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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

15NOV2025
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Wie das wohl wäre, wenn meine Eltern nicht auf einem Friedhof beerdigt wären, sondern in einem Fluss? In Rheinland-Pfalz gibt es seit dem Herbst ein neues Bestattungsgesetz: Ich kann jetzt auch festlegen, dass meine Asche nach meinem Tod im Rhein oder in der Mosel verstreut werden soll. Aber ehrlich: Für mich wäre das nichts. Und ich bin froh, dass meine Eltern in einem Grab auf dem Friedhof liegen. Ab und zu dort zu sein, das ist mir wichtig.

Ich steh dann an dem Grab, in dem meine Mutter seit über 30 Jahren und mein Vater seit knapp drei Jahren liegt. Ich zünde ein Grablicht an, bete ein Vaterunser – und ich erinnere mich an sie. Daran, wie meine Mama mich jeden Morgen umarmt und mir mit dem Daumen ein Segenskreuz auf die Stirn gezeichnet hat, bevor es aus dem Haus ging. Daran, wie mein Papa auch noch im hohen Alter und als er gar nicht mehr viel reden konnte, meine Hand gesucht und gedrückt hat. Natürlich erinnere ich mich nicht nur an meine Eltern, wenn ich an ihrem Grab stehe. Ich denke immer wieder einmal an sie, auch mitten im Alltag. Und trotzdem: Der Friedhof ist ein besonderer Ort der Erinnerung für mich.

Jetzt im November gehen viele Menschen auf die Friedhöfe. Es gibt die besonderen Totengedenktage: Allerheiligen und Allerseelen in der katholischen Kirche, oft werden da die Gräber mit Weihwasser gesegnet. Morgen ist der Volkstrauertag, auch da gibt es Veranstaltungen auf den Friedhöfen. Und nächste Woche begeht die evangelische Kirche den Ewigkeitssonntag. Da werden im Gottesdienst oft die Namen der Verstorbenen aus dem letzten Jahr genannt. Die Friedhöfe im November haben eine besondere Atmosphäre, und ich mag das: Einerseits ist es dunkel und trüb. Und andererseits flackern auf vielen Gräbern Grablichter und es liegen da liebevolle Gestecke aus getrockneten Blumen. Mir tut es gut, mit dem Friedhof einen besonderen Ort für Erinnerung und Trauer zu haben – und auch für Dankbarkeit und Trost.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

14NOV2025
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Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war von den ersten Klimastreiks 2019. So viele junge Leute waren auf die Straße gegangen, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Es gab bunte und manchmal ziemlich lustige Plakate: „Auch die Dinos damals dachten, sie hätten noch Zeit“, war da zum Beispiel zu lesen. Und es gab diese rhythmischen Rufe aus Frage und Antwort. „What do we want? Climate justice!“, „Was wollen wir? Klimagerechtigkeit!“

Heute gehen wieder international Menschen auf die Straße, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Sie wenden sich vor allem an die Politikerinnen und Politiker, die seit Montag in Brasilien beim UN-Klimagipfel über Klimamaßnahmen verhandeln. Klimagerechtigkeit: Das ist auch dort ein Riesenthema. Denn in den letzten Jahren wurde ja immer deutlicher: In der Klimakrise geht es brutal ungerecht zu. Die Länder, die sie am wenigsten verursachen, müssen am meisten darunter leiden. Vor kurzem war das wieder beim Hurrikan "Melissa" in der Karibik zu sehen.

Klimagerechtigkeit: Darum geht es auch in einem besonderen Brief zum Klimagipfel. Geschrieben haben ihn die katholischen Bischofskonferenzen von Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik. Wenn man so will: der ganze katholische globale Süden. Die Kirche kann nicht stumm bleiben, heißt es da am Anfang. Und weiter: „An der Seite der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und der Verwundbarsten auf diesem Planeten werden wir …  die Stimme erheben, bis Gerechtigkeit hergestellt wird.“ Die Bischöfe aus dem Süden haben auch ganz konkrete Forderungen: den Stopp von Investitionen in Öl, Gas oder Kohle zum Beispiel und die Förderung von dezentralen Alternativen. Aber auch die Finanzierung von Klimamaßnahmen durch die reichen Länder aus dem Norden.

Neben großen Forderungen enthält der Brief aber auch einen großen Aufruf: einen Aufruf zu einem „historischen Bündnis“, das Menschen aus dem globalen Süden und dem globalen Norden zusammenbringt, Menschen, die miteinander dafür sorgen wollen, dass es gerecht zugeht auf unserem Planeten. Ich will bei diesem Bündnis mitmachen. Und mich einsetzen für ein gutes Leben für alle auf unserer Erde.

 

 

Linktipps:

https://www.netzwerk-eine-erde.de/export/sites/eine-erde/.galleries/dokumente/250910_CELAM-FABC-SECAM_Aufruf-Klimagerechtigkeit_final.pdf

 

https://katholisch.de/artikel/64224-kirche-wird-nicht-schweigen-bischoefe-mit-dramatischem-klima-appell

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

13NOV2025
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Seit Montag bete ich jeden Morgen ein besonderes Gebet. Ich zünde eine Kerze an und spreche es, ganz bewusst. Es ist das „Gebet für unsere Erde“. Der verstorbene Papst Franziskus hat es geschrieben, 2015, und damals ans Ende seines berühmten Umweltschreibens „Laudato si“ gesetzt. Übrigens ein paar Monate, bevor in Paris der Klimagipfel getagt hat. Jetzt haben kirchliche Umweltinitiativen dazu aufgerufen, dieses „Gebet für unsere Erde“ zu beten, während in Belém in Brasilien wieder der Klimagipfel tagt.

Es ist ein großartiges Gebet, finde ich. Ich hab es auch schon in den letzten zehn Jahren oft gebetet, mit anderen im Gottesdienst oder allein. Es spricht Gott an als eine Kraft, die in der „Weite des Alls“ genauso gegenwärtig ist wie „im kleinsten seiner Geschöpfe“. Gott, so heißt es da, „du umschließt alles, was existiert, mit deiner Zärtlichkeit“.

Die Schöpfung ist so wunderbar und wertvoll – und wir Menschen sollen sie behüten und bewahren. Im Gebet heißt es: „Heile unser Leben, damit wir Beschützer der Welt sind, und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen und nicht Verseuchung und Zerstörung.“

Das „Gebet für unsere Erde“ ist übrigens bewusst nicht nur für Katholikinnen gedacht – der Papst hat sich damals mit seinem Umweltschreiben nicht nur an seine Kirche gewandt, sondern, Zitat, an „jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt“ (LS Nr. 3). Auch die Gebetsinitiative jetzt zum Klimagipfel ist ökumenisch und offen für alle. Denn wir wohnen ja, egal, wie wir glauben und welche Ansichten wir haben, alle auf dieser Erde. Dieser Planet ist unsere gemeinsame Heimat.

Viele Menschen werden in diesen Tagen an den Klimagipfel in Belém in Brasilien denken – und Gebete dorthin schicken, dafür, dass die Verantwortlichen dort zu guten Ergebnissen kommen. Zu Ergebnissen, die unsere Erde wirklich schützen und bewahren. Wer mitbeten möchte: Im Netz findet sich das „Gebet für unsere Erde“ auf der Seite des ökumenischen Netzwerks „Eine Erde“.

 

 

Linktipp:

www.netzwerk-eine-erde.de/artikel/Gebet-fuer-unsere-Erde/

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

20SEP2025
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Die Welt ist voller wunderbarer Dinge! Das erleb ich besonders, wenn ich mit Kindern unterwegs bin. In den Sommerferien hab ich einen Tag mit meiner Nichte Paula verbracht, sie ist neun Jahre alt. Es war ein heißer Tag, und wir sind zum Spaziergehen und Geocachen in den Wald gegangen. Geocachen ist so eine Art weltweite Schnitzeljagd, man sucht mit GPS-Daten nach versteckten Dosen. Paula und ich hatten dabei viel Spaß. Und wir sind im Wald immer wieder ins Staunen gekommen. Sie meistens ein bisschen früher als ich.

Plötzlich bleibt sie zum Beispiel stehn und sagt: guck mal, Beate! Auf dem Waldboden tanzt ein Lichtfleck. Durch all die dicken Äste und dichten grünen Zweige über uns hat es die Sonne an dieser Stelle hinunter bis auf die Erde geschafft. Der tanzende Lichtfleck sieht an sich schon toll aus. Und dann hält Paula noch ihre Hände ins Licht und lässt sie mittanzen, formt Tierköpfe mit Maul und Ohren aus ihren Händen. Ich find das wunderbar und staune. Immer wieder stoppen wir an diesem Sommertag im Wald und Paula sagt: guck mal! Sie hat einfach den besseren Blick für Dinge, die uns ins Staunen bringen.

Auch mit anderen Kindern hab ich das erlebt: Meistens sehen ihre Augen besser, wo unsere Welt zum Staunen ist. Oder wo es sich in dieser Welt wunderbar spielen lässt. Vielleicht, weil sie mehr Zeit haben für die Welt und die Wunder darin. Sie rennen noch nicht gehetzt von A nach B, wie wir Erwachsene, sondern schauen sich die Dinge am Wegesrand genauer an.

„Werdet wie die Kinder!“ hat Jesus einmal gesagt. Und vielleicht hat er auch das damit gemeint: Staunt wie die Kinder! Schaut euch die Welt und die Schöpfung mit Kinderaugen an, das leuchtende Grün und die tanzenden Sonnenflecken im Wald! Heute, am Weltkindertag, will ich mich davon inspirieren lassen. Und ein bisschen mehr ins Staunen kommen über unsere Welt!

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19SEP2025
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Vor zwei Wochen war ich in einem Gottesdienst, an dem nicht nur Menschen teilgenommen haben. Sondern auch drei Hunde und eine ganze Schar von Stofftieren. Es war ein so genannter Schöpfungsgottesdienst. Jetzt im September feiern die christlichen Kirchen die Schöpfungszeit. Sie laden dazu ein, die Schöpfung besonders wahrzunehmen und auch zu schützen. In diesem Jahr lautet das Motto: „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“ (Psalm 36,7). Das ist ein Satz aus der Bibel, aus den Psalmen.

Er steht für viele Geschichten aus der Bibel, die klarmachen: Tiere haben bei Gott einen hohen Stellenwert. Sie wurden immerhin vor dem Menschen erschaffen, sagt zum Beispiel die Schöpfungserzählung. Gott gibt den Menschen den Auftrag, sich um die Tiere und um das Leben auf der ganzen Erde zu kümmern und es zu behüten. Und als Noah in die Arche steigt, sagt Gott: Nimm von jeder Tierart ein Paar mit! So sorgt Gott dafür, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere gerettet werden vor der großen Flut, die da kommt.

In unserem Schöpfungsgottesdienst vor zwei Wochen gab es entsprechend auch einen Segen für die Hunde und sogar für die Stofftiere. Segen, der sagt ja Gutes von Gott zu, und so hieß es auch für die Tiere: Bleib gesund! Hab ein gutes Leben mit den Menschen und den Kindern, mit denen du zusammenbist! Tiersegen gibt es übrigens schon seit langer Zeit, auch Pferde und Katzen, Kühe und Schweine werden an manchen Orten gesegnet.

In so einem Segensgebet heißt es auch: „Lass uns Menschen zum Segen werden für die Tiere, lass uns gut mit ihnen umgehen!“ Das war auch Thema bei unserem Gottesdienst. Wie können wir Tiere besser schützen? Nicht nur unsere Haustiere. Sondern auch die Nutztiere, Tiere, die uns Milch liefern oder die wir sogar essen. „Gott, du hilfst Menschen und Tieren.“ Der Satz kann auch dazu inspirieren, weniger oder gar kein Fleisch zu essen. Und die Tiere noch stärker zu sehen als das, was sie nach der Bibel sind: Lebewesen, denen Gott hilft.

 

 

Linktipp: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2025-01/vatikan-kardinal-gambetti-segen-tiere-gedenktag-heilig-antonius.html

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

18SEP2025
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Heute werde ich eine Kerze anzünden für eine Kollegin. Sie hat eine Darmspiegelung, keine große Sache, aber ein bisschen Sorgen macht man sich doch. Und da will ihr sagen: Ich denk an dich! Und ich sag auch dem lieben Gott, er soll an dich denken und dich behüten.

Eine Kerze für jemanden anzünden: Ich mach das immer wieder einmal. Manchmal geh ich dafür in eine Kirche. Manchmal, wenn die Zeit nicht reicht, zünd ich auch einfach zuhause eine an. Wenn ich dann einem nahen Menschen eine sms oder whatsapp schicke: „Ich hab für dich eine Kerze angezündet“, dann weiß ich: Die Kollegin oder auch der Freund, die Tante, die freut sich. Und ich freu mich auch: Weil diese Kerze uns verbindet. Und ein Netz aus guten Gedanken und Gebeten webt.

Die Anlässe zum Kerzeanzünden sind ganz unterschiedlich: Das kann die Darmspiegelung der Kollegin sein oder auch die Augen-OP eines Freundes. Ich zünd manchmal eine Kerze an, wenn ich weiß: Das Patenkind hat heute eine schwierige Prüfung. Oder die Tante trauert um den Onkel, der heute Todestag hat. Oder auch: Menschen, die mir etwas bedeuten, gehen auf eine längere Reise. Ich kann mich erinnern: Das haben schon meine Eltern damals in meiner Kindheit gemacht. Wenn jemand zu einer längeren Fahrt aufgebrochen ist, wurde ein Kerzchen angezündet.

Das hat übrigens nichts mit Aberglauben oder Magie zu tun. Es heißt nicht: Jetzt kann dir nichts mehr passieren. Aber vielleicht ist der Freund in seinem Auto sogar ein bisschen vorsichtiger unterwegs, wenn er weiß: Da sorgt sich jemand um mich. Und diejenigen, die Heilung brauchen, spüren hoffentlich Balsam für Körper und Seele durch so ein: Ich denke an dich! Ich bete für dich!

Mir jedenfalls geht es so, wenn umgekehrt mir jemand so eine Nachricht schickt. Und ein Kerzchen angezündet hat. Es tut einfach gut, mit Sorgen oder Trauer nicht allein zu sein. Sondern zu wissen: Jemand denkt an mich. Eine Kerze, die jemand für mich anzündet, sagt genau das: Gott ist da. Und Gott behütet dich.

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22MRZ2025
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Was hat ein kleiner Laden in der Mainzer Innenstadt mit norwegischer Küstenlandschaft zu tun? Für mich ganz viel. Ich war schon in Norwegen und fand die Landschaft dort wahnsinnig beeindruckend. Unberührte Natur - dachte ich. Dann hab ich vor ein paar Wochen einen Film gesehen. „Northdrift“ heißt der. Wunderschöne norwegische Landschaft wurde dort gezeigt – aber eben auch, was sie bedroht: Plastikabfälle und Getränkedosen. Sie vermüllen dort ganze Küstenstreifen. Aus der ganzen Welt, aber eben auch von uns, aus Deutschland wird der Müll durch Meeresströmungen dorthin getrieben. Die Filmemacher haben zeigen können: Eine leere Bierdose kann von Dresden bis zur Inselgruppe der Lofoten gelangen. Fast 3000 Kilometer sind das.

Mich hat der Film sehr berührt. Und ich hab mich gefragt: Was kann ich dagegen tun, dass unser Plastikmüll in Norwegen die Natur zerstört? Und da kommt eben der kleine Laden in der Mainzer Innenstadt ins Spiel. Es ist ein so genannter „Unverpackt“-Laden. Haferflocken, Nudeln, Linsen, Klopapier und vieles mehr, was ich ständig brauche, kann ich dort ganz ohne Verpackung kaufen. Ich bringe Gläser und Taschen mit, ein paar haben sie dort auch immer vorrätig, und dann fülle ich alles darin ab. Das wird dann gewogen – und der Inhalt gezahlt. Ich hab beschlossen: Ich will dort möglichst viel einkaufen. Plastik wird zwar bei uns in Deutschland auch gesammelt und recycelt. Aber einiges gelangt eben doch noch in die Umwelt. Am allerbesten ist es, erst gar keinen Verpackungsmüll zu produzieren.

Mir macht das mittlerweile richtig Spaß: Meine Küchen- und Bad-Vorräte dort im Unverpackt-Laden zu kaufen. Viel teurer als anderswo sind die Sachen übrigens nicht: Mein großes Glas Bio-Haferflocken bekomm ich für 1,80 Euro. Ich hab dabei das gute Gefühl: Ich unterstütze einen kleinen, regionalen Laden in Mainz. Und ich tue etwas dafür, dass die norwegische Landschaft, die ich so wunderbar finde, sauberer bleibt. Weniger Plastik bei mir in Mainz – und weniger Plastik in den Meeren und an den Küsten weltweit.

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21MRZ2025
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Keine Panik! Tief durchatmen! Das sag ich mir manchmal selbst, wenn ich merke, dass mich Unruhe und Angst packen. Zum Beispiel, wenn die Dinge, die ich dringend zu erledigen hab, einfach zu viel werden und wie ein Berg vor mir stehen. In letzter Zeit hat mich auch die politische Lage in unserem Land und auf der Welt in größere Unruhe versetzt. Wie soll das weitergehn mit diesem US-Präsidenten, der so unberechenbar und ohne Mitleid handelt? Und wie soll das weitergehn in unserem Land, in dem die rechtsextremen Kräfte immer stärker werden? Ich spür manchmal, dass ich bei all den angstvollen Gedanken flacher und schneller atme und mein Herz rascher klopft. Es hilft dann wirklich, mir zu sagen: Keine Panik! Tief durchatmen!

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche in diesem Jahr gefällt mir deswegen besonders gut. Das Motto lautet: Luft holen! 7 Wochen ohne Panik. Ja, das will ich auch in den nächsten Wochen bis Ostern ganz bewusst und immer wieder tun: Tief Luft holen, mich aufrichten, durchatmen, wieder Ruhe zurückgewinnen. Ich glaube, dass mir auch mein Glaube dabei helfen kann. Gott ist an meiner Seite, auch wenn ich Angst habe, wenn sich meine Kehle zuschnürt. „Fürchte dich nicht!“ sagt Gott und sagt auch Jesus immer wieder. Schon in der Schöpfungsgeschichte der Bibel heißt es: Gott formte den Menschen und blies in seine Nase den Lebensatem (vgl. Genesis / 1 Mose 2,7). Und von Jesus wird erzählt: Er haucht seine Jünger an und sagt zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! (vgl. Johannes-Evangelium 20,22)

Bibellesen, beten und meditieren: Auch das hilft mir, weniger Panik zu haben. Und wenn ich dann Ruhe zurückgewonnen habe, kann ich auch wieder besser denken und handeln. Auch gegen die Angst: Schritt für Schritt kann ich dann dringende Dinge erledigen. Oder mich engagieren gegen Hassrede und Rechtsextremismus. Ohne Panik und mit neuem Lebensatem.

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20MRZ2025
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Heute ist Frühlingsanfang, wie wunderbar! Das erste zarte Grün an Bäumen und Sträuchern: Wie ich das jedes Jahr genieße! Und dieses Jahr besonders! Es ist so schön, wenn die Natur langsam wieder Farbe ansetzt, nach all den kahlen und dunklen Wintermonaten. Ich fand den Winter besonders hart. Nicht nur wegen der kalten und kahlen Zeiten in der Natur. Auch wegen der kalten Zeiten in unserer Gesellschaft und Politik.

Ich freu mich deswegen besonders über das erste Grün in der Natur. Grün ist ja auch die Farbe der Hoffnung. Mit dem Grün bricht endlich wieder Leben und Lebendigkeit hervor. Im Winter kann ich das manchmal kaum glauben, da packt mich ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit: Ob die kahlen Bäume hinter meinem Haus wirklich wieder grün und blühend werden können? Und auch jetzt kommt das Grün oft noch ganz klein und zart daher. Aber ich weiß eben: Es wird wachsen. Das Leben wird sich durchsetzen.

Die Bibel vergleicht das erste Grün in der Natur mit den Veränderungen in der Welt. Mit dem Beginn des Reiches Gottes, in dem Gerechtigkeit, Nächstenliebe und gerechter Frieden herrschen werden. Im Lukas-Evangelium heißt es: „Sobald ihr merkt, dass die Bäume Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, [...] dass das Reich Gottes nahe ist.“ (Lk 21,30-31)

Ja, es gibt für mich auch in der Gesellschaft so etwas wie zartes Grün. Wenn ich sehe: Menschen stützen und helfen sich gegenseitig, auch die Fremden in ihrer Mitte. Und Menschen legen sich ins Zeug für die Natur und für den Klimaschutz. Für mehr Bäume in den Städten zum Beispiel – damit wir auch hier das erste Grün genießen können.

Die zartgrünen Blätter an den Bäumen und die zarten Zeichen von Nächstenliebe und Zusammenhalt: Die geben mir Hoffnung. Hoffnung darauf, dass auch in unserer Gesellschaft die kalten Zeiten vorbeigehen können. Und Leben und Liebe sich durchsetzen werden.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

14DEZ2024
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Ja, auch ich werde mich heute in die Geschäfte werfen und das eine oder andere Weihnachtsgeschenk kaufen. Aber eigentlich mag ich diese Großkampf-Einkaufstage vor Weihnachten nicht. Und ich bin froh, wenn ich sie ein bisschen reduzieren kann.

Mein Rezept lautet da mittlerweile: Spenden verschenken statt Einkaufsstress. Vor etlichen Jahren schon haben wir in der Familie beschlossen: Wir schenken uns unter den Erwachsenen nichts mehr zu Weihnachten, es gibt nur noch was für die Nichten und Neffen. Stattdessen überlegen wir, für welchen guten Zweck wir etwas spenden könnten. Und da gibt es ja viele Möglichkeiten. Es gibt so großartige Hilfswerke, die Menschen in bitterarmen Regionen dieser Welt unterstützen und ihnen Hoffnung geben. Vor allem den Kindern und Jugendlichen.

Adveniat zum Beispiel, das katholische Hilfswerk für Lateinamerika. Jetzt im Advent hat es seine besondere Aktionszeit. Adveniat klingt ja auch ein bisschen wie Advent, beides bedeutet: Ankunft, die Ankunft des Jesuskindes und die Ankunft des Reiches der Gerechtigkeit, das dieser Jesus schaffen will.

Adveniat unterstützt zum Beispiel Jugendliche im Südwesten Kolumbiens, die Angst haben vor der Gewalt auf der Straße. Es hat für sie ein Jugendzentrum geschaffen, in dem sich die jungen Leute sicher fühlen, einen Zufluchtsort finden. Ich will etwas spenden für die Jugendlichen in Kolumbien – und es meinen Geschwistern zu Weihnachten schenken (vgl. https://adveniat.de/spendenaufruf-zukunft-fuer-die-jugend-in-lateinamerika/).

Ich finde es einfach gut, im Advent nicht nur an den eigenen Konsum und die eigenen Wünsche zu denken. Sondern auch an Gerechtigkeit weltweit. Das ist ja auch die eigentliche Weihnachtsbotschaft: Ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit soll kommen. Und wir Menschen können dazu beitragen. Spenden, das geht heutzutage ja ganz leicht im Internet, von zuhause aus. Ich muss mich also, wenn ich eine Spende verschenke, auch nicht in die vollen Geschäfte werfen. Meinen Vorweihnachtsstress kann ich so ein bisschen reduzieren. Aber Gerechtigkeit und Frieden auf der Welt: die können dafür wachsen.

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