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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20JUN2026
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Demnächst feiere ich mit meiner Gemeinde wieder einen Gottesdienst in Form eines Waldspaziergangs. Wir gehen gemeinsam ein Stück, bleiben stehen, hören einen Psalm, meditieren einen Bibelvers, tauschen uns aus und lassen die Natur auf uns wirken.

Bei einem der letzten Waldspaziergänge haben wir die Baumwurzeln in den Blick genommen. Manche weit verzweigt und stabil. Andere trocken und freiliegend.

Was sofort ins Auge fällt: die Wurzeln verankert den Baum. Sie geben Stabilität und versorgen ihn mit Nährstoffen. Je nährstoffreicher der Boden, desto kräftiger kann der Baum wachsen. Auch wenn die Baumkronen zuerst in den Blick fallen, mich faszinieren die Wurzeln.

Über Wurzeln schreibt auch Paulus im Brief an die Epheser. Er wünscht ihnen, dass sie „in der Liebe verwurzelt und fest auf ihr gegründet“ sind. So wie ein Baum Nährstoffe aus dem Boden zieht, um leben und wachsen zu können, so brauchen auch wir Menschen Nahrung für die Seele.Und im Wald stehend haben wir über die Fragen nachgedacht:

Worin sind wir verwurzelt? Auf welchem Boden stehen wir? Was nährt uns?
Leistungsdruck, Erwartungen, Erfolg, Zustimmung anderer? Nachrichten, Social Media, ständige Vergleiche?

Paulus empfiehlt etwas anderes: verwurzelt sein in Liebe. In Jesu Liebe. Ein Baum zieht seine Kraft aus dem Boden, in dem er verwurzelt ist. Davon lebt er. Vielleicht gilt das auch für uns Menschen.

Was ich täglich aufnehme, prägt wie ich denke und was ich fühle. Angst. Druck. Erwartungen. Oder eben Liebe. Paulus schreibt: „Seid in der Liebe verwurzelt.“

Denn woraus ich meine Kraft ziehe, das formt mein Leben. Und vielleicht lohnt es sich deshalb heute einmal innezuhalten und mich zu fragen: Was nährt mich eigentlich? Worin habe ich meine Wurzeln gegraben?

Beim nächsten Waldspaziergang werde ich vermutlich wieder auf die Baumwurzeln achten. Auf das Unsichtbare, das den Baum trägt und wachsen lässt. Und vielleicht ist das eine gute Erinnerung auch für mich: Darauf zu achten, womit ich meine Seele nähre. Denn das, worin ich verwurzelt bin, prägt mein Leben.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

19JUN2026
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Ich sitze in der Achterbahn. Die Bügel sind verschlossen, die Musik spannungsgeladen, die Lichter blinken. Das Adrenalin schießt durch meinen Körper. Die Sekunden dehnen sich aus. Gleich geht’s los.

Und dann: Start. Von Null auf Hundert in Zweieinhalb Sekunden, hinein in Loopings, Drehungen und Schrauben. Für Zwei Minuten Zwanzig bin ich geflutet mit Euphorie. Alles andere rückt in den Hintergrund und ich genieße die Fahrt.

Die Fahrt endet leider immer viel zu schnell. Doch egal, ob ich davor gestresst war oder was mich sonst so beschäftigt hat: in diesen Momenten nach der Achterbahnfahrt bin ich glücklich. Ich lächle ganz von selbst. Fühle mich wie berauscht.Diese Zwei Minuten Zwanzig Adrenalinrausch, diese kurze und intensive Zeit, die haben was mit mir gemacht. Ich gehe nicht so raus, wie ich reingegangen bin. Diese Zwei Minuten Zwanzig hinterlassen Spuren.

Gott zu begegnen ist für mich manchmal wie eine Achterbahnfahrt. Von 0 auf 100 habe ich das Gefühl: Gott ist da. Gottes Gegenwart ist genauso wenig kontrollierbar, wie es eine Achterbahnfahrt ist. Aber intensiv.

Für diese ausgedehnten Minuten und Sekunden, in denen ich so intensiv Gott spüre, tritt Anderes zurück. Gedanken verstummen. Sorgen werden leise. Solche Momente lassen sich schwer festhalten. Sie dauern oft nicht lange. Manchmal ist es ein Lied oder ein Satz, der mich mitten ins Herz trifft.

Vielleicht sind Gottesbegegnungen oft genau so: kurz, intensiv und kaum in Worte zu fassen. Und doch reicht so eine kurze Erfahrung, um etwas in mir zu verändern. Ich gehe nie so raus, wie ich reingegangen bin. Ich habe mehr Hoffnung. Mehr Vertrauen. Und das bleibende Gefühl, dass Gott mit mir geht.

Und manchmal bleibt nach einer Gottesbegegnung ein Lächeln in meinem Gesicht. So, wie ich nach dem Achterbahnfahren gar nicht anders kann, als zu lächeln.

Die Achterbahnfahrt dauert nur Zwei Minuten Zwanzig, das Gefühl danach bleibt länger. Vielleicht ist das bei Gottesbegegnungen ähnlich. Sie lassen sich nicht festhalten, nicht planen und auch nicht erzwingen. Aber manchmal berühren sie mich für einen Augenblick so tief, dass etwas davon bleibt. Hoffnung, Vertrauen. Oder einfach das Gefühl: Gott ist bei mir.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

18JUN2026
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Kennen Sie solche Orte? Man kommt durch die Tür und irgendwas ist anders. Der Alltagslärm wird leiser und die Gedanken sortieren sich neu. So einen „anderen Raum“ zu gestalten, das war die Idee, als meine Gemeinde vor dreizehn Jahren ihr neues Kirchengebäude baute.

Räume für Besinnung und Spiritualität sollte es haben, ebenso Räume für Begegnung. Soweit so normal. Doch was das Haus wirklich zu etwas Besonderem und Andersartigen macht, das sind die Lehmwände. Denn meine Kirche ist aus Lehm gestampft.

Es ist ein ungewöhnlicher Raum: Schicht um Schicht türmen sich die Lehmschichten sieben Meter zwanzig in die Höhe, bis sie auf die Oberlichter des Dachs treffen.

Je nach Tages- und Jahreszeit fällt das Licht anders auf die Wände und lässt sie ganz unterschiedlich wirken. Mal gräulich und schroff. Mal erdig und warm.

Viele Menschen meiner Gemeinde haben an ihrer Kirche mitgebaut. Sie haben Lehm gestampft, geschleppt, geschraubt und geplant.

Die Wände erzählen von den vielen unterschiedlichen Hände, die sie geformt haben. Kein Teil dieser Wand sieht exakt aus wie ein anderer. Die Lehmwand ist individuell und vielfältig.Und trotzdem ist etwas Gemeinsames entstanden. Ein Raum, in dem wir uns Sonntag um Sonntag versammeln, um Gottesdienst zu feiern.

Wenn ich dort sitze, denke ich manchmal, dass diese Wände auch etwas über Gemeinschaft erzählen.

Kein Teil der Lehmwand gleicht exakt dem anderen. Jede Schicht hat ihre eigene Farbe und ihre eigene Struktur. Manche Stellen sind glatt, andere rau. Hier und da sind kleine Steine sichtbar. An anderes Stellen ist etwas Lehm herausgerieselt. Und gerade das macht ihren Reiz aus.

Vielleicht ist es das, was Gemeinschaften wie eine Gemeinde ausmacht. Menschen sind unterschiedlich. Sie bringen verschiedene Begabungen, Erfahrungen und Sichtweisen mit. Nicht alles ist gleichmäßig und perfekt.

Und doch entsteht etwas Gemeinsames. Ein Raum des Glaubens. Ein Ort, an dem Menschen miteinander Gott suchen, beten, feiern und einander tragen.

Die Lehmwand erinnert mich daran, dass Gemeinschaft nicht dort entsteht, wo alle gleich sind. Sondern dort, wo unterschiedliche Menschen sich zusammenfügen lassen – so wie die vielen Schichten unserer Wand.

Viele Menschen haben unser Kirchengebäude gebaut und bilden in ihrer Unterschiedlichkeit eine Gemeinschaft. Und manchmal entsteht gerade aus dem, was verschieden ist, etwas, das trägt.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

17JUN2026
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Eigentlich war die Woche komplett durchgeplant. Der Kalender war voller Termine und die Liste der Aufgaben war lang. Ich dachte: Volle Woche, aber wird schon irgendwie werden. Und dann kam die Vollbremsung.

Ein Anruf mit einer Nachricht, die mich vollkommen erschüttert hat. Alles, was ich kurz vorher für diese Woche noch im Kopf hatte, schob sich in den Hintergrund. Und schnell wurde mir klar: So professionell ich sein möchte und so sehr ich meinen ursprünglichen Wochenplan weiterverfolgen will – es geht gerade nicht. Ich brauche Zeit.

Es gibt solche Momente. Eigentlich müsste noch so viel erledigt werden. Fristen laufen und Menschen verlassen sich auf mich. Und trotzdem gibt es Ausnahmesituationen, in denen ich nicht mehr einfach das durchziehen kann, was ursprünglich geplant war.

Natürlich kann ich vieles aushalten. Ich kann sonntags auf der Kanzel stehen, obwohl ich eine miese Woche hatte und schlecht geschlafen habe. Ich kann den Sorgen anderer zuhören, obwohl mich eigene Sorgen beschäftigen. Ich weiß, dass ich auch unter Belastung funktioniere. Das ist eine wichtige Fähigkeit. Aber sie hat Grenzen.

Lange Zeit fiel es mir schwer diese Grenze wahrzunehmen und für mich zu sorgen. Wer belastbar ist, zieht eben durch. Wer stark ist, macht weiter. Inzwischen versuche ich das anders zu leben. Ich bin ein Mensch. Und Menschen haben Grenzen. Es tut gut, sie wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Und zwar rechtzeitig. Bevor ich nicht mehr kann.

Der Apostel Paulus ist mir da ein Vorbild. Er hat selbst erlebt, dass seine Kräfte begrenzt sind. Und er hört von Gott einen Satz: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12,9)

Gottes Kraft zeigt sich nicht erst dann, wenn ich alles im Griff habe. Sie zeigt sich oft gerade dort, wo ich merke, dass ich jenseits meiner Grenzen bin. Das therapiert meinen Gedanken, immer stark sein zu müssen und alles alleine schaffen zu müssen.

Ich wünsche mir und allen, die Vollbremsungen erleben den Mut, Grenzen ernst zu nehmen. Und das Vertrauen, dass Gottes Kraft nicht nur dort wirkt, wo ich stark bin. Sondern manchmal gerade da, wo ich es nicht bin.

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13AUG2025
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Es ist der 13. August 2002. Ich war mit meiner Mutter auf einem Krankenhausbesuch auf der anderen Flussseite meiner Heimatstadt und auf dem Heimweg regnete es in Strömen. Wir waren gerade wieder zu Hause angekommen, als im Küchenradio vom Hochwasser berichtet wurde. Die tagelangen extremen Regenfälle hatten die Wege und Brücken um den Fluss herum unpassierbar gemacht.

Wären wir nur eine halbe Stunde später von unserem Krankenbesuch aufgebrochen, hätten wir tagelang keine Chance mehr gehabt, nach Hause zu kommen. Denn die Straße, die wir hätten fahren müssen, war vollkommen überflutet. Und die Menschen auf der anderen Seite des Flusses waren für uns nun unerreichbar.

Vielleicht kennen Sie das: man will mit jemandem reden, auf die andere Person zugehen, etwas klären – doch es geht einfach nicht. Der Weg zueinander ist unpassierbar geworden.

Ein Streit, der schon lange schwelt, Worte, die verletzt haben, zu lang andauerndes Schweigen – all das macht es kompliziert. Wenn Gesprächswege überflutet und zwischenmenschliche Brücken beschädigt sind, ist es wirklich schwierig, zueinander zu kommen. Wie finden wir dann aber passierbare Wege? Wie können wir wieder zueinander kommen? Die Bibel macht uns Mut, von uns aus Frieden zu suchen.

„Lebt mit allen Menschen in Frieden –
soweit das möglich ist und es an euch liegt.“

So steht es im Römerbrief Kapitel zwölf, Vers 18. Das bedeutet nicht, dass wir immer mit allen Menschen in Frieden leben. Schön wäre das, aber leider utopisch. Dieser Vers lädt uns ein, das zu tun, was wir tun können. Damit Wege und Brücken zueinander wieder passierbar werden. Einen ersten Schritt gehen. Alten Groll loslassen. Einen Anruf wagen. Ein Gebet sprechen. Selbst wenn die andere Seite noch nicht bereit ist.

„Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.“ – so steht es in der Bibel und es wird deutlich: wir selbst haben nicht alles in der Hand.

Aber wir können entscheiden, ob wir überhaupt anfangen die Brücken und Wege unserer zwischenmenschlichen Beziehungen zu reparieren und wieder passierbar zu machen. Gott kann uns dabei helfen, die Stelle zu finden, an der wir anfangen können. Vielleicht fängt es klein an, doch wichtig ist ja, dass wir anfangen.

Nach dem Hochwasser 2002 wurden zunächst Behelfsbrücken und -straßen installiert. Es dauerte lange, bis alles wieder repariert war. Und trotzdem: die Wege und Brücken wieder passierbar zu machen, war wichtig. Damit Menschen wieder zueinander finden konnten. Mit Gottes Hilfe können wir tragfähige Brücken und vertrauenswürdige Wege bauen. Und vielleicht ergibt sich ja heute die Chance, damit zu beginnen.

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12AUG2025
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Der 12. August ist internationaler Tag der Jugend.

Heute sehe ich sie nicht, die Jugendlichen meiner Gemeinde, doch nach den Sommerferien sind wir wieder jeden Mittwoch beisammen. Dann trifft sich die Jugendgruppe und alle erzählen davon, was sie in der vergangenen Woche erlebt haben. Seit 7 Jahren bin ich nun Pastorin. Auch, wenn die Jugendlichen mit der Zeit gewechselt haben, ein Thema ist geblieben: Stress und Druck.

Dieser Druck geht nicht nur von den Eltern oder von der Schule aus. Sie machen sich Druck, es perfekt zu machen. Und wenn ich auf die letzten Jahre schaue, höre ich von den Jugendlichen auch immer wieder die Sorge um die Erde und wie sie unter den Nachwirkungen der Pandemie leiden.

Was können wir tun, um Jugendliche zu unterstützen und zu ermutigen?

Die Jugendlichen spüren den Druck in sich. Ich wünsche mir, dass wir in der Gesellschaft diesen Druck nicht unnötig verstärken. Vollkommen nehmen können wir als Erwachsene den Druck nicht. Das wäre wahrscheinlich auch nicht gut. Denn bis zu einem bestimmten Grad hilft er auch. Nur wird es irgendwann zu viel.

Was wäre, wenn wir den Jugendlichen vermitteln können: Du bist angenommen. Geliebt. Genug. Gut, so wie du bist. Das als Jugendliche zu hören und zu verinnerlichen, tut wahnsinnig gut. Nicht nur Jugendlichen, auch uns Erwachsenen.

Vor einiger Zeit war in meinem Briefkasten eine Postkarte. „Du bist perfekt!“, stand drauf. Natürlich ist klar, dass keiner von uns fehlerlos ist. Doch das war nicht die Botschaft der Postkarte. Es ging darum, dass wir in Gottes Augen perfekt sind.

Gott hat uns alle wunderbar gemacht. In Psalm 139 kommt das zum Ausdruck. Dort betet einer zu Gott und sagt: „Ich danke dir und staune, dass ich so wunderbar geschaffen bin.“ Gott hat jeden Menschen perfekt geschaffen. Perfekt heißt hier: vollständig geliebt, angenommen und wertvoll.

Für die Jugendlichen konkret bedeutet es zum Beispiel, dass ihr Wert nicht davon abhängt, wie erfolgreich sie gerade in der Schule sind oder wie rund es mit Freundin, Freund oder Familie läuft. Sie sind gut, so wie sie sind.

Als Erwachsene können wir ihnen das vorleben. Mit Druck und Stress umgehen zu lernen, ist eine lebenslange Herausforderung. Doch wir als Erwachsene können Jugendliche unterstützen. Ihnen vermitteln: Du bist gut, so wie du bist.

Angenommen und geliebt. Das anzunehmen und zu glauben mag herausfordernd sein, egal ob jugendlich oder schon erwachsen. Ich hoffe, dass wir den heutigen Tag der Jugend zum Anlass nehmen können, Jugendlichen zu ermutigen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

11AUG2025
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Heute vor 26 Jahren gab es in Deutschland eine totale Sonnenfinsternis. Es lag damals so ein Duft von „einmaligem Erlebnis“ in der Luft.  Das musste man sehen!  Alle hatten diese speziellen Brillen, mit denen man in die Sonne schauen konnte und waren ganz aufgeregt.

Ich war damals gerade erst 6 Jahre alt und kann mich nur schemenhaft erinnern, aber meine Eltern erzählten mir:
Als die Sonnenfinsternis einsetzte, kam alles zur Ruhe. Windstille. Die Vögel verstummten. Selbst die Insekten versteckten sich. Die Sonne verlor merklich Kraft, es wurde kühler. Die Zeit fror irgendwie ein. Die Sonne verschwand hinter dem Mond und es wurde finster.

So eine Sonnenfinsternis ist schon etwas Eigenartiges. Ganz plötzlich wird’s dunkel. Mitten aus dem Nichts heraus. Das ist eine Erfahrung, die ich aus meinem Leben kenne. Manchmal passiert etwas und ganz plötzlich fühlt es sich so an, als schiebt sich etwas vor die Sonne. Ganz schlagartig wird es finster im Leben. Die Zeit friert ein. Solche Sonnenfinsternismomente fühlen sich unwirklich an. Es ist fast unvorstellbar, dass es wieder heller, wärmer und lebhafter werden kann. Dass die Vögel wieder anfangen werden zu singen. In dem unwirklichen Moment, in dem der Mond sich vor die Sonne schiebt, ist das Licht und die Wärme der Sonne nicht zu spüren. Und ja, solche finsteren Momente sind Teil des Lebens. Gleichzeitig weiß ich aber auch, es wird nicht finster bleiben. Das zu wissen, kann in solchen Momenten Hoffnung geben. Es wird wieder heller werden. Das zeigt die Erfahrung der Sonnenfinsternis. Die Sonne bleibt ja da. Auch wenn ich sie gerade nicht wahrnehmen kann. Auch wenn auf meinem Leben gerade Schatten liegt weiß ich, die Sonne ist noch da und strahlt weiter. Der Schatten wird weiterziehen. Es wird wieder heller werden und ich werde die Sonne dann auch wieder spüren. Es wird wieder heller werden und Finsternis wird vergehen. Das ist auch Teil meiner christlichen Hoffnung.

Warum kann ich das hoffen? Weil Jesus selbst das Licht ist. In finsteren Momenten spüre ich von diesem Licht nicht so viel. Dann ist es, als ob sich der Mond dazwischengeschoben hat. Und doch weiß ich, der, der mein Leben hell macht, der, der mir Hoffnung gibt, der ist da und bleibt da. Ich glaube ans Licht, auch wenn ich‘s gerade nicht sehen kann. Das Licht bleibt da, trotz finsteren Phasen. Und es wird nicht immer dunkel sein.

So haben es mir auch meine Eltern von der Sonnenfinsternis vor 26 Jahren berichtet: Es wurde irgendwann wieder heller. Die Natur erwachte langsam wieder. Es wurde spürbar wärmer. Und die Vögel nahmen ihren Gesang wieder auf.

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