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SWR3 Gedanken

02MAI2026
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Aus meiner Zeit in Israel ist mir ein Satz noch sehr im Gedächtnis: Le chaim! – Auf Deutsch:  „Auf das Leben!“  Er wird oft als Trinkspruch verwendet. So, wie man auf Deutsch „Zum Wohl!“ sagt. In „Le chaim“ steckt aber viel mehr als nur, miteinander anzustoßen. Es ist eine Aufforderung, das Leben zu feiern. Dafür gibt es gerade heute einen guten Grund. Denn am 2. Mai 1945 haben die deutschen Truppen in Berlin kapituliert.

In der Stadt wurde nicht mehr gekämpft und kurz danach auch in ganz Deutschland nicht mehr. Endlich war der Krieg vorbei. Für Jüdinnen und Juden, die diese Zeit erlebt und überlebt haben, war es trotzdem kein Grund zum Feiern. Zu groß waren die Trauer und die Wut über Millionen von Menschen, die von den Nazis ermordet wurden. Für mich ist es unvorstellbar, wie sich dieser Moment am Kriegsende angefühlt haben muss.

In den nächsten Tagen werden sich Menschen wieder an das Ende des Krieges in Europa und an die mehr als 6 Millionen jüdische Opfer erinnern. Ich auch. Ich will dazu beitragen, dass das, was damals geschehen ist, nie vergessen wird – und niemals wieder passieren kann.
Und wenn ich mit jemandem anstoße und „Le chaim“ sage, wird es da sein: Ein trauriges, trotziges, hoffnungsvolles „Es lebe das Leben!“

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SWR3 Gedanken

01MAI2026
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„Das verstehst du nicht. Dafür bist du noch zu klein.“ Diesen Satz sagen Erwachsene gerne mal zu Kindern. Was sie aber oft damit meinen, ist: „Das geht dich nichts an!“  Dass das so nicht immer stimmt, habe ich neulich wieder gemerkt.

Als Pfarrerin bin ich zu Besuch bei einer Familie. Dort sitze ich mit den Eltern und ihren drei Kindern am Küchentisch und fülle mit ihnen gemeinsam ein Formular für eine Taufe aus. Als ich an die Stelle „Familienstand“ komme, zögere ich kurz. Ich will es den Kindern erklären und frage deshalb den achtjährigen Tobi: „Was ist dein Familienstand? Also, bist du verheiratet?“

Tobi zögert kurz, dann grinst er und murmelt: „Nee, verliebt.“ Ich muss so lachen. Und ich finde, dass Tobi die Sache mit dem Familienstand sehr gut verstanden hat.

Sich zu verlieben oder Liebe zu fühlen kann so tief gehen, dass es alles verändert. Mit Liebe im Herz, im Bauch und im Kopf sehe ich alles um mich herum mit neuen Augen an – fühle mich buchstäblich, als hätte ich auf einmal einen anderen „Stand im Leben“. So etwas ist für viele Menschen genauso wichtig wie eine Hochzeit und sogar wichtiger als der Familienstand: verheiratet.
„Wenn ich keine Liebe habe, bin ich nichts.“[1] sagt die Bibel und Hochzeitspaare suchen sich diesen Satz gerne für ihre Trauung aus.

Er ist eben nicht nur schön, es spricht auch eine Tiefe aus ihm. Und er stößt uns darauf: Das mit der Liebe ist etwas ganz Besonderes und geht über unser Leben und sogar über den Tod hinaus. Die ganze Welt kann sich mit Liebe völlig anders anfühlen.
So etwas können auch Kinder spüren und auf ihre Weise ausdrücken. Und wir Erwachsene lachen überrascht – und staunen.

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[1] 1Kor 13

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SWR3 Gedanken

30APR2026
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Endlich fertig – nie wieder Schule! Das haben sich bestimmt einige der Schülerinnen und Schüler gedacht, die in den letzten Monaten ihren Abschluss gemacht haben – oder ihn bald machen werden.
Mit der Erleichterung kommt für viele jedoch auch eine große Frage auf: Und was jetzt? Was soll ich nun mit meinem Leben anfangen? Da gibt es so viele Möglichkeiten: Eine Ausbildung machen, studieren, was für die Gesellschaft tun oder einfach erstmal reisen?

Darauf eine Antwort zu finden kann ganz schön unter Druck setzen. Die Jugendlichen spüren die Erwartungen ihrer Lehrerinnen und natürlich der Eltern.

Und, klar: Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten als früher! Aber wer sagt, dass es deshalb einfacher ist? Vielleicht hilft es, sich ehrlich zu fragen: Was ist mein Weg? Was kann ich für mich tun? Nicht für andere, sondern für mich? Wofür kann oder könnte mein Herz schlagen?  Dafür braucht es nicht immer einen ausgefeilten Plan, sondern Vertrauen, dass es gut werden kann.

In der Bibel schickt Gott den Hirten Abraham in ein fremdes Land und sagt zu ihm „Lech lecha!“, wortwörtlich: „Geh für dich!“
Und Abraham macht sich auf. Er kennt den Weg nicht – und hat keinen Plan. Gottes Vertrauen gibt ihm Sicherheit und ist stärker als alle seine Zweifel.

So viel schon mal vorweg: Einiges läuft anders als er es sich vorstellt, doch am Ende blickt er voller Dankbarkeit auf den Weg zurück, den er mit Gott gegangen ist.

„Geh für dich!“ ist am Ende viel mehr als ein Lebensmotto. Es ist ein echter Wegweiser für die Zukunft.

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SWR3 Gedanken

29APR2026
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Eigentlich sieht sie ganz normal aus, diese Rose. Mit ihren gelben Blütenblättern im Zentrum, die nach außen hin rosa werden. Sie erinnert sie mich an so viele andere Sorten, die bald schon überall in den Gärten blühen werden. Wenn ich ehrlich bin, dann finde ich andere Rosen schöner. Aber ihr Name, der macht schon einiges her: Gloria Dei, auch Friedensrose genannt.

Diese Züchtung gibt es erst seit 1945, also seit dem Jahr, in dem Zweite Weltkrieg endete. Als sich dann die Vollversammlung der UN im selben Jahr traf, um den Frieden zu sichern und einen neuen Weltkrieg zu vermeiden, bekamen alle Delegierten als Geschenk, Sie ahnen es: eine Gloria Dei.

Wenn Menschen vom Frieden erzählen, dann verwenden sie oft das Bild einer Blume, die langsam heranwächst. Für mich passt das so gut!

Frieden braucht Zeit. Bis ich ihn spüren kann, kann es sich quälend lang anfühlen. Und oft habe ich das Gefühl, dass alles, was andere oder ich dafür tun, umsonst ist. Und kein neuer Frieden aufblüht.

Doch bis aus einem kleinen Samenkorn etwas wächst, dauert es. Umso mehr freue ich mich, wenn ich dann auf einmal die ersten zarten, grünen Triebe sehen kann. Und wenn die Blume dann in voller Blüte steht, kann ich kaum glauben, dass etwas so Schönes mal so klein angefangen hat. So, stelle ich mir vor, wird es eines Tages auch mit dem Frieden sein. In meinem Leben und auf der Welt. Ich werde ihn sehen – weil er kommt!

So, wie die Blüten der Gloria Dei, deren Farben auch in diesem Jahr ganz sicher leuchten werden.

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28APR2026
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An meine allerersten Freundschaften erinnere ich mich noch heute.
Ich habe meine Freundinnen im Kindergarten kennengelernt, wurde gemeinsam mit ihnen eingeschult oder wir waren im selben Verein.
Jetzt, wo ich älter bin und sie nicht mehr automatisch jeden Tag sehe, merke ich: Freundschaften können auch ganz schön viel Arbeit sein. Ich muss mich melden, Kontakt halten, bewusst was mit ihnen unternehmen.

Und manchmal passiert das, was ich eigentlich nicht will: Freundschaften gehen kaputt, zerbröseln oder lösen sich einfach auf. Oft ist ein Streit der Auslöser, ein Missverständnis oder eine Verletzung. Ich habe das schon mehrmals erlebt.

Das Ende einer Freundschaft kann sehr schmerzhaft sein, besonders wenn ich mit jemandem so lange durchs Leben gegangen bin, wir so viel zusammen durchgemacht haben und dann irgendwann merken: So richtig haben wir uns gar nichts mehr zu sagen. Oder schlimmer: Wir können uns gegenseitig nicht mehr vertrauen.

Die Bibel erzählt auch von zwei Freunden: Abram und Lot. Sie sind Wanderhirten, ziehen mit ihren Familien und Tieren durchs Land. Gemeinsam.  

Doch immer häufiger sind sie verschiedener Meinung. Sie merken: wenn sie so weitermachen, wird es irgendwann richtig krachen zwischen ihnen.

Also ziehen sie rechtzeitig einen Schlussstrich, sie trennen sich im Guten. (Einer geht links, der andere rechts.)
Sie hätten es auch drauf ankommen lassen und schauen können, wer vor beiden sich am Ende durchsetzen kann. Die beiden entscheiden sich aber anders.
Selbst, wenn ihre gemeinsame Geschichte nicht mehr weitergehen kann, schaffen sie es, respektvoll auseinander zu gehen.
Wenn es überhaupt möglich ist, eine Freundschaft gut zu beenden – die beiden schaffen es.
Und machen dadurch Menschen heute Mut, mit sich selbst und anderen ehrlich zu sein und zu sagen: Du, so, wie es ist, stimmt es nicht mehr. Lass uns stattdessen getrennte Wege gehen – aber in Frieden.

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27APR2026
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Heute ist der Tag des Morse-Codes. Und auch, wenn das Morse-Alphabet längst nicht mehr so oft wie früher genutzt wird, einen Code kennen viele Menschen noch immer auswendig: dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz. Das steht für SOS und ist ein internationales Notsignal. Es kann über Licht, Ton oder eben Funk gesendet werden. In lebensbedrohlichen Situationen können Menschen so einfach um Hilfe bitten.

Etwa bei einem Flugzeug- oder Schiffsunglück. Ein solches SOS-Zeichen gibt es auch für den Alltag. Es wird mit der Hand gemacht. Wenn wir sehen, dass jemand die Handfläche zeigt, dann den Daumen einklappt und die Finger über dem Daumen schließt, sollten wir aufmerksam werden. Es ist ein leiser Hinweis, ohne Licht- oder Tonsignal, aber genauso wichtig.

Wer sich nicht mehr anders helfen oder auf sich aufmerksam machen kann, für den ist dieses Signal oft die einzige Chance auf Rettung.

Wenn ich es wirklich mal benutzen muss, dann hoffe ich, dass mich jemand sieht. Und genauso hoffe ich, dass ich nicht achtlos vorbeigehe, wenn jemand anderes so dringend Hilfe braucht.

Ein Lied findet dafür schöne Worte: Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt.*
Gottes Liebe wird sichtbar, wenn ich erkenne, was ein anderer Mensch gerade braucht und dann auch für ihn da bin.

Die Hinweise sind da: klein und groß, laut oder still – wenn ich hinsehe, -höre und -fühle. Und hoffentlich im genau richtigen Moment das SOS-Signal empfange.

*Lied: „Schenke mir Gott, ein hörendes Herz“

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26APR2026
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Jetzt ist es schon wieder fast 4 Monate alt: Das Motto aus der Bibel, das über diesem Jahr steht: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“*. Noch immer flößt mir dieser Satz Respekt ein.  

Wirklich ernstgenommen heißt das ja, dass ALLES radikal neu und damit anders wird. Und das überfordert mich. Wenn mich manchmal selbst schon kleine Änderungen aus der Bahn werfen, wie soll dann damit fertig werden?

Dass es eine gute Zukunft geben kann, selbst wenn das Leben ganz anders wird, haben Christinnen und Christen vor drei Wochen an Ostern gefeiert: Jesus, der gekreuzigt wurde, ist von den Toten auferweckt worden. Sein Grab ist leer! Er hat den Tod besiegt. Wenn das kein „alles neu“ ist!

So, wie es in der Ostergeschichte erzählt wird, kann ich mir dieses „alles neu“ viel besser vorstellen. Es muss sich nicht nur wie eine Katastrophe anfühlen, wenn mein Leben nicht gerade verläuft und über den Haufen geworfen wird. Sondern es kann mir auch eine neue Perspektive zeigen.

Wenn mir Gedanken, Sorgen oder eine Krankheit die Luft abdrücken, mir den Lebensatem nehmen, ist es für mich eine Entlastung, wenn ich daran festhalten kann: Es geht weiter. Selbst, wenn ich das jetzt noch nicht sehen kann.

Für mich ist das ein befreiender Gedanke. Wie ein kleines Ostern, dass ich immer wieder erlebe, wenn ich mir einen Neuanfang wünsche, aber nicht vorstellen kann.

Dieser Gedanke trägt mich und gibt mir die Hoffnung, dass es gut sein wird, wenn es heißt: „Ich mache alles neu!“

*Offb 21,5

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10JAN2026
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Neulich im Urlaub in Budapest bin ich in einem Souvenirgeschäft mal wieder schwach geworden. Da war so eine schöne Matrjoschka, die ich einfach haben musste. Wer nicht weiß, was das ist: Eine Matjroschka ist eine bunt bemalte Holzpuppe. Wenn man sie öffnet, steckt in ihr eine kleinere Puppe, die genau so aussieht, und dann wieder eine kleinere und wieder … bis es irgendwann nicht mehr weitergeht.

Meine Matrjoschka sieht auf den ersten Blick wie jede andere aus. Doch wenn ich eine Puppe nach der anderen öffne, erkennt man den Unterschied: Alle sind völlig verschieden aus. Diese Matrjoschka ist für mich ein Bild für mein Innenleben: Da gibt es auch viele Schichten.

Die äußerste können alle sehen. Doch darunter liegt so viel mehr. Schicht um Schicht stapeln sich übereinander und hüllen mich ein. Keine sieht wie die andere aus. Jede ist ein kleiner Teil von mir.

Für Menschen, denen ich vertraue, öffne ich mich und zeige ihnen einige meiner Schichten. Bei anderen möchte ich das lieber nicht. Und bis ganz nach unten, bis zum Kern, wo es nicht mehr weitergeht, kommt eigentlich niemand. Ich stelle mir vor, dass dort meine Seele ihren Platz hat.

An diesem Ort ist sie sicher und geschützt, nur ich weiß, wie es in ihr aussieht – und Gott. So erzählt die Bibel das: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.*

Gott schaut in mein Innerstes und auf andere Dinge als die, die uns Menschen interessieren. Er sieht durch alle Schichten, die ich übereinandergelegt habe. Vor Gott muss wir nichts erklären oder mich nicht rechtfertigen.

Er sieht mich an und erkennt, was ich wirklich meine.
Niemals würde er mich und meine Seele vor anderen bloßstellen oder verletzen. Wenn er mich anschaut, ist da nur Verstehen und Fürsorge für alles, was in mir steckt. Deshalb bin ich froh, dass Gott das kann: Mir ins Herz schauen.

*1Sam 16,7

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09JAN2026
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Mit Schwung und Elan ins neue Jahr! Zumindest sage ich mir das. Aber ich kann die Worte in meinem Innern nicht fühlen. Die Tage, die noch immer so kurz und dunkel sind, der oft bleigraue Himmel – das alles drückt mir ganz schön auf die Stimmung. Der Januar kann ein mieser Monat sein.

Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich gar nicht mehr aus meinem warmen, gemütlichen Bett herauskommen. Oder ich würde zu meiner Oma fahren, so wie früher, und bei ihr ganz viel Suppe essen.

Omas deftige Gemüsesuppe, die ist für mich etwas ganz Besonderes – sie schmeckt und fühlt sich nach Heimat an.   Nach zwei oder drei Tellern davon sind meine Hände und Füße wieder warm und ich fühle mich schläfrig. Und wünsche mir, dass es ein Suppenrezept für alle gibt, die sich gerade mutlos fühlen.

Wer davon isst, bekommt neue Energie und Zuversicht. Eine echte Hoffnungssuppe – das wär’s! Ob dann die Stimmung insgesamt positiver wäre? Ich stelle mir all diejenigen vor, deren Körper und Seele seit langer Zeit mal wieder richtig satt werden. Und wie dann wohlige Behaglichkeit einkehrt.

Nach so einem Gefühl von Ruhe und Sorglosigkeit mitten im Chaos sucht auch ein Mensch in der Bibel: Bei Gott allein wird meine Seele ruhig, von ihm kommt mir Rettung.*

Selbst wenn diese Worte nicht alles, was grau und kalt ist, wegschieben können: Meine Haltung verändert sich. Denn da ist Gott, die unerschütterliche Kraft, die mich berührt. Sie wärmt mich von innen gegen die Kälte da draußen. Eben wie eine Seelen-Suppe. Darin lässt sich bestimmt Hoffnung finden, und neuer Schwung. Auch in kalten Zeiten.

*Ps 62,6

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08JAN2026
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Selbstliebe ist wichtig. Besonders für Menschen, denen von anderen gesagt wird, dass sie so, wie sie sind, nicht richtig sind. Obwohl sie daran nichts ändern können – und auch nicht wollen. Das ist vor allem für queere Menschen immer noch bittere Realität. Leider gibt’s das auch heute noch: Christliche Kirchen und Gemeinden, in denen sie ausgegrenzt oder diskriminiert werden.

Kein Wunder also, wenn viele Queers Gott und Glaube nicht mit Selbstliebe und Akzeptanz in Verbindung bringen können. Dabei erzählt schon das alte Kirchenlied „Lobe den Herren“ genau davon. In dem Lied heißt es über Gott: „… der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?“* Immer wieder trifft mich diese Botschaft ins Herz, sie berührt meine Seele.

Gott ist ganz anders als wir. Gott lässt sich nicht von Vorurteilen blenden. Gott sieht uns, mit allem, was in uns steckt. Gott weiß, was wir brauchen, um uns ganz und heil zu fühlen. Dafür wird kein Mensch verurteilt. Die Scham und das Verstecken sollen ein Ende haben.

Ich träume von einer Kirche, in der Menschen genau so glauben und leben können. Vielleicht können die Worte aus dem Lied dann auch für andere zu einer Hoffnung werden, die bei uns in der Kirche eine Heimat zum Glauben und Vertrauen suchen. Wenn sie sich von Gott stärken lassen wollen und es (noch) nicht können.

Gott ist Liebe. Das meint sowohl die Liebe für andere als auch für sich selbst. Damit fängt alles an.

Wo Menschen einander mit Respekt und Achtung ansehen, wird ein Stück von Gottes Liebe zu uns sichtbar.
Liebe und Selbstliebe machen einen Unterschied. Und den kann man spüren.

*Evangelisches Gesangbuch (EG), Nr. 316

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