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SWR3 Gedanken

04JUL2026
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Eine Geburt mitzuerleben ist immer was ganz Besonderes. Bei mir war das vor ein paar Wochen so. Unser drittes Kind ist da auf die Welt gekommen. Eigentlich könnte man meinen: Wer das schon zweimal erlebt hat, der kennt das ja alles. Aber ganz ehrlich: Es hat mich wieder genauso umgehauen wie beim ersten Mal.

Dieses stundenlange Ringen. Die Anspannung und wie hilflos du dich als Mann oft fühlst. Und dann dieser Moment: Ein neuer Mensch ist da. Vor wenigen Minuten war dieses Kind noch verborgen. Jetzt liegt es auf dem Bauch seiner Mama. Es atmet, bewegt die kleinen Finger und schaut zum ersten Mal in die Welt.

Natürlich kommen danach auch die schlaflosen Nächte. Die sind eben Teil vom Paket. Aber dann sehe ich dieses kleine Gesicht. Das erste Lächeln und dann steht für einen Augenblick die Welt still – anders als kitschig will ich es gar nicht beschreiben.

Wie verrückt dankbar ich bin: Für diesen kleinen Menschen, der vollkommen auf seine Eltern angewiesen ist und vom ersten Atemzug an vertraut. Der geliebt wird, ganz egal, was er schon kann.

Wenn ich mein Kind anschaue, dann frage ich mich: „Wenn ich schon so empfinde – wie muss Gott uns dann erst anschauen?“ Es heißt ja: Gott schaut voller Liebe auf die Welt. Und wenn ich so liebevoll unser Kind anschaue, kann ich was davon ahnen, wie Gott liebt. Das ist wahrscheinlich nur ein blasser Schimmer vom Ganzen. Denn Gott hat die Liebe nicht nur erfunden. Er ist sie: eins zu eins.

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SWR3 Gedanken

03JUL2026
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Mit meinem alten Sandkastenfreund Felix sitze ich zusammen. Dann überrascht er mich: Bevor er zum ersten Schluck aus seinem Weinglas ansetzt, schließt er die Augen. Er hält seine Nase ins Glas und schwenkt ein paarmal. Kaum hat er getrunken, fängt er an mir irgendwas von einer kräftigen Preiselbeernote und einem Hauch von Räucherfleisch zu erzählen. Und ich sitze einfach nur da, schau in mein Glas und sage: „Also für mich schmeckt das einfach nur nach einem guten Rotwein.“

Leute wie Felix faszinieren mich, weil sie was wahrnehmen, was mir völlig entgeht. Ich würde auch gern so gut schmecken können – und tatsächlich: Mein Kumpel zeigt mir, worauf er genau achtet, und mit der Zeit schmeck ich auch mit etwas Fantasie so was wie Preiselbeere aus dem Wein raus.

Ich habe mal diesen Vergleich gehört: Gott entdecken ist so ähnlich wie guten Wein verkosten. Viele sagen: „Ich spüre nichts und ich sehe nichts. Warum sollte ich an Gott glauben?“ Ich kann diesen Gedanken verstehen, und gleichzeitig überlege ich: Vielleicht liegt es gar nicht daran, dass Gott nicht da ist. Vielleicht haben manche nur nie gelernt, auf ihn zu achten.

Ich kann meine Wahrnehmung für Gott schärfen, genau wie meine Geschmacksknospen. Wer seinen Wein runterschüttet, schmeckt weniger. Wer nur durchs Leben sprintet, übersieht vieles. Und wenn ich Gott finden will, brauche ich etwas Anderes: ruhige Augenblicke, in denen ich wirklich mal nicht produktiv bin. Momente, in denen ich einfach nur da bin und wahrnehme was ist.

So kann ich das üben - wie beim Wein. Und wenn ich dranbleibe, kann ich es erleben: dass Gott sich mir zwar nicht aufdrängt. Aber dass er wirklich da ist.

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SWR3 Gedanken

02JUL2026
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Grade gibt’s viele, die können die National-Elf im Schlaf runterbeten. Das schaff ich auch, und was ich genauso gut runterbeten kann, ist das Vaterunser. An diesem Gebets-Klassiker kommst du nicht vorbei, zumindest wenn dir Gott als Player im Leben wichtig ist.

Allerdings geht’s bei diesem Gebet von Jesus nicht darum es so super auswendig drauf zu haben, dass ich gleichzeitig im Kopf auch noch den nächsten Fußballabend planen kann. Beten geht anders - zumindest ist Jesus da ganz klar: „Wenn ihr betet, dann leiert nicht einfach irgendwas runter. Gott braucht keine großen Worte.“ Witzigerweise spricht er das bei seinen Leuten an, direkt, bevor er ihnen das Vaterunser vorstellt.

Ich glaube, dass es Gott weniger um meine Worte geht, sondern darum, was in meinem Herzen los ist, wenn ich mit ihm rede. Dass ich ihn wieder in meinen Wahnsinn reinlasse, auch wenn ich schon lange weg war. Dass ich ihm ungeschönt und brühwarm hinschütte, wie‘s mir gerade geht. Auch wenn mir grade zum Schreien zu Mute ist. Für Gott kein Ding.

Und dann gibt Jesus allen noch eine ganz entscheidende „Bedienungsanleitung“ fürs Vaterunser mit: „Wenn du betest, dann mach dir vorher klar, mit wem du redest. Dein Gott ist für dich wie ein guter Papa: Einer der dich kennt und der ganz genau weiß, was du brauchst, noch bevor das Wort auf deinen Lippen ist.“

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SWR3 Gedanken

01JUL2026
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Wer mit seinem besten Kumpel Urlaub am Meer macht und vor der Küste eine Insel entdeckt, die so aussieht wie im Reisekatalog, der muss da hin. So ist es Thomas und mir in Kroatien gegangen. Wir haben uns unsere zwei lustigen Mexikanerhüte aufgezogen und sind mit zwei Kajaks los.

Die Insel – ein Traum: unberührte Buchten, ein paar Indiana-Jones-würdige Ruinen und überall dieser betörende Pinienduft. Nur auf dem Rückweg kippt die Stimmung. Grund ist der Gegenwind. Wie die Bekloppten paddeln wir gegen die Wellen und kommen kaum vorwärts. Und dann dieses mulmige Gefühl: „Was, wenn wir es nicht schaffen“?

Gott sei Dank hatte ich Thomas an meiner Seite. Wir haben uns gegenseitig gepusht und irgendwann hatten wir wieder was zu lachen, als Thomas seinen Hut verloren hat und der dann in der Ferne fröhlich über die Wellen davongesegelt ist.

Am Ende ist alles gut ausgegangen – sogar zu gut: Wir sitzen völlig platt am Strand, und dann wie aus dem Nichts, taucht ein kleines Segelboot auf. Und drauf ein braungebrannter Mann mit Sonnenbrille – in seiner Hand: Thomas mexikanischer Ausreißer-Hut. Es war zu abgefahren - wie vom lieben Gott gefügt!

Deshalb ist unsere Story mit Kajak und Segelboot gleich doppelt verrückt: Weil sie mich an Gott erinnert. Egal was passiert: Er bleibt an meiner Seite. In aufgewühlten Zeiten find ich ihn in einem Freund, mit dem ich noch in den unmöglichsten Situationen nicht aufgebe. Und Gott hat sich mir auch durch dieses Segelboot gezeigt. Seine unerklärliche Kraft kann ich mir wie Wind in den Segeln vorstellen. Selbst wenn die haushohen Brecher anrollen – er bringt mich irgendwie da durch. Und manchmal schaukelt er mir noch die besten Überraschungen an Land.

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SWR3 Gedanken

30JUN2026
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Klingt vermutlich erstmal unbequem und zäh: so eine Schulung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Man kann es auch Präventionsprogramm zum Thema Missbrauch nennen. In meinem Job leite ich solche Workshops, und ich merke: manche fühlen sich verdächtigt, wenn man dieses Thema anspricht. Andere fragen sich, ob das überhaupt nötig ist. Bei uns doch nicht! Aber manche kennen Betroffene und wissen, wie tief die Wunden sind, die sexualisierte Gewalt hinterlässt.

Dabei sind die Zahlen eindeutig: sexueller Missbrauch zieht sich wie ein Geschwür durch unsere gesamte Gesellschaft. Durch Familien, Betriebe, Vereine, Hochschulen, Kirchen. In Deutschland werden im Schnitt jeden Tag fünfzig Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Fachleute gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit auch 500 sein können. Viele, die es betrifft, reden lange mit niemandem darüber, weil sie sich schämen, weil sie Angst haben, oder weil es ewig dauert, bis ihnen jemand glaubt. Da gibt´s dann erstmal Sätze wie „Jetzt hab dich nicht so.“ oder: „war doch lustig gemeint.“

Genau deshalb braucht es Prävention. Denn damit sich nichts Böses in eine Gruppe einschleicht, brauchen alle feinere Antennen. Dass ich die Kollegin wahrnehme, die beim Sommerfest von einem Kollegen aus Spaß mit einer Spritzpistole nass gemacht wird, obwohl sie schon dreimal „Stopp“ gesagt hat. Oder dieser Jugendleiter, der im Sommerlager immer wieder mit sexualisierten Schimpfwörtern um sich wirft, und niemand sagt was.

In einem Workshop wird nur ein Anfang gesetzt. Und wenn alle dranbleiben, dann merkt einer, der was im Schilde führt: Hier komme ich nicht weiter. Hier passen alle aufeinander auf!

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SWR3 Gedanken

29JUN2026
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Paul steht seit Jahren mal wieder auf seinem Skateboard und legt vor meinen Augen einen atemberaubenden Trick hin. Mein Kumpel zuckt mit den Schultern, aber mir bleibt der Mund offenstehen. Was da in Paul steckt! Für ihn scheinbar nichts Besonderes, aber für mich einfach „Wow“.

Tatsächlich treffe ich häufiger als gedacht Leute, in denen mehr schlummert, als sie denken:
Da sitzt eine Schülerin vor mir, die denkt, dass sie in nichts so richtig gut ist. Am Ende der Stunde ist sie die Einzige ihrer Klasse, die mich als Lehrer anspricht, dass sie sich Sorgen um einen Mitschüler macht.

Oder mein Studienfreund Tim, der erfrischend ehrlich und gleichzeitig immer mit einer Spur Humor zurückmelden kann, wenn ihm was nicht passt, ohne dass er andere damit vor den Kopf stößt. Ich erlebe so viele, die ihre Gaben gar nicht wahrnehmen, weil sie entweder unscheinbar daherkommen oder so selbstverständlich nebenbei mitlaufen.

Dabei sind solche verborgenen Stärken für andere eine Riesengeschenk. Ich nenne sie „Schlummerstärken“. So was wie ein extravagantes, ansteckendes Lachen, ein detailgenauer Blick, der die neue Frisur erkennt, selbst wenn nur die Haarspitzen gekürzt wurden, oder die Überraschungstorte, genau an dem Tag, an dem die Stimmung am Boden ist.

Ich glaube, Gott hat jedem Menschen mindestens ein tolles Talent geschenkt. Und dafür lege ich meine Hand ins Feuer: In jedem schlummert mehr, als wir uns erträumen können. Wäre doch super, wenn ich heute diese Person bin, die das aus jemandem rauskitzelt.

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SWR3 Gedanken

28JUN2026
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Was machen, wenn das Handy bimmelt, und du liest: „Hey, habt ihr Lust auf einen spontanen Besuch? Wir könnten in einer Stunde da sein. Seid ihr da?“

Bei mir bricht in solchen Momenten immer die pure Hektik aus. Klar, hab ich Lust auf Besuch, aber es hilft ja nichts. Ich muss schnell noch das Wohnzimmer durchsaugen, das Klo putzen und die Schuhe im Eingangsbereich ordentlich drapieren. Wenn der Besuch dann da ist, versuch ich den unmöglichen Spagat: Mich ausgelassen unterhalten und nebenher irgendwas Nettes auf den Tisch zaubern.

Sicher haben alle ihre eigene Art mit Besuch umzugehen. Eine Geschichte, die perfekt dazu passt, erzählt die Bibel: Von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Story geht so: Jesus besucht die beiden, sie sind wohl befreundet, und kaum ist er da, hetzt die eine durchs ganze Haus und treibt noch die ausgefallensten Häppchen auf. Das ist Marta. Die andere heißt Maria, und sie sitzt einfach nur bei Jesus und hört ihm zu.

Irgendwann platzt Marta der Kragen, sie beschwert sich bei Jesus, dass Maria nur rumsitzt und keinen Finger rührt. Die Antwort von Jesus sitzt: „Marta, Du machst dir viele Sorgen und Mühen. Maria aber hat das Bessere gewählt.“

„Meine Güte“, denk ich. Eindeutiger geht´s nicht. Und könnte glatt wie für mich geschrieben sein. Weil ich wie Marta total der Anpack-Mensch bin. Ich zeige meine Zuneigung durch Ärmel hochkrempeln.

Und doch gibt es das, was wichtiger als Häppchen und Drinks ist, was so ungebrochen wertvoll ist. Ich kann sie anderen und auch meinem Gott schenken: meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

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SWR3 Gedanken

31JAN2026
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Was schenkt man einem Teenager zum Geburtstag? Da kann man leicht daneben liegen. So wie meine Oma damals an meinem 13ten. Sie hat mir ein Knigge-Lexikon geschenkt, voll mit Benimmregeln. Ich war damals ziemlich durchgeknallt und hab gedacht: „Wie albern! Ein Buch, dass mir vorschreibt Türen aufzuhalten oder die Ellbogen vom Tisch zu nehmen. Lasst mich doch leben, wie ich will.“

Ich bin bis heute kein großer Knigge-Fan. Aber ich habe verstanden, dass es dabei um mehr geht als um Tischmanieren. Es geht um Werte wie „Anstand“ und darum, höflich zu bleiben, auch wenn mir jemand blöd kommt. Das sind solche typischen „Knigge-Werte“.

Die Werte, die mir noch viel wichtiger sind, kenne ich aus meinem Glauben. Und sie sind wie ein Kompass: Zum Beispiel dafür wie ein gutes Miteinander klappt. Ob ich Rücksicht nehme oder nur meinem eigenen Trott folge. Ob ich zuhöre, um zu widersprechen – oder um zu verstehen.

Jesus gibt mir kein Regelkorsett vor, bei dem alles genau festgelegt ist. Sonst sitzt zwar alles korrekt, aber es schnürt mir die Luft ab. Stattdessen sagt Jesus: „Liebe Gott – und liebe dein Gegenüber wie dich selbst. Mehr nicht.“

Das ist wenig konkret, und genau das ist der Punkt: Bei Jesus muss ich selbst denken, und rausfinden was „Lieben“ im Alltag heißt. Das ist anstrengend, weil es selten einfache Lösungen gibt.

Und genau diese Jesus-Werte halten mich im Gespräch mit anderen. Sie helfen, dranzubleiben, auch wenn es kracht. Und sie helfen, dass ich nicht einfach nur  Recht behalten oder „gewinnen“ will, sondern dass ich um Beziehungen ringe.

Wer Jesus folgt, der braucht keine Regeln nach dem Typ „Knigge“, sondern Werte, die atmen.

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SWR3 Gedanken

30JAN2026
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Fast ist er vorbei: Der „Dry January“. Meine Nachbarn und ein Freund von mir haben mitgemacht und einen Monat lang komplett auf Alkohol verzichtet.

Der „trockene Januar“ kommt aus England und erst hab ich überlegt: Mit Freunden was trinken gehen oder das obligatorische Gläschen Sekt in der Firma. Das alles gehört doch irgendwie dazu. Oder ist das harmlose Glas hin- und wieder doch nicht mehr so harmlos?

Fakt ist – und das hat mich wirklich schockiert - allein in Deutschland gibt es über zwei Millionen alkoholkranke Menschen. Und jetzt ist es auch wissenschaftlich belegt: schon ab dem ersten Schluck ist Alkohol gesundheitsschädlich.

Auch wenn jetzt schon Ende Januar ist und ich die selbstauferlegte Trockenheit verpasst hab: hinter dieser Challenge steckt für mich mehr als nur Verzicht.

Es ist eine Haltung: Dass bei einer Party nicht zwangsläufig Alkohol fließen muss, damit alle lustig sind. Dass eine Kollegin nicht gleich gefragt wird, ob sie schwanger sei, wenn sie beim Orangensaft bleibt.  Oder dass ich entspannt „Nein“ sagen kann, ohne dass mich jemand mit nett gemeinten Sprüchen wie „Eins ist wie keins“ zum Feierabendbier drängt.

Für mich ist es eine Form von Nächstenliebe, wenn ich einer Freundin das Gläschen Wein gönne, während ich bei meinem 0,0er Radler bleibe. Ich will die Leute um mich herum in ihren guten Entscheidungen unterstützen, und respektieren, wenn jemand eben nichts trinken will. Das ist nichts Großes. Aber für jemanden, der vielleicht gerade mit dem Thema Alkohol kämpft, kann es eines sein: ein entscheidender Haltungswechsel.

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SWR3 Gedanken

29JAN2026
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Jonah ist absoluter Star Wars-Fan. Von allem, was mit Lichtschwertern, Jedi-Rittern oder Raumschiffen zu tun hat. Jonah ist mein Sohn und über Star Wars könnten wir stundenlang fachsimpeln.

Und gleichzeitig…  wenn ich mir das ganze „Krieg der Sterne“-Spielzeug von Jonah anschaue, wird mir sofort klar, woher der Name kommt. Vom düsteren Darth-Vader bis zum kleinsten pelzigen Wesen: alle tragen eine Waffe und ich frage: Muss das sein, wenn jeden Tag Abertausende mit Waffen verletzt oder umgebracht werden?

Jonah und ich haben eine Abmachung mit den Spielzeug-Waffen getroffen. In unserer Star Wars-Welt stirbt keiner. Wenn wir zusammen spielen, geht es eher tollpatschig zu und aus den Laserpistolen fliegen nur Erbsen. Statt Krieg bekommt jede Seite die Gelegenheit nach Herzenslust zu schimpfen, bis die Wut verpufft und man sich wieder die Hand gibt.

Wenn ich auf die Realität schaue, weiß ich, dass eine waffenfreie Welt utopisch ist. Aber selbst wenn ich mich in diesem Punkt machtlos fühle, kann ich eine Sache aber tun: Ich kann gut überlegen, was mein Sohn von mir lernt. Und da weiß ich, was ich möchte. Jonah soll lernen, dass der gewaltlose Weg immer der bessere ist. Dazu hat Gott jedem Menschen eine Fähigkeit ins Herz gelegt. Auch wenn sie total verschüttet ist: Sie ist da und sie kann trainiert werden.

Menschen können, den waffenlosen Weg gehen. Wenn sie lernen, dass verbaler Schlagabtausch und Versöhnung zusammengehören. Wenn jemand den Mund aufmacht, bevor was zwischen zwei Menschen steht. Und wenn sich einer traut immer wieder die Hand auszustrecken. Eine waffenlose Hand.

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