag oder am Vortag der Dom-Weihe ist das riesige Bauwerk abgebrannt – heute möchte das wie ein Signal erscheinen: weg von solchen Allmachts-Phantasien, von Ansprüchen auf Macht und Recht; weg von den weltlichen Ränke- und Intrigen-Spielen. Bei euch soll es anders sein, sagt Jesus. Oder, ausführlicher, so: „Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein...“

Die Kirche heute darf sich schon freuen, dass Willigis den Mainzer Dom gleich wieder hat aufbauen lassen; in Mainz feiern sie heute seinen Gedenktag. Gut auch, dass viele andere schöne große ehrwürdige Kirchenbauten zum Gebet und zum Gottesdienst einladen. Viel glaubwürdiger werden Kirche und Christenmenschen in ihr sein, wenn sie für die Menschen da sind – die ganz einfachen Leute und besonders für Arme und Unterdrückte und für andere Menschen in Not.

Und wenn sie sich gelegentlich auch in Politik und Gesellschaft einmischt und sich da äußert und engagiert: sehr richtig und notwendig – aber bitte eher ohne Machtanspruch und Geltungs-Drang!

Wer groß sein will, hat zu dienen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43901
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

31DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Heute blicken viele ja zurück auf das Jahr, das um Mitternacht vergehen wird. Und das ist mehr als nur so traditionell dahingesagt. Es ist doch auch schön! Zurückblicken auf das, was gut war in den letzten zweiundfünfzig Wochen; noch mal in Erinnerungen schwelgen, den herben Geruch des Meeres oder die Kühle eines Morgens in den Bergen fast richtig schnuppern, noch mal daran denken, wo ich richtig gut drauf war, vielleicht sogar einen kleinen Erfolg hatte. Die Freude noch mal spüren, als mir jemand einfach nur gesagt hat: Gut, dass du da bist – oder Schön, dass ich mit dir zusammenarbeiten darf: Solche kleinen oder auch großen Sachen eben, die den Alltag oder den Urlaub schön gemacht haben.

Schon deswegen, weil sie ja sozusagen im Wettbewerb stehen mit den eher dunkleren Momenten; die hat’s ja nun auch gegeben. Der Sohn von entfernten Bekannten, der wg zu viel Drogen in die Klinik musste. Der Freund, der nach einem Unfall plötzlich nur noch im Pflegeheim sein kann. Die wirklich bösen Worte zwischen Mann und Frau, die sie haben stehen lassen, statt wenigstens zu versuchen, ob sie das vor dem Zubettgehen noch ausräumen oder sich sogar vertragen können…

Zurückblicken – das kann auch schon mal schmerzlich sein. Aber das muss ich aushalten – und ich kann es, weil eigentlich doch das Gute überwiegt, das, wofür ich dankbar bin und was mich gestärkt hat. Dankbar den Menschen; und dankbar dem Gott, der mir diese Menschen und so viel Gutes zur Seite stellt und bei dem ich mich trotz allem doch gut aufgehoben fühle.

Das Gute – weltweit ist es ja auch in diesem Jahr beinah komplett unter die Räder gekommen. Und die Aussichten scheinen kaum besser zu werden – trotz Weihnachten vor acht Tagen und trotz all der Friedensbotschaften und gegen die Hoffnung eigentlich aller Menschen guten Willens auf Gerechtigkeit…

Die Hoffnung nicht verlieren, hatte Papst Franziskus in seiner Friedensbotschaft zum Neuen Jahr 2025 vorgeschlagen: „Suchen wir den wahren Frieden, den Gott einem entwaffneten Herzen schenkt: einem Herzen, das (darauf verzichtet), zu berechnen, was mir gehört und was dir gehört; einem Herzen, das die Mutlosigkeit im Hinblick auf die Zukunft überwindet mit der Hoffnung, dass jeder Mensch eine Bereicherung für diese Welt ist.“

Jeder Mensch – auch Du und ich! – eine Bereicherung!!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43639
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

30DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Zwischen den Jahren ist eine seltsame Zeit; und eigentlich ja nur so dahingesagt oder –gedacht – weil ganz genau gesehen ja immer Jahr ist: noch dieses oder schon das nächste Jahr, von einer Sekunde zur anderen. Zwischen den Jahren: das ist also eher nur eine gefühlte Zeit. Weihnachten ist vorbei mit seinen schönen gemütlichen Momenten; der ganze Stress der angeblich ruhigsten Zeit, die Frage, ob Geschenke angekommen sind oder lieber doch umgetauscht werden müssen: das regelt sich gerade. Und die Vorbereitungen für Silvester und Neujahr und eben das ganze 2026 können ja hoffentlich eher ruhig weitergehen…

Ja: es ist eine Zeit wie in einem Dazwischen. In manchen Gegenden hießen die Nächte in dieser Zwischenzeit „Rauhnächte“ – und waren wie ein großes Einfallstor für unheimliche Geister und böse Ereignisse.

Rauhe Nächte: das ist mir eher fremd. Aber das „zwischen den Jahren“ erinnert mich daran, wie die Christenheit eigentlich insgesamt lebt: Seit der Geburt des Jesus-Kindes oder spätestens seit seinen ersten Auftritten dann als Prediger im Heiligen Land gilt eine neue Zeitrechnung – und die zählt weniger in Jahren oder Jahrzehnten. Ich nenne sie „Zwischen den Zeiten“ – und bin da ganz bei dem Jesus, den ich aus der Bibel kenne: „Kehrt um,“ sagt er von Anfang an; „kehrt um, denn das GottesReich ist nah“.

Eine neue Zeit ist angebrochen, heißt das; eine Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen für alle, in der die Menschen Gottes Liebe erleben und weiterschenken. Blinde sehen, Lahme gehen, Kranke werden gesund: Jesus hat gezeigt, dass diese Neue Welt schon da ist. Und doch hat er sich getäuscht, sagen viele – diese Botschaft hat er ja sogar selbst mit dem Leben bezahlt. Und das stimmt einerseits. Weil ich aber glaube, dass Jesus durch den Tod hindurch in ein Neues Leben gegangen ist, ist die Hoffnung doch noch mal viel stärker, dass es eben mehr gibt als Tod und Verderben aus Hass und Gewalt.

Noch leben wir dazwischen – zwischen Gottes Herrschaft, die schon angebrochen ist – und die doch noch auf sich warten lässt. Alles zu tun, damit die neue Zeit Wirklichkeit wird, schon heute: das ist der Auftrag an die Christinnen und Christen. Jetzt, zwischen den Zeiten – und natürlich auch in diesen Tagen „zwischen den Jahren“.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43638
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

29DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Brot statt Böller“ schlagen kirchliche Hilfswerke vor. Fast 200 Millionen Euro haben die Deutschen voriges Jahr beim Feuerwerk in den Himmel geschossen. Das könnte vielen Menschen zu einem besseren Leben helfen, statt in ein paar Stunden bunt und laut zu verbrennen. Noch mehr Millionen, hoffen Handel und Industrie, werden sie ab heute umsetzen. Wieviel Gutes könnten Hilfswerke mit so viel Geld tun!!!

Ein anderer Vorschlag war mal: Damit Menschen, die zu uns nach Deutschland geflüchtet sind, weniger erschreckt werden, sollten die Leute doch bitte eher leisere Raketen und Feuerwerks-Böller einsetzen in der Silvesternacht…

Schon wahr: Immer noch wieder sind sehr viele Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Krieg, und viele von ihnen, besonders die Kinder, sind in ihrer Seele schwer verletzt; und das könnte wahrscheinlich wieder aufbrechen und weh tun, wenn’s gegen Mitternacht zu krachen anfängt in diesem friedlichen Land.

Aber „leisere Kracher“ – ist das die Alternative? Andere Stimmen sind schon älter als die mit dem Rücksichtnahme-Feuerwerk; sie machen andere Vorschläge: „Beten statt Böller“, sagen zum Beispiel manche christliche Klöster. Und laden gegen Mitternacht in ihre Kirchen ein; lesen zum Beispiel den Anfang der Bibel: im Anfang schuf Gott Himmel und Erde… und bitten um Gottes Segen für ein gutes Jahr.

Alternative Lösung, ganz grundsätzlich: In vielen Ländern ist die ganze private Knallerei und Blitzerei ja schon verboten. Und sei es nur wg Feinstaub-Belastung und Müll und zum Schutz der Tiere vor so viel Lärm; und weil die Rettungsdienste überlastet sein können.

Wir werden ein paar Wunderkerzen abbrennen, draußen auf der grünen Wiese; vielleicht sogar die Maxi-Wunderkerzen. Und vor allem werden wir Gott danken für das Vergangene und ihm das Jahr 2026 und die ganze Welt und uns selbst ans Herz legen. Auch beten – etwa für die Menschen in der Ukraine und in den anderen Ländern in Krieg und Bürgerkrieg, wo der Tod mal laut daherkommt und oft auch leise…

Und wenn dann neben all dem Krach von Böllern und Raketen und hoffentlich sicher gezündeten MaxiKrachern die Kirchenglocken ins neue Jahr läuten dann heißt es natürlich auch bei uns: Prosit Neujahr!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43637
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

25OKT2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ganz am Anfang erzählt die Bibel in großen Bildern,
wie Gott die Welt erschaffen hat; Himmel und Erde in sechs Tagen
plus Ruhetag am siebenten, Shabbat.
Am vierten Tag hängt Gott Sonne Mond und Sterne an den Himmel
als große Lampen und als kleine Lichter.
Nur Lampen – das war vor dreitausend Jahren eine Revolution:
Rund um Israel herum galten die Gestirne als Göttinnen und Götter;
denen hatten die Menschen Opfer zu bringen, 
damit es gutes Wetter und reiche Ernten gab.
Und jetzt: Lampen; die sollen Tag und Nacht regieren –
aber vor allem: leuchten. Das entzaubert und entmachtet sie.

Entzaubert haben die Menschen inzwischen ja auch Tag und Nacht.
Gefühlt jedenfalls beginnt heute Abend die längste Nacht des Jahres,
statt erst zur Wintersonnenwende im Dezember.
Umstellung auf die Winterzeit; da gibt es eine Nacht-Stunde mehr…
Wie viele schöne lange Sommerabende haben wir dieses Jahr genossen,
obwohl der Sommer nur so lala war!
Und jetzt, morgen früh, zum guten Schluss: eine Stunde länger schlafen...

Eigentlich, sagen viele, ist es doch völlig unnatürlich,
stört den Lebensrhythmus zweimal im Jahr,
bringt alles durcheinander.
Milchbauern finden ihre Kühe unruhiger durch die verschobenen Melkzeiten;
feinfühlige Menschen haben den Eindruck,
dass sie eine Stunde zu früh in die Mittagspause müssen.
Und viele Ökonomen und Ökologen finden Sommerzeit
sowieso Quatsch oder sogar schädlich.
Statt Energie zu sparen verursachen längere Sommerabende mehr Autoverkehr;
die Leute fahren in die Wälder und joggen bis tief in die Nacht…
Das EU-Parlament will das ja wieder abschaffen mit der Zeitumstellung –
unentschieden nur, ob es in ganz Europa weiter eine gemeinsame Zeit gibt;
und ob das dann vielleicht die jetzige Sommerzeit ist?

Alles vielleicht noch mal neu zu bedenken, schon richtig.
Aber es ist keine Frage der sogenannten Schöpfungsordnung.
Und auch die Bibel hält sich aus solchen Fragen total raus.
Oder noch mehr – für sie gibt es nur den einen Gott,
der die Sonne aufgehen lässt über alle und alles.
Welch ein Wunder.
Seit Sonne Mond Sterne als Götter entzaubert sind,
lassen sich auch Tag und Nacht mal eben um eine Stunde verschieben.
Sind nur Lampen, sagt die Bibel.
Und ob die eine Stunde früher oder später leuchten:
das entscheidet mal schön selbst, ihr Menschenkinder!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43171
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

24OKT2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Zugegeben: Es fällt ganz schön schwer, immer weiter „dran“ zu bleiben.
Seit März 2022, also kurz nach Putins Überfall auf die Ukraine
treffen sich Menschen aus Trier und Umgebung zum Friedens-Gebet
im Trierer Dom – anfangs jede Woche, in der Hoffnung,
dass der Krieg bald zu Ende geht.
Aber schon bald nur noch einmal im Monat,
immer am 24. – am 24. Februar hatte der aktuelle Krieg ja angefangen.

Ein schnelles Ende wäre ein grausames und hässliches Ende gewesen,
jedenfalls für die Ukraine;
ein paar Wochen hat die überfallene Armee dann schon noch gebraucht,
die russischen Truppen zu stoppen und teilweise zurückzudrängen.
Und welches verbrecherische Chaos hatten die schon angerichtet,
wo sie Gott sei Dank nur kurz geherrscht und gewütet hatten.
Seither geht es aber immer weiter mit dem Versuch,
die Ukraine zu zerstören,
die Menschen zu zermürben,
den Winter noch grausamer werden zu lassen als in den letzten Jahren.
Drei Jahre und acht Monate lang immer neue Angriffe und immer neuer Tod
mit noch raffinierteren Waffen und Methoden.

Es fällt schwer, dran zu bleiben am Gebet um Frieden und Gerechtigkeit;
aber was ist das für eine Beschwernis – verglichen mit der Bedrohung,
unter der Familien und Einzelmenschen, Alte und Junge im ganzen Land leben,
ganz zu schweigen von den Soldaten im Grabenkrieg im Osten und Südosten.
Oder von der Unsicherheit und Angst der vielen Millionen,
die aus dem Land nach Europa gekommen sind und auch zu uns hier:
Ob die Angehörigen zu Hause die letzte Nacht überlebt haben,
ob sie Strom und Wasser haben –
von hier aus können sie denen ja nur sehr wenig helfen.
Und fühlen sich oft genug eher unwohl in einer Umgebung,
die ihnen inzwischen gelegentlich auch misstrauisch begegnet.

Gerade deshalb und auch mit den geflüchteten Menschen aus der Ukraine
bleiben wir dran und laden auch heute wieder ein:
Zum Gebet für die Menschen, die unter dem Krieg so sehr leiden;
und um Gottes Geist für die, die endlich etwas tun könnten,
damit erst einmal die Waffen schweigen und das Töten aufhört.
Und damit dann Verhandlungen möglich werden –
wenn es dabei nur gerecht zugeht…

Ob Beten hilft, fragen sich viele – und es ist ja klar:
Über Krieg und Frieden entscheiden eher Präsidenten und Machthaber,
militärische und wirtschaftliche Interessen.
Friedens-fähig und friedens-bereit macht Beten aber doch –
wenigstens alle, die dabei mitbeten;
wir müssen dranbleiben, auch wenn es manchmal schwerfällt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43170
weiterlesen...

SWR Kultur Wort zum Tag

23OKT2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Kinder sind immer wieder große Wunder; Kleinkinder eher noch größere.
Obwohl: „Kleinkind“ würde Tobi sicher weit von sich weisen – auf Deutsch;
und „infant“ auf Englisch oder „nen“ auf Mallorquin
oder das spanische „niño pequeño“ gleich mit.
Tobi ist schließlich schon sechs – aber staunen muss ich immer noch,
wie selbstverständlich er mit vier Sprachen umgeht:
Mit dem Vater redet er meist englisch;
mit Mutter und kleiner Schwester deutsch –
und in Kita und Vorschule eben in den Landessprachen Spanisch und Mallorquin.
Und wenn Oma und Opa zu Besuch sind
und noch ein Schulfreund:
da wechselt er schon mal mitten im Satz die Sprachen
und – noch mal faszinierender: auch den ganzen sound.

Tobi spricht die Sprachen einfach, ganz ohne sie eigentlich gelernt zu haben.
Hat sie aufgesaugt irgendwie mit der Muttermilch
und auf Papas Arm oder im Kindersitz auf dem Fahrrad.
So wie er irgendwann krabbeln und laufen konnte, trinken und essen,
schmusig sein oder kratzig.
Ganz normale Lebens-Abläufe, ganz normale Alltagssprache,
kein bisschen fremd – erstmal.
Und die Erwachsenen hüten sich, ihn darauf anzusprechen.
Er darf es einfach so drauf haben – ohne drüber nachzudenken.
Früh genug könnte alles ein bisschen schwieriger werden.
Grammatik und Vokabeln lernen – das macht einen neuen Abstand zur  Sprache.
Aber dagegen ist er dann hoffentlich gut gewappnet –
er spricht einfach vier oder dreieinhalb Mutter- und keine Fremdsprachen.

Etwas ähnliches erzählt die Bibel von Pfingsten:
da kommt Heiliger Geist auf die Jüngerinnen und Jünger von Jesus
und sie erzählen von ihrem Freund Jesus draußen in der Stadt –
und ganz MultiKultiJerusalem kann alles verstehen, was sie da reden.
Alle verstehen alle – auch wenn die aus anderen Weltgegenden kommen
und ohne die Weltsprache Griechisch oder Latein zu benutzen.
Mir scheint, der Pfingstgeist hat einfach in den Leuten geweckt,
was sowieso in jedem Menschenkind und Erwachsenen
schon verborgen schlummert:
eine viel größere Fähigkeit, sich zu verständigen und zu verstehen,
in einer anderen Sprache als nur in der Muttersprache
oder in mühsam gelernten fremden Lauten.

Liebe ist der Name dieser menschlichen Grund-Verständigungs-Fähigkeit.
Wo liebevoll gesprochen und gehandelt wird,
statt auf Deutsch Englisch Spanisch Französisch Mallorquin –
oder vielmehr: egal in welcher SprechSprache:
da werden Friede und Gerechtigkeit ausbrechen.
Müssen die Menschen nur ein bisschen die Fenster aufmachen
für diesen Heiligen Geist…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43169
weiterlesen...