SWR4 Sonntagsgedanken
Kennen Sie das Gefühl, wenn man wartet und die Zeit sich wie Kaugummi zieht? Wenn man nach einem schwierigen Gespräch eine Nachricht erwartet. Oder auf das Ergebnis einer Prüfung wartet. Auf eine Entscheidung, die jemand über einen trifft? Man wartet, und man weiß nicht, was kommt.
So geht es einem Mann in der Bibel. Er ist ein wichtiger Beamter am Königshof und sein Sohn ist todkrank. So ist seine allerletzte Hoffnung Jesus. Er bittet ihn, dass er seinen Sohn gesund macht. Als Jesus zu ihm sagt: „Dein Sohn lebt“, glaubt es der Vater – und auf dem Heimweg erfährt er, dass sein Sohn genau in diesem Moment gesund geworden ist.
Diese Erzählung ist eines der ersten Heilungswunder, von dem die Bibel berichtet. Und der, der Jesus bittet, ist ein königlicher Beamter. Ein Mann, der viel Geld, ein hohes Ansehen und Macht hat.
Der Beamte am Königshof ist es wohl gewohnt, dass andere seine Befehle ausführen und seinen Anweisungen folgen. Doch als er zu Jesus kommt, wendet sich für ihn das Blatt. Er selbst bittet um etwas. Und er hat das feste Vertrauen, dass Jesus helfen kann.
Ich bin fasziniert, wie Jesus hier mit einem Wort heilt. Er muss nicht vor Ort sein oder etwas Besonderes tun – ein einziges Wort von ihm reicht aus. Was Jesus sagt, das passiert auch! Wenn Jesus sagt: „Dein Sohn lebt“ – dann wird der Junge in diesem Moment gesund. Jesus sagt an anderer Stelle in der Bibel: „Steh auf, nimm dein Bett und geh“. Und der Kranke ist gesund und steht auf. Wenn Jesus sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“, dann sind sie vergeben. Das ist das absolut einzigartige an Jesus: Das, was er sagt, tritt ein.
Dass der Sohn gesund wird, ist ein riesiges Wunder. Doch ein ebenso großes Wunder ist, dass das Wort Jesu genau das tut, was es aussagt.
Der Mann glaubt Jesus, als er sagt „dein Sohn lebt“. Und er macht sich auf den Heimweg, obwohl er nichts sieht. Der Vater sieht kein Zeichen, keine sichtbare Heilung, keinen Beweis. Er vertraut dem Wort. Auf dem Heimweg erfährt er: Sein Sohn ist genau zu dem Zeitpunkt gesund geworden, als Jesus das gesagt hatte.
Glauben, das bedeutet auf Jesus zu vertrauen– auch ohne sichtbare Beweise. Jesu Wort allein reicht.
Es ist fast eine Heilung im Vorbeigehen. Jesus begegnet dem Vater in seiner Verzweiflung, hört ihm zu, nimmt ihn ernst. Er versteht, wie sich Angst, Hoffnung und Schmerz anfühlen. So stelle ich mir echte Mitmenschlichkeit vor.
Und gleichzeitig ist Jesus mehr als ein Mensch. Er ist ganz Gott: Mit der Vollmacht Gottes spricht er einen Satz – und Leben kehrt zurück. Kein Zauber, kein Spektakel, keine Inszenierung. Nur Liebe in Macht.
Ich glaube dran, dass Jesus das auch heute noch tut: Er spricht Worte, die Leben bringen. Er sieht unser Vertrauen – auch wenn es schwach ist. Und er handelt – vielleicht nicht immer so, wie ich es erwarte, aber immer aus seiner göttlichen Liebe heraus.
Ich gebe gerne zu, dass ich auch andere Zeiten kenne. Da stehe ich an einem Punkt und bete, und bitte – aber nichts passiert. Ich hätte es dann gern sichtbar, spürbar und eindeutig. Und muss mich damit begnügen, dass Gott sagt: „Vertrau meinem Wort. Geh los. Ich bin am Handeln, auch wenn du es noch nicht sehen kannst.“
Diese Art von Glauben ist nicht blind – sondern hörend. Er hört auf die Stimme Jesu und nimmt sie ernst. Denn wer Jesus begegnet, der begegnet nicht nur einem Menschen, sondern dem lebendigen Wort Gottes, das auch heute spricht.
Wenn Jesus spricht, dann geschieht etwas – selbst, wenn meine Augen noch keine Veränderung erkennen.
Wer weiß, vielleicht gibt Jesus mir ja genau heute etwas zu verstehen. Und dann laufe ich hoffentlich los und vertraue.
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Danke fürs Zuhören! Das hat jetzt richtig gutgetan!
Das habe ich gehört, als ich beim letzten Einkauf eine Bekannte auf dem Parkplatz getroffen habe. Ich war in Eile, wollte schnell die Tiefkühlsachen verstauen. – Und dann hatten wir doch ein Gespräch. Am Ende hat sie sich für die kurze Unterhaltung bedankt. Und ich war sehr froh, dass ich mir die Zeit genommen habe.
Das war nur eine Kleinigkeit, aber mit großer Auswirkung. Und umgekehrt habe ich es auch schon erlebt: Jemand hat mir was Kleines geschenkt und das ist mir inzwischen richtig lieb und wichtig geworden!
Auch Jesus erzählt in der Bibel von etwas Kleinem, das zu etwas Großem wird. Ein winziges Senfkorn wächst zu einem Baum heran. Jesus nutzt dieses Bild, um zu zeigen, wie Gottes Reich funktioniert. Er erzählt, dass ein Mann auf einem Feld ein Senfkorn sät. Das Senfkorn ist das kleinste aller Samenkörner. Doch wenn daraus der Baum wächst, bietet er den Tieren Schutz und Heimat.
Wie es damals üblich, nutzt Jesus Beispiele aus dem alltäglichen Leben der Menschen. Hier ist es die Landwirtschaft und der Ackerbau. Und dabei spricht Jesus vom Himmelreich, also von Gottes Reich. Das ist nicht unbedingt der Himmel „irgendwo“ ganz weit oben. Nein, es ist der Bereich in dem Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, regiert.
Mit dem Senfkorn als Beispiel erzählt Jesus, wie Gott handelt. – Nämlich ganz anders, als wir es oft erwarten. Gott tritt nicht unbedingt laut und gewaltig auf. Oft erlebe ich ihn im Alltag als unscheinbar und leicht übersehbar. Wenn ich mit ehrlichem Interesse gefragt werde: „Wie geht es dir wirklich?“ Und ich dann ehrlich antworten darf. Da entsteht Vertrauen und ich erfahre Gott im echten Interesse und in der Nähe. Wenn jemand mir die Türe aufhält oder ein Fremder mich anlächelt: Da begegnet Gott mir in kleinen Gesten, die Großes bewirken. Wenn ich ein einfaches leises Gebet spreche und plötzlich Frieden spüre: Da begegnet Gott mir in der Stille.
Jesus erzählt, dass Gott oft im Verborgenen handelt. Und das Gottes Reich klein beginnt – so klein, dass es leicht übersehen werden kann. Doch es wächst. Ebenso wie aus einem kleinen Samen einmal ein großer Baum wird.
Gottes Reich beginnt bereits hier auf der Erde. Überall dort, wo Menschen miteinander unterwegs sind und sich liebevoll begegnen, da ist Gottes Reich. Wo sich Freunde gegenseitig in Sorgen und Ängsten unterstützen. Wo Menschen sich schon im Kleinen für den Frieden einsetzen, weil sie sich gegenseitig vergeben – da ist Gottes Reich.
In diesen scheinbaren Kleinigkeiten ist Gott selbst zu finden, in diesen Momenten wächst sein Himmelreich.
Und auch für Jesus sind gerade die Unscheinbaren wichtig. Jesus hat immer die Menschen gesehen, die von allen anderen übersehen wurden: Eine Ausländerin, die zur größten Mittagshitze allein am Brunnen nach Wasser sucht. Jesus setzt sich zu ihr, um mit ihr zu reden. Ein Mann und Betrüger, der von allen anderen verachtet wird. Zachäus ist wortwörtlich viel zu klein, dass man ihn wahrnehmen und sehen kann. Deshalb steigt er auf einen Baum und Jesus lädt sich prompt zu ihm nach Hause ein. Es ist ihm egal, dass er bei einem Schwindler und Halsabschneider zum Mittagessen ist. Jesus sieht einfach sein festgefahrenes Leben und er möchte ihm helfen.
Jesus war immer ganz nahe an denen dran, mit denen sonst niemand etwas zu tun haben wollte. Er hat sich bewusst mit den Leuten umgeben, von denen er wusste, dass es Gerede mit sich bringt. In diesen Momenten im Leben von Jesus zeigt sich die Bedeutung des Kleinen.
Jesus hat auch große Wunder getan, die Menschen erschreckt, überrascht oder riesig gefreut haben. Doch ebenso hat der das Leben von Einzelnen durch kleine Momente komplett auf den Kopf gestellt. Er hat sich konsequent denen zugewandt, die von der übrigen Gesellschaft ausgestoßen waren. Jesus hat den Menschen seine besondere Liebe und Aufmerksamkeit geschenkt, die von allen anderen schlecht behandelt wurden.
Gottes „Senfkornprinzip“ zeigt mir, dass das Kleine eine große Kraft hat! Und das macht mir an schwachen Tagen Mut und an starken Tagen beflügelt es mich.
Ich erlebe ganz oft Phasen, wo ich mich klein, unbedeutend und nutzlos fühle. Dann denke ich an Gottes „Senfkornprinzip“. Das erinnert mich, dass er das Kleine und wenig Gesehene sehr gut gebrauchen kann. Denn in Gottes Reich entsteht aus etwas Winzigem was ganz Großes.“ Die Kategorien „unwichtig“ oder „unbegabt“ gibt es bei ihm nicht.
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