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Wie rede ich Gott eigentlich an? Die Frage mag für manchen etwas merkwürdig klingen, aber ich bete regelmäßig und mich beschäftigt die Frage schon seit einer Weile. Viele überlieferte Gebete nutzen ja Anreden wie „Herr“ oder „Vater“, wie zum Beispiel das „Vater unser“, das wichtigste Gebet der Christinnen und Christen. Aber Gott ist nicht nur Vater und Herr. Sogar ein Papst hat das einmal gesagt, Papst Johannes Paul I.: Gott ist Vater und viel mehr: Gott ist Mutter.
Interessanterweise gibt’s in der Bibel etliche Stellen, die von Gott als Frau oder Mutter sprechen. „Ich will dich trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13) So spricht Gott selbst von sich beim Propheten Jesaja. Und in den Gleichnissen, die Jesus erzählt, wird Gott nicht nur als barmherziger Vater beschrieben, der den verlorenen Sohn in die Arme schließt. Gott wird auch gleichgesetzt mit einer Frau, die ein verlorenes Geldstück sucht – so wie Gott intensiv nach einem verlorenen Menschen sucht (vgl. Lukas 15,8-10).
Ich erzähle das heute auch deswegen, weil morgen in den Kirchen der sogenannte „Dreifaltigkeitssonntag“ gefeiert wird. Gott wird da gefeiert als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Für mich ist das auch ein Anlass, darüber nachzudenken: Wer oder was ist Gott für mich? Wie rede ich ihn an? Und mir tut es gut und es stärkt mich, dass Gott nicht nur ein liebender Vater ist, sondern auch eine liebende Mutter. Gott sucht mich und tröstet mich, wie das meine Mutter gemacht hat.
Gott muss übrigens schon deswegen auch weiblich sein, weil ich als weibliches Wesen Gottes Bild bin, wie die Bibel sagt (vgl. Genesis 1,27). Wenn ich Gott als Frau anspreche, dann spreche ich auch vom Göttlichen in mir selbst. All das ist mir immer wichtiger geworden in den letzten Jahren. Und deswegen rede ich Gott in meinen Gebeten nicht nur an mit: Vater unser, sondern ab und zu auch mit: Mutter unser.
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Die Natur ist wahnsinnig vielfältig! Das kann man in diesen Tagen auch bei vielen Aktionen rund um die „Woche der Artenvielfalt“ erleben. Allein für Mainz hab ich für heute fünf Veranstaltungen entdeckt: einen Workshop über Wildkräuter, einen zu den vielen verschiedenen Pflanzensamen, ein Workshop, bei dem man Vogelnistkästen bauen kann, und ein anderer, bei dem es um Igelhäuser geht, und schließlich einen Stadtteilrundgang zu besonderen Orten der Artenvielfalt. Ehrlich gesagt kann ich mich kaum entscheiden, wohin ich gehen möchte. An anderen Orten in Rheinland-Pfalz gibt’s noch viele weitere Angebote zum Mitmachen bei dieser „Woche der Artenvielfalt“, noch bis Sonntag geht sie.
Die Vielfalt ist so wichtig, das begreifen wir immer mehr. Wenn es nur noch Monokulturen gäbe in der Landwirtschaft, wenn immer mehr Arten von Pflanzen, Insekten oder Vögeln verschwinden: Dann ist die Welt nicht nur weniger schön. Sie wird auch gefährlicher für uns Menschen. Wir brauchen die Vielfalt. Wir brauchen die Insekten, die unsere Nahrungspflanzen bestäuben. Wir brauchen die Vielfalt der Natur sogar, um Medikamente herstellen zu können.
Für mich als Christin ist die Vielfalt der Natur auch etwas, was Gott geschaffen hat und was ich schon deswegen genießen und schützen will. Im berühmten Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi heißt es: „Gelobt seist du, mein Gott, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.” Der orthodoxe Patriarch Bartholomäus hat es einmal eine Sünde genannt, „dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören.“ (Laudato Si Nr. 9)
Die Vielfalt nicht zerstören, sondern bewahren: Das kann in dieser Woche sogar richtig Spaß machen. Ich jedenfalls freu mich drauf, an einer Veranstaltung zur Aktionswoche der Artenvielfalt teilzunehmen. Ich muss mich nur noch entscheiden: für Igelhäuser, Wildkräuter oder den Stadtrundgang.
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Wie singt eine Kohlmeise? Oder wie hört sich eine Mönchsgrasmücke an? Ehrlich gesagt hatte ich davon bis vor ein paar Wochen keine Ahnung. Den Amselgesang hinter meinem Haus, den hab ich schon immer bewundert und genossen. Und ich erkenne vielleicht noch eine Taube oder eine Krähe an ihren Rufen. Aber ansonsten wusste ich bislang nicht viel von Vogelgesang. Dann hat vor ein paar Wochen bei einer Familienfeier eine junge Frau von ihrem Studium der Geoökologie erzählt und von ihrem Kurs über Vogelgesang. Sie hat mir eine App empfohlen, mit der sich Vögel ziemlich treffsicher anhand ihres Gesangs bestimmen lassen. Die hab ich mir runtergeladen.
Und seitdem bleibe ich jetzt ab und zu, wenn ich durch die Stadt laufe, abrupt stehen. Ich zücke mein Handy, starte die App und freu mich über die Vögel, die in meiner Umgebung unterwegs sind: eben zum Beispiel eine Kohlmeise oder eine Mönchsgrasmücke. Und ich versuche mir zu merken, wie sie klingen. Ein klein wenig kann ich sie jetzt schon auseinanderhalten, die Vögel in meiner Stadt und hinter meinem Haus.
Für mich ist diese Vielfalt der Vögel auch Teil der wunderbaren Schöpfung Gottes. Ich genieße sie. Und deshalb will ich sie schützen und bewahren. Ich hab meinen Balkon zum Beispiel jetzt sehr bewusst mit dem Ziel bepflanzt: Er soll Insekten und Vögeln gefallen. Es gibt ja Unterschiede bei Pflanzen, manche bieten weniger Insektenfutter, andere mehr. Und ich hab mal wieder einem Naturschutzverband eine Spende überwiesen dafür, dass sie sich einsetzen für den Vogelschutz, für weniger Pestizide in der Landwirtschaft und mehr Lebensraum für Vögel.
Seit ich die Vogelapp auf meinem Handy hab, fühl ich mich verbundener mit der Natur in meiner Stadt. Mit Kohlmeise, Amsel und Mönchsgrasmücke. Und ich fühl mich glücklicher. Das hat sogar eine Studie vor kurzem gezeigt: Den Vögeln lauschen macht Menschen glücklicher.
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Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr in der Fastenzeit mal wieder ganz klassisch zu fasten. Indem ich auf Essen verzichte. Mittlerweile gibt’s ja so viele unterschiedliche Dinge, die Menschen in der Fastenzeit weglassen oder reduzieren: Zeit am Handy, Alkohol oder auch Stress. Aber ursprünglich hatte das Fasten natürlich mit dem Essen zu tun. In meiner Kindheit gab‘s in der Fastenzeit keine Süßigkeiten, Schokolade und Gummibärchen haben wir in ein großes Einweckglas gesteckt. Streng genommen gilt in meiner katholischen Kirche bis heute am Aschermittwoch und am Karfreitag ein so genanntes „Abstinenzgebot“: Alle Gläubigen über 14 Jahren sollen sich nur einmal am Tag sattessen. Damit könnte ich heute anfangen.
Warum ich mir dieses Jahr überhaupt vorgenommen habe, auf Essen zu verzichten? Ehrlich gesagt ein bisschen schon auch, um ein wenig abzunehmen und mich in meinem Körper noch wohler zu fühlen. Aber dann ist da noch ein anderer Gedanke, vor allem, wenn ich Nachrichten schaue, kommt der mir: Ich will aus Solidarität weniger essen. Es gibt so viele Menschen auf dieser Erde, die sich praktisch nie sattessen können. Ich will an sie denken – und kann so ein klein bisschen spüren, wie das ist: hungrig sein. Vielleicht kann ich auch von dem Geld, das ich spare, etwas spenden. Das ist übrigens eine Kombination beim Fasten, die eine lange Tradition hat: selbst weniger essen und andere satt machen.
Auch in anderen Religionen gibt’s diese Verbindung aus Verzicht und Spenden. Im Islam zum Beispiel. Heute Abend beginnt auch für Musliminnen und Muslime ihre Fastenzeit, der Ramadan. Sie essen und trinken dann sogar gar nichts zwischen Sonnenauf- und -untergang. Das werd ich nicht schaffen. Aber eine Mahlzeit weniger am Tag, das könnte vielleicht gehen. Oder auch: kleinere Portionen. Auf Essen verzichten: Für mich ist das dieses Jahr mein Fastenvorsatz.
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Heute am Fastnachtsdienstag wird geschunkelt und gelacht, an vielen Orten im Lande. Lachen ist gesund und Lachen tut gut, vielleicht gerade, wenn die Lage nicht so einfach ist. Die Kirche und manch fromme Leute hatten mit dem Lachen allerdings in früheren Zeiten auch so ihre Probleme.
In dem berühmten Buch von Umberto Eco ist davon die Rede, „Der Name der Rose“. Viele kennen es auch als Film. Wegen einer Schrift über das Lachen werden da in einem mittelalterlichen Kloster Mönche umgebracht. Der alte Mönch, der die Bibliothek hütet, hat seine eigenen Ansichten über das Lachen – und wird deswegen sogar zum Mörder. Er behauptet: „Über die Wahrheit und Schönheit lacht man nicht. Eben darum hat Christus niemals gelacht. Das Lachen schürt nur den Zweifel.“ (S.169)
Ein klein wenig Recht hat er vielleicht: Wer über etwas lacht, läuft manchmal Gefahr, die Dinge nicht ernst genug zu nehmen. Lachen kann zum Aus-lachen werden. Und bei Dingen, die uns wichtig sind, wie Liebe, Wahrheit, Religion, da sind wir, verständlicherweise, empfindlich. Aber: In „Der Name der Rose“ wird auch die andere Gefahr deutlich: Wer die Dinge so ernst nimmt, dass Lachen streng verboten ist, der wird leicht engstirnig. Der kann sogar zum Fanatiker werden, wie dieser alte Mönch.
Ich finde sogar: Lachen passt besonders gut zu meinem Glauben. Lachen ist ja auch ein Zeichen von Freiheit und Freude. Die Auferstehung Jesu bietet so viel Grund zum befreiten Lachen, dass man über die Jahrhunderte sogar an Ostern im Gottesdienst Witze erzählt hat.
Im Buch „Der Name der Rose“ sagt William, der kluge Mönch und Detektiv, am Schluss etwas Ähnliches: „Vielleicht gibt es am Ende nur eins zu tun, wenn man die Menschen liebt: sie über die Wahrheit zum Lachen bringen.“ (S.624)
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Die Närrinnen und Narren sind los! Heute am Rosenmontag ist ihr höchstes Fest. In Mainz und an vielen anderen Orten in Rheinland-Pfalz feiern sie auf den Straßen, vor allem bei den Fastnachtsumzügen. Zu sehen dort auch: die Freiheit der Närrinnen und Narren, die Narrenfreiheit. Die Freiheit nämlich, Mächtige zu kritisieren oder auch, sich über sie lustig zu machen. An manchem Kostüm ist das zu beobachten. Vor allem aber: an den Themenwagen bei den großen Umzügen. Da wird ein Oberbürgermeister oder ein Bundeskanzler auch mal kräftig durch den Kakao gezogen.
Eine lange Geschichte hat diese Narrenfreiheit: Früher hatte der Narr am Hofe des Königs quasi als Einziger das Recht und die Möglichkeit, den König zu kritisieren, ohne seinen Kopf zu riskieren. In Mainz zum Beispiel gehen manche bunten Fastnachtstraditionen und -uniformen zurück auf die Kritik an Napoleon, der einst die Stadt besetzte.
Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, in dem Kritik an den Mächtigen heute ohne Probleme möglich ist. Wir leben ja nicht in einer Meinungsdiktatur, wie manche behaupten. Wir leben in einem Land, in dem wir vielleicht für unsere Meinung schräg angeschaut und kritisiert werden. Das ist ok, das gehört dazu. Aber wir kommen nicht ins Gefängnis, wenn wir Kritik üben an Herrschern, wie in anderen Ländern. Ich muss da zum Beispiel an den Wagenbauer des Düsseldorfer Karnevals denken, dem in Russland der Prozess gemacht wird, weil er Putin kritisiert hat.
Wie gut also, dass bei uns in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht – und Narrenfreiheit. Wir können auf die Straße gehen und zeigen, wer wir sind, und sagen, was wir denken. Allen Närrinnen und Narren wünsch ich dabei heute viel Spaß!
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Wie das wohl wäre, wenn meine Eltern nicht auf einem Friedhof beerdigt wären, sondern in einem Fluss? In Rheinland-Pfalz gibt es seit dem Herbst ein neues Bestattungsgesetz: Ich kann jetzt auch festlegen, dass meine Asche nach meinem Tod im Rhein oder in der Mosel verstreut werden soll. Aber ehrlich: Für mich wäre das nichts. Und ich bin froh, dass meine Eltern in einem Grab auf dem Friedhof liegen. Ab und zu dort zu sein, das ist mir wichtig.
Ich steh dann an dem Grab, in dem meine Mutter seit über 30 Jahren und mein Vater seit knapp drei Jahren liegt. Ich zünde ein Grablicht an, bete ein Vaterunser – und ich erinnere mich an sie. Daran, wie meine Mama mich jeden Morgen umarmt und mir mit dem Daumen ein Segenskreuz auf die Stirn gezeichnet hat, bevor es aus dem Haus ging. Daran, wie mein Papa auch noch im hohen Alter und als er gar nicht mehr viel reden konnte, meine Hand gesucht und gedrückt hat. Natürlich erinnere ich mich nicht nur an meine Eltern, wenn ich an ihrem Grab stehe. Ich denke immer wieder einmal an sie, auch mitten im Alltag. Und trotzdem: Der Friedhof ist ein besonderer Ort der Erinnerung für mich.
Jetzt im November gehen viele Menschen auf die Friedhöfe. Es gibt die besonderen Totengedenktage: Allerheiligen und Allerseelen in der katholischen Kirche, oft werden da die Gräber mit Weihwasser gesegnet. Morgen ist der Volkstrauertag, auch da gibt es Veranstaltungen auf den Friedhöfen. Und nächste Woche begeht die evangelische Kirche den Ewigkeitssonntag. Da werden im Gottesdienst oft die Namen der Verstorbenen aus dem letzten Jahr genannt. Die Friedhöfe im November haben eine besondere Atmosphäre, und ich mag das: Einerseits ist es dunkel und trüb. Und andererseits flackern auf vielen Gräbern Grablichter und es liegen da liebevolle Gestecke aus getrockneten Blumen. Mir tut es gut, mit dem Friedhof einen besonderen Ort für Erinnerung und Trauer zu haben – und auch für Dankbarkeit und Trost.
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Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war von den ersten Klimastreiks 2019. So viele junge Leute waren auf die Straße gegangen, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Es gab bunte und manchmal ziemlich lustige Plakate: „Auch die Dinos damals dachten, sie hätten noch Zeit“, war da zum Beispiel zu lesen. Und es gab diese rhythmischen Rufe aus Frage und Antwort. „What do we want? Climate justice!“, „Was wollen wir? Klimagerechtigkeit!“
Heute gehen wieder international Menschen auf die Straße, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Sie wenden sich vor allem an die Politikerinnen und Politiker, die seit Montag in Brasilien beim UN-Klimagipfel über Klimamaßnahmen verhandeln. Klimagerechtigkeit: Das ist auch dort ein Riesenthema. Denn in den letzten Jahren wurde ja immer deutlicher: In der Klimakrise geht es brutal ungerecht zu. Die Länder, die sie am wenigsten verursachen, müssen am meisten darunter leiden. Vor kurzem war das wieder beim Hurrikan "Melissa" in der Karibik zu sehen.
Klimagerechtigkeit: Darum geht es auch in einem besonderen Brief zum Klimagipfel. Geschrieben haben ihn die katholischen Bischofskonferenzen von Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik. Wenn man so will: der ganze katholische globale Süden. Die Kirche kann nicht stumm bleiben, heißt es da am Anfang. Und weiter: „An der Seite der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und der Verwundbarsten auf diesem Planeten werden wir … die Stimme erheben, bis Gerechtigkeit hergestellt wird.“ Die Bischöfe aus dem Süden haben auch ganz konkrete Forderungen: den Stopp von Investitionen in Öl, Gas oder Kohle zum Beispiel und die Förderung von dezentralen Alternativen. Aber auch die Finanzierung von Klimamaßnahmen durch die reichen Länder aus dem Norden.
Neben großen Forderungen enthält der Brief aber auch einen großen Aufruf: einen Aufruf zu einem „historischen Bündnis“, das Menschen aus dem globalen Süden und dem globalen Norden zusammenbringt, Menschen, die miteinander dafür sorgen wollen, dass es gerecht zugeht auf unserem Planeten. Ich will bei diesem Bündnis mitmachen. Und mich einsetzen für ein gutes Leben für alle auf unserer Erde.
Linktipps:
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43274
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Seit Montag bete ich jeden Morgen ein besonderes Gebet. Ich zünde eine Kerze an und spreche es, ganz bewusst. Es ist das „Gebet für unsere Erde“. Der verstorbene Papst Franziskus hat es geschrieben, 2015, und damals ans Ende seines berühmten Umweltschreibens „Laudato si“ gesetzt. Übrigens ein paar Monate, bevor in Paris der Klimagipfel getagt hat. Jetzt haben kirchliche Umweltinitiativen dazu aufgerufen, dieses „Gebet für unsere Erde“ zu beten, während in Belém in Brasilien wieder der Klimagipfel tagt.
Es ist ein großartiges Gebet, finde ich. Ich hab es auch schon in den letzten zehn Jahren oft gebetet, mit anderen im Gottesdienst oder allein. Es spricht Gott an als eine Kraft, die in der „Weite des Alls“ genauso gegenwärtig ist wie „im kleinsten seiner Geschöpfe“. Gott, so heißt es da, „du umschließt alles, was existiert, mit deiner Zärtlichkeit“.
Die Schöpfung ist so wunderbar und wertvoll – und wir Menschen sollen sie behüten und bewahren. Im Gebet heißt es: „Heile unser Leben, damit wir Beschützer der Welt sind, und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen und nicht Verseuchung und Zerstörung.“
Das „Gebet für unsere Erde“ ist übrigens bewusst nicht nur für Katholikinnen gedacht – der Papst hat sich damals mit seinem Umweltschreiben nicht nur an seine Kirche gewandt, sondern, Zitat, an „jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt“ (LS Nr. 3). Auch die Gebetsinitiative jetzt zum Klimagipfel ist ökumenisch und offen für alle. Denn wir wohnen ja, egal, wie wir glauben und welche Ansichten wir haben, alle auf dieser Erde. Dieser Planet ist unsere gemeinsame Heimat.
Viele Menschen werden in diesen Tagen an den Klimagipfel in Belém in Brasilien denken – und Gebete dorthin schicken, dafür, dass die Verantwortlichen dort zu guten Ergebnissen kommen. Zu Ergebnissen, die unsere Erde wirklich schützen und bewahren. Wer mitbeten möchte: Im Netz findet sich das „Gebet für unsere Erde“ auf der Seite des ökumenischen Netzwerks „Eine Erde“.
Linktipp:
www.netzwerk-eine-erde.de/artikel/Gebet-fuer-unsere-Erde/
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Die Welt ist voller wunderbarer Dinge! Das erleb ich besonders, wenn ich mit Kindern unterwegs bin. In den Sommerferien hab ich einen Tag mit meiner Nichte Paula verbracht, sie ist neun Jahre alt. Es war ein heißer Tag, und wir sind zum Spaziergehen und Geocachen in den Wald gegangen. Geocachen ist so eine Art weltweite Schnitzeljagd, man sucht mit GPS-Daten nach versteckten Dosen. Paula und ich hatten dabei viel Spaß. Und wir sind im Wald immer wieder ins Staunen gekommen. Sie meistens ein bisschen früher als ich.
Plötzlich bleibt sie zum Beispiel stehn und sagt: guck mal, Beate! Auf dem Waldboden tanzt ein Lichtfleck. Durch all die dicken Äste und dichten grünen Zweige über uns hat es die Sonne an dieser Stelle hinunter bis auf die Erde geschafft. Der tanzende Lichtfleck sieht an sich schon toll aus. Und dann hält Paula noch ihre Hände ins Licht und lässt sie mittanzen, formt Tierköpfe mit Maul und Ohren aus ihren Händen. Ich find das wunderbar und staune. Immer wieder stoppen wir an diesem Sommertag im Wald und Paula sagt: guck mal! Sie hat einfach den besseren Blick für Dinge, die uns ins Staunen bringen.
Auch mit anderen Kindern hab ich das erlebt: Meistens sehen ihre Augen besser, wo unsere Welt zum Staunen ist. Oder wo es sich in dieser Welt wunderbar spielen lässt. Vielleicht, weil sie mehr Zeit haben für die Welt und die Wunder darin. Sie rennen noch nicht gehetzt von A nach B, wie wir Erwachsene, sondern schauen sich die Dinge am Wegesrand genauer an.
„Werdet wie die Kinder!“ hat Jesus einmal gesagt. Und vielleicht hat er auch das damit gemeint: Staunt wie die Kinder! Schaut euch die Welt und die Schöpfung mit Kinderaugen an, das leuchtende Grün und die tanzenden Sonnenflecken im Wald! Heute, am Weltkindertag, will ich mich davon inspirieren lassen. Und ein bisschen mehr ins Staunen kommen über unsere Welt!
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