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SWR2 / SWR Kultur

 

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SWR Kultur Wort zum Tag

01JUL2026
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Erster Juli: das zweite Halbjahr 2026 hat angefangen. Sechs Monate noch, in denen die Bundesregierung Zeit hat, ihre Versprechen zu halten: dass alles anders wird – oder wenigstens beinah alles: Steuern runter, Renten sicher auch für die nächsten Generationen, Deutsche Bahn pünktlich oder wenigstens pünktlicher, Pflegekosten finanzierbar für alle… Reformen soll es geben – und die Verhältnisse sollen sich ändern. Und nachdem Herbst und Frühjahr der Reformen ausgefallen sind, nach viel Streit auf offener Bühne im ersten halben Jahr '26 finden manche: ist jetzt mal fällig, trotz aller neuen Krisen…

Schon klar: da geht es der Regierung und den Parteien und übrigens auch dem Wahlvolk wie so oft mit Versprechungen für andere und mit Vorsätzen – guten Vorsätzen gar – für mich selbst: schwieriger einzuhalten als gedacht. Weil die Verhältnisse eben so sind wie sie sind – und sich gar einer schnellen Veränderung widersetzen. Und weil eigentlich alle daran interessiert sind, dass sie im Grunde so bleiben; jedenfalls für mich selbst und meine Blase. Die Reichen bleiben reich oder werden reicher; die Armen oder Ärmeren – naja, bisschen besser könnte es für die werden. Könnten sich aber auch selbst anstrengen, bitte. Und ja schon, war recht heiß im Juni – aber ich fahre ja mit Klimaanlage im Auto…

Vor Jahren habe ich ein Stück aus Händels „Messias“ nochmal neu gehört – im englischen Originaltext singt da der Chor: „And we shall be changed“. Wir werden verändert werden. Hallo, wer soll sich verändern und verbessert werden: ich und du und wir alle – oder doch lieber die Verhältnisse?

Beide und alle, glaube ich. Jeder Mensch verändert sich sowieso ununterbrochen – wie schlimm wäre es, wenn einfach alles weitergehen müsste, auch wenn es falsch läuft – oder wenn ich weiterlaufe, sogar in der falschen Spur!?

Gottes Vorstellung für die Welt ist jedenfalls, dass die Menschen besser werden; sind ja geschaffen als Gottes Ebenbild; beauftragt, Gottes Liebe weiterzugeben und einander solidarisch beizustehen, auf Augenhöhe miteinander umzugehen und zu teilen, was da ist. Noch viel Luft nach oben ist da – im eigenen Leben und weltweit. Dann könnten sich auch die Verhältnisse ändern und verbessern.

We shall be changed – Gott wird den Menschen bei dieser Verwandlung helfen. Weil – das ist ja ganz klar: Von selbst werden die Verhältnisse sich kaum bessern; aber wenn jede und jeder dazu beitragen würde...

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SWR Kultur Wort zum Tag

30JUN2026
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Da hatten die Zeitungen tage- oder wochenlang ein wichtiges Thema: Dürfen Fußballspieler bei der FIFA-WM beten oder sich sonstwie religiös zeigen? Ausgelöst hatte diese Debatte ausgerechnet ein Mitglied des DFB-Teams. Mittelfeld-Spieler Felix Nmecha hatte der Frage aber auch sozusagen die Krone aufgesetzt: Nach seinem Treffer zum Eins zu Null gegen Curacao kniet er nieder, bildet mit den Händen eine Krone auf seinem Kopf und legt die dann auf den Rasen. Könnte heißen: Ich bin ein King mit diesem Tor und mit meiner Leistung überhaupt – aber diese Ehre, diese Krone gehört Gott oder gehört Jesus Christus…

Felix Nmecha ist ein frommer Mensch – das zeigte sich auch nach dem Spiel noch auf dem Platz: Curacao hatte eins zu sieben verloren; und trotzdem oder vielleicht auch deswegen bilden Nmecha und Jonathan Tah und vier Mann aus der Karibik im Anstoßkreis einen kleinen Kreis und beten miteinander – deutlich erkennbar an gesenkten Köpfen und erhobenen Händen. „Im Spiel waren wir Gegner, nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder und haben zusammen ein kleines Gebet gesprochen, weil wir alle sehr dankbar sind… und… Jesus (wird) durch das Spiel verherrlicht…“ Nmecha erklärt also genau das, was er nach dem Tor mit der Krone getan hat.

Der Begriff „Anstoßkreis“ hat seither eine ganz neue Bedeutung: Was die Jungs da getan haben, erregt Anstoß. Reaktionen reichen von „die sollen hier anständig spielen und ihren Glauben zuhause lassen oder in der Kirche, wenn sie wollen“ über Aufforderungen zur Toleranz – für und gegen den Gebetskreis gemeint – bis zu Jubel in manchen christlichen und evangelikalen Kreisen; als hätte Felix Nmecha es den Gegnern endlich mal gezeigt…

Ich kann verstehen, wenn Leute es ablehnen, missioniert zu werden – egal, ob sie einen Glauben haben oder ohne einen Gott leben und denken. Und fundamentalistische Bewegungen finde ich oft schwierig – in jeder Religion. Übrigens auch manche fundamentalistischen Sprüche von Felix Nmecha. Meinem Gott ist jeder Mensch wichtig – egal wie er oder sie liebt und lebt.

Andererseits finde ich es aber auch richtig gut, wenn Menschen öffentlich sichtbar machen, dass sie an einen Gott glauben, sich von dem beschützt wissen, Gott verehren und zugleich um Kraft bitten und meinetwegen auch um Schnelligkeit oder was sie brauchen. Und ich beneide sie gelegentlich, weil ich weiß, wie zurückhaltend Christenmenschen sind und wie zögerlich ich selbst bin, einfach so Zeugnis abzulegen von dem Glauben, der doch auch mich trägt.

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SWR Kultur Wort zum Tag

29JUN2026
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Vom Streit zwischen Petrus und Paulus berichtet die Bibel gleich zweimal: Die Apostelgeschichte hat die Story aus der Sicht des Evangelisten Lukas. Und aus eigener Perspektive und als Haupt-Beteiligter beschreibt Paulus in einem Brief an seine Gemeinden in Galatien, wie es damals zugegangen war: Grundsätzlich hatte die junge Christengemeinde in Jerusalem Paulus schon beauftragt, dass er das Evangelium   in die damals bekannte Welt bringt. Sonst wären sie ja eine kleine sektiererische Gemeinde geblieben.

Aber kurz danach treffen Paulus und Petrus aufeinander. Da, schreibt Paulus, da „bin ich ihm offen entgegengetreten“. Es gab doch noch Streit: Müssen die so genannten Heiden erst Juden werden, bevor wir sie taufen und sie dadurch zu Christen werden dürfen? War in Jerusalem eigentlich schon entschieden: Nicht-jüdische Menschen können direkt getauft werden. Aber jetzt weigert sich der Petrus auf einmal doch, sich mit den nicht jüdischen Neugetauften an einen Tisch zu setzen – könnte ja die Juden in der Gemeinde irritieren, die sich haben taufen lassen. Aber in Wirklichkeit natürlich inkonsequent. Paulus hat sich durchgesetzt. Gott sei Dank. Und Petrus? Gilt trotzdem lange als der Anführer. Manchen als der erste Papst.

Die beiden sind dann verschiedene Wege gegangen; ihre letzten Jahre haben sie wohl in Rom verlebt und sind dort wegen ihres Glaubens hingerichtet worden. Paulus hatte römisches Bürgerrecht – darum haben sie ihn enthauptet; Petrus haben sie aufgehängt an einem Kreuz, wohl zu Zeiten des Kaiser Nero. Der frühere Fischer Petrus und der eifrige Theologe und Autor Paulus gelten als die beiden wichtigsten Säulen der Kirche: Dem Petrus hatte ja Jesus selbst die Führung übertragen; Paulus wusste sich von Christus und dem Heiligen Geist direkt berufen und hatte viele Gemeinden weltweit gegründet. Zwei Säulen, zwei Grundsteine sozusagen, obwohl sie offenbar ziemlich häufig miteinander gestritten hatten. So einen Konflikt und seine beiden zentralen Repräsentanten feiert die Kirche einfach beide zusammen, an einem Tag. Auch heute noch: Peter und Paul, am 29. Juni.

Gestritten und wieder zusammengefunden – eigentlich sollte Kirche auch heute so umgehen mit verschiedenen Ansichten und Meinungen: Streiten, miteinander ringen, Antworten suchen und dann gemeinsam weitergehen. Wäre ja auch gut gegen die Spaltung in unserer ganzen Gesellschaft.

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SWR Kultur Wort zum Tag

06MAI2026
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„unbegreiflich“, hatten sie Ende April in Trier plakatiert, an allen Einfahrten in die Stadt, auf großen Werbeflächen, wo sonst meist die Stadt auf eigene Highlights hinweist: „unbegreiflich: ich hoffe“. Das war das Motto, die Einladung zu zehn Feier-Tagen, zum Bistums-Fest rund um den Trierer Dom. „HeiligRock-Tage“ heißt das – weil die Kirche hier in Trier ja „das letzte Hemd von Jesus“ aufbewahrt und seit tausend Jahren verehrt – kaum zu begreifen schon das: warum soll jemand sich um ein zweitausend Jahre altes Untergewand kümmern. Sogar seine Echtheit steht ja in Zweifel.

Und da passten die zehn Tage Bistumsfest gerade dieses Jahr ganz gut: alles oder fast alles steht in Frage; Zweifel und Kritik sind an der Tagesordnung. Kriege und Umwelt-Zerstörung, Angst und Tod bestimmen den Alltag. Unbegreiflich, dass da von Hoffnung geredet wird; dass sogar behauptet wird: ich hoffe, tatsächlich. Unbegreiflich. Da scheint jemand mit dem Rücken zur Wirklichkeit zu stehen. Verweigert sich den wirklichen Fragen und Problemen.

Für mich war das anders – immer wieder, zehn Tage lang; da mitten in Trier, das natürlich seinen alltäglichen Gang ging, mit Pflasterarbeiten auf dem Hauptmarkt, mit Baustellen rundum, mit kleinen und großen Skandal-Geschichten in der LokalZeitung, mit meinem normalen Rentner-Alltag auch und mit den täglichen Problemen im Haushalt und auf den Straßen. Auch bei den HeiligRock-Tagen stellte sich die oft so unbegreiflich hässliche Wirklichkeit der Welt immer wieder ein – etwa beim Abendlob im Dom: da sprachen Realschülerinnen von ihren Fragen und Ängsten; ein bisschen wie im Poetry Slam fragten sie nach Krieg und Hunger in der Welt, nach der neuen Wehrpflicht, nach der Zukunft ihrer eigenen Rente… Beim Blaulicht-Gottesdienst suchten Polizistinnen und Sanitäter, Soldaten und Pflegerinnen nach neuer Kraft für ihren Dienst an den Menschen. Eine Kunstinstallation brachte die Menschen in Berührung mit Kindern in der Ukraine – wie sie um Väter weinen, wie sie in Metro-Stationen zur Schule gehen – und das Friedensgebet erinnerte an den 24. Februar vor vier Jahren, als Putins Armeen die Ukraine überfallen haben und an den grauenhaften Krieg seither.

Unbegreiflich, angesichts all solcher Übel zu hoffen, dass Gott für die Welt und für die Menschen eine bessere Zukunft will? Ja: unbegreiflich, unerklärbar, oft genug. Aber wer an den Gott glaubt, der Jesus aus dem Tod in ein Neues Leben holt, hofft eben auch mit Blick auf all das Bedrohliche. Ich hoffe – und höre es gern, wenn Ingo Zamperoni nach vielen schrecklichen Tagesthemen mich und alle einlädt: Bleiben sie zuversichtlich!

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SWR Kultur Wort zum Tag

05MAI2026
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Das Trierer MartinsKloster stammt aus dem Mittelalter; statt der Mönche leben im alten Gemäuer inzwischen Studentinnen und Studenten der Trierer Hochschulen. Ein Erweiterungs-Bau steht im Innenhof; und da gibt es jetzt eine ausdrückliche Erinnerung an den Namenspatron, eben den heiligen Martin. Martin von Tours war der römische Reiteroffizier, der ja seinen Soldatenmantel mit einem Bettler geteilt hat; danach ist er Christ geworden und schließlich Bischof von Tours an der Loire. In der damaligen römischen Hauptstadt Trier ist er wohl wenigstens zweimal gewesen – und hat von da vermutlich weniger gute Erinnerungen mitgenommen. Bischof Martin hat nämlich – das alles spielt im vierten Jahrhundert – versucht, dem römischen Kaiser in den Arm zu fallen. Die Bischofskollegen hatten den angeblichen Ketzer Priscillan angeklagt und auch schon verurteilt; der Kaiser sollte und wollte ihn hinrichten lassen. Martin fand das keine gute Lösung im innerkirchlichen Streit – den hätte er lieber ohne Gewalt beigelegt.

Bischof gegen Kaiser in der damaligen Hauptstadt Trier: das erinnert mich ein wenig an Papst Leo, der dem Präsidenten im Weißen Haus in Washington DC widerspricht. Dafür wird er unflätig abgekanzelt; dabei hat der Papst doch ganz recht, wenn er friedliche Lösungen fordert, möglichst ganz ohne Gewalt!

Der heilige Martin in Trier – daran erinnert also eine kleine Ausstellung im neuen Studi-Wohnheim im alten Kloster. Und macht es damit zu einem Haltepunkt auf dem Martinus-Weg, der von Szombately in Ungarn über viele Martins-Orte nach Tours führt – von Martins GeburtsOrt bis in seine BischofsStadt, quer durch Europa. Diese „via sancti Martini“ hat der Europa-Rat zur „Kulturroute Europas“ erhoben. Was der EuropaRat dazu online erklärt, klingt fast ein bisschen wie Predigt: „Die Sankt-Martin-Route steht für den Wert des Teilens, symbolisiert durch die wohltätige Tat des Heiligen…“ Und: „Tatsächlich ist das Teilen zu einer moralischen Notwendigkeit geworden, um die Menschheit angesichts der Herausforderungen zu bewahren, die mit Globalisierung, Bevölkerungsexplosion und Schädigung der Umwelt verbunden sind.“ Ganz ähnliches hält der Papst doch dem US-Präsidenten und allen anderen entgegen…

Heute feiert der Europa-Rat seinen Europa-Tag – erinnert an den „Vertrag von London“vom 5. Mai 1949. Mit dem großen Ziel, in ganz Europa die Menschenrechte zu schützen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu fördern und die zwischenstaatliche Völkerverständigung zu beflügeln.

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SWR Kultur Wort zum Tag

04MAI2026
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Morgen, am 5. Mai ist wieder der europäische Protest-Tag   zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Das macht klar: da ist immer noch viel Luft nach oben. Protesttag für Gleichstellung – es braucht mehr als freundliche Aufrufe und Appelle. Immer noch sind Menschen benachteiligt oder ausgeschlossen, weil sie eine körperliche oder geistige oder seelische Beeinträchtigung haben – egal, ob seit ihrer Geburt oder durch eine Krankheit oder ein Unglück.

Als unser ältester Sohn Johannes zur Schule kam, hatte er großes Glück: die Grundschule damals hätte ihn überfordert. Er war ein wenig langsamer als alle anderen – körperlich und geistig; er hatte ein paar kleinere Fehlbildungen an Händen und Füßen… Johannes war eben ein bisschen anders. Zum Glück hatte gerade ein Schuljahr vorher seine Grundschule ihre erste „Integrationsklasse“ eingerichtet. Für fünf Kinder mit und fünfzehn Kinder ohne Behinderungen waren zwei Lehrerinnen und eine Sozialpädagogin da. Und jetzt eben auch für Johannes – er war einer der fünf mit ganz verschiedenen Handicaps. Ein sehr buntes Bild.

Schwer gerührt waren Eltern und Lehrerinnen, als nach einer guten ersten Woche eins von den fünfzehn Kindern „ohne“ zu Hause eine dringende Frage hatte: Wann kommen denn jetzt die Behinderten (so hat man das damals gesagt…), die mit mir zusammen in die Schule gehen sollen? Ihm war schlicht entgangen, dass die schon seit dem ersten Tag dabei waren. Ohne weiter aufzufallen – obwohl doch etwa der Rollstuhl kaum zu übersehen war. Und obwohl alle immer Rücksicht nehmen mussten, weil Johannes bei manchen Sachen bisschen länger brauchte – ganz zu schweigen davon, dass die Klassenkameradin mit den Gehhilfen beim Fangen- oder Versteckspielen auf dem Schulhof nur zuschauen konnte oder der nicht hörende Kamerad eine ganz andere Ansprache brauchte.

Die Kinder hatten keine Behinderungen gesehen und schon gar keine Behinderten. Für sie waren da Kinder und Kinder – und dass du manchmal bestimmte Sachen erst noch lernen musst, wussten sie ja von sich selbst…

Ja – Menschen mit Handicap oder Beeinträchtigung oder Behinderung brauchen oft ein wenig oder auch sehr viel Unterstützung und Begleitung; aber sie sind Menschen wie du und ich – Gottes geliebte Töchter und Söhne. Wer sie ausschließt oder benachteiligt, wer ihnen Hindernisse in den Weg legt oder Barrieren wegzuräumen vergisst, schließt gleich auch sich selbst aus der Gemeinschaft aus. Dagegen protestiert der Protesttag – und manche Städte und manche Kirchen machen drumherum eine ganze Woche der Inklusion. Vielleicht auch bei Ihnen in der Nähe!?

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SWR Kultur Wort zum Tag

26FEB2026
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Eigentlich solltest du doch dankbar sein. Vermutlich bekommt das vor allem zu hören, wer sich gerade mal wieder beklagt: zu wenig Schlaf gehabt, zu viel Stress den ganzen Tag über, bisschen krank gefühlt schon seit Tagen, schon wieder fast nur Rechnungen in der Post. Und vom Wetter lieber gar nicht zu reden… Doch doch: du hast allen Grund zur Klage, oft genug jedenfalls.

Und dennoch das Gefühl, tief drinnen; oder die Ansage, die jemand macht: Eigentlich könntest du doch dankbar sein. Was meist ja auch stimmt. Wobei wenig hilfreich scheint, dass es anderen noch viel schlechter geht, dass sie wirklich krank sind oder mehr gestresst, wirklich arm oder übermüdet. Schon richtig: im Vergleich geht es mir doch gut. Aber das bleibt Kopfsache – bestenfalls. Und wenig hilfreich.

Und eigentlich will ich doch mit „den anderen“ solidarisch sein. Mich mit ihnen verbinden und ihnen helfen – also Menschen begleiten, denen es gerade wirklich schlecht geht und die zu recht alles schwierig finden… Sie zu begleiten, fällt mir leichter, wenn ich mit mir sozusagen im Reinen bin, einverstanden – oder auch dankbar.

Bleibt also dieses „Eigentlich könntest du doch dankbar sein“. Du solltest es wieder mal neu entdecken, tief in deiner Seele: das Gute und Schöne gibt’s auch in deinem Leben. Es ist bestimmt da – leider nur so oft gut versteckt und tief vergraben zwischen allerlei wirklichem Übel und echter Beschwerde; die gibt es so oft und sie drängen sich immer wieder in den Vordergrund. Irgendwann wird sich auch das Bessere wieder neu entdecken lassen.

Mir hilft bei der Neuentdeckung von guten und schönen Stücken in meinem Leben und auch in jedem Alltag, wenn ich mal wieder weg komme von der Journalisten-Regel „Good news are bad news“ – schlechte Nachrichten machen Quote und Kasse; was leider kaum zum Leben hilft.

Besser, wenn ich zunächst ganz ausdrücklich auf das Gute schaue. Ich könnte eigentlich erst mal dankbar sein für den großartigen doppelten Regenbogen, mit dem Regen und Sonne mich auf der Radtour beschenkt haben. Und dann erst beklagen, dass ich zugleich klatschnass geworden bin. Das Rad und die Klamotten trocknen schnell und alles ist gut… Den Dank zulassen, einfach nur Danke sagen ohne jedes Aber. Dankbar bin ich, weil ich heute diesen Menschen getroffen habe; eigentlich gut, dass der Zug verspätet war – so hab ich ihn noch erwischt.

Ja: das ist „positiv denken“ – aber es ist mehr: Mich verbindet es mit Gott; dem kann ich dankbar vertrauen; und eigentlich wäre da noch so viel mehr, wofür ich diesem Gott dankbar bin…

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SWR Kultur Wort zum Tag

25FEB2026
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Es ist ja eigentlich ein einfaches Wort, oft und gern gebraucht, wenn es darum geht, etwas zu umschreiben oder mich zu korrigieren oder zu erklären. Eigentlich wollte ich jetzt gerade sagen… Eigentlich ist das doch ganz einfach… Solche Szenen kommen X-mal am Tag vor, wenn Menschen miteinander reden – und im Selbst-Gespräch auch mal. Was wollte ich eigentlich hier im Keller – also: weswegen war ich runtergelaufen, bevor dies oder das mich abgelenkt hat?

Eigentlich, haben wir in der Gemeinde gedacht, ist das auch ein gutes Leitwort für die Zeit bis Ostern, vierzig Tage; Bußzeit oder Fastenzeit genannt. Immer wieder mal eine Gelegenheit, das eigene Leben anzuschauen und mich zu fragen: Ist es das jetzt wirklich – soll es so weitergehen – oder sollte ich eigentlich doch was ändern. Will ich so leben – oder muss ich das eigentliche Leben anderswo suchen.

Manchen mag da der witzig gemeinte Spruch einfallen: Eigentlich bin ich ganz anders – aber leider komme ich nur so selten dazu. So antwortet jemand gern auf den leichten Vorwurf, warum sie oder er heute morgen so einsilbig ist, ohne Schwung und Lust auf den neuen Tag. Eigentlich bin ich ja ganz anders; eigentlich bin ich anders drauf, aber leider leider…

In der Bibel finden sich immer wieder mal Menschen, die am eigentlichen Sinn für ihr Leben vorbeilaufen; manche missachten den Auftrag, den Gott ihnen gegeben hat, oder sie lassen ihre eigentlichen Chancen links liegen. Jona zum Beispiel – der sollte als Prophet nach Ninive wandern und da die Leute bekehren, die ein schlechtes Leben führten. Eigentlich. Aber der Typ flieht übers Meer, ertrinkt da fast und wird von einem großen Fisch gerettet und an Land gespuckt. Eigentlich sollte ich doch – und Jona geht tatsächlich nach Ninive und predigt:

Kehrt um, sonst geht ihr unter, ruft er – und er hat Erfolg. Aber dann ist der Prophet sauer und hadert mit Gott: Eigentlich sollte Ninive doch untergehn!?

Gottes Antwort ist ein anderes „Eigentlich“: Kann ich denn so viele Menschen in den Untergang schicken – Kinder Frauen Männer und all das Vieh? Ich liebe sie doch – eigentlich – und sie sollen leben. Sie sind schließlich umgekehrt. Eigentlich sollst du dich freuen!

Leider verschweigt das Jona-Buch uns, wie Jona reagiert. Aber eigentlich hat er doch keine Wahl; wird sich freuen und dankbar sein: Wie die Leute von Ninive und wie du und ich ist eben auch Jona eigentlich ganz anders – und mit Gottes Hilfe sind hier alle endlich mal auch dazu gekommen!

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SWR Kultur Wort zum Tag

24FEB2026
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Vier Jahre Krieg – eigentlich zwölf Jahre schon. Vier Jahre von dem, was viele den heißen Krieg nennen – der wohl eigentlich eine Art Blitzkrieg hätte sein sollen: Kiew erobern, Ukraine zu Russland annektieren, fertig…

Das ist bekanntlich anders gekommen – und so hat sich auch das Friedensgebet geändert – in Trier und anderswo. Angefangen hatte es hier als eine Art Blitzgebet: mit Zuversicht, dass das Töten und Sterben bald aufhören soll und dass sich eine friedliche und vor allem gerechte Lösung finden kann. Wöchentlich hat sich damals eine wachsende Gemeinde im Trierer Dom getroffen. Zwei drei Monate lang. Ein bisschen eine Überforderung.

Im Sommer 2022 haben die Gruppen sich dann verabredet, zum Friedensgebet immer am 24. des Monats einzuladen – dem Monats-Tag; und zwar wirklich immer, also auch an Heiligabend und dieses Jahr an Pfingsten. Klar merken alle beim Friedensgebet, dass das Durchhalten immer schwerer wird. Wobei: alle glauben, dass ihr Beten hilft – auch wenn weiter Drohnen und Raketen und Bomben alles zerstören, was die Menschen in der Ukraine zum Leben brauchen. Der Winter mit Kälte und Dunkelheit als Kriegswaffe macht ja alles noch schlimmer im ganzen Land. Und ob endlich beide Seiten in Gesprächen auf vielen Ebenen näher an Frieden oder wenigstens Waffenstillstand kommen?

Dass Beten hilft, sehe ich jedesmal in den Gesichtern von ukrainischen Menschen, die da mitbeten und mitsingen und Kerzen anzünden und zu den Heiligenbildern in der ostkirchlichen Kapelle am Dom tragen. Und viele von ihnen sagen es auch immer wieder mal: Gut zu wissen, dass hier im Westen Menschen an ihrer Seite stehen – und dass das für sie und für uns mehr ist als nur eine Aufgabe von Politik und Diplomatie, von USAmerika und Europa: Friede und Gerechtigkeit sind auch eine Hoffnung und ein Auftrag, den Jesus Christus seinen Leuten und seiner Kirche mitgegeben hat und zu denen sie sich immer herausgefordert wissen.

Vier Jahre heißer Krieg – und die Not in der Ukraine nimmt immer noch zu. Viele beten mit um Waffenstillstand und Frieden; und viele von denen und noch mehr andere Leute sind auch sonst aktiv: Treffen geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in der eigenen Umgebung, spenden Geld oder Sachen, organisieren Hilfstransporte, hängen am Jahrestag des Kriegsbeginns ukrainische Flaggen ins Fenster… Und wir beten weiter – weil wir glauben und wissen: Es hilft wirklich!

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SWR Kultur Wort zum Tag

23FEB2026
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Sein Vater war wohl ein Wagner, ein Wagen-Bauer also – und es war mindestens Handwerkerstolz, dass Erzbischof Willigis von Mainz ein Wagenrad in sein Bischofs-Wappen gezeichnet hat; sehr zum Spott der adligen Kollegen – aber das hat er wohl abhaben können. Er war halt „nur“ ein Handwerker-Sohn…

Was ihn aber kaum gehindert hat, einer der ganz Großen zu werden im damaligen Heiligen Römischen Reich. Er hat sogar eine Zeit lang praktisch als König regiert – zusammen mit der Mutter von Otto dem Dritten, der sein Amt vom Vater geerbt hatte, aber erst drei Jahre jung war. Ganz natürlich war das damals anscheinend – dass die Kirche und ihre Amtsträger in Staat und Politik mitmischen. Und dass sie sich damit auch in Auseinandersetzungen verwickeln ließen, die heute grotesk erscheinen mögen – aber doch ansehnliche Folgen hatten.

Erzbischof Willigis, Reichsverwalter und Reichskanzler des Königreichs, hat seinen Macht-Anspruch zum Beispiel im Bau des Mainzer Doms abgebildet. Die damals bei weitem größte Kirche nördlich der Alpen hatte den Altar im Westen stehen – wie sonst nur die Peterskirche in Rom. Und sollte den Aachener Dom ablösen als Krönungskirche der Könige. In Aachen war Willigis Persona non grata – aber als Ober-Erzbischof nahm er für sich in Anspruch, trotzdem weiterhin den König zu krönen.

Am Tag oder am Vortag der Dom-Weihe ist das riesige Bauwerk abgebrannt – heute möchte das wie ein Signal erscheinen: weg von solchen Allmachts-Phantasien, von Ansprüchen auf Macht und Recht; weg von den weltlichen Ränke- und Intrigen-Spielen. Bei euch soll es anders sein, sagt Jesus. Oder, ausführlicher, so: „Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein...“

Die Kirche heute darf sich schon freuen, dass Willigis den Mainzer Dom gleich wieder hat aufbauen lassen; in Mainz feiern sie heute seinen Gedenktag. Gut auch, dass viele andere schöne große ehrwürdige Kirchenbauten zum Gebet und zum Gottesdienst einladen. Viel glaubwürdiger werden Kirche und Christenmenschen in ihr sein, wenn sie für die Menschen da sind – die ganz einfachen Leute und besonders für Arme und Unterdrückte und für andere Menschen in Not.

Und wenn sie sich gelegentlich auch in Politik und Gesellschaft einmischt und sich da äußert und engagiert: sehr richtig und notwendig – aber bitte eher ohne Machtanspruch und Geltungs-Drang!

Wer groß sein will, hat zu dienen.

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